See, Lisa: Töchter aus Shanghai
Nach Los Angeles verkauft: Zwei Schwestern aus einer ehemals neureichen Familie in Shanghai scheinen kaum verschnaufen zu können, bevor sie die nächste Katastrophe trifft.
Ein Schicksalsschlag folgt dem anderen
Zwei Schwestern aus einer neureichen Familie in Shanghai, gewöhnt an Luxus und das Leben in Bars der wilden 1930er Jahre, erfahren einen jähen Einschnitt in ihrem Leben. Ihr Vater verspielt das gesamte Familienvermögen und verkauft um die Schulden zu tilgen, seine Töchter an einen in Los Angeles lebenden Chinesen. Von nun an folgt ein dramatisches Handlungselement dem anderen. – Eine durchwegs kitschige Geschichte situiert im Shanghai und in China City von L.A. zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die einnimmt und eigenwillig mitreißend geschrieben ist.
Auffanglager Angel Island
Der Roman ist sehr interessant in den zeitgeschichtlichen Kontext der Invasion der Japaner in Shanghai eingebettet. Auch die skizzierte Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in Shanghai oder die Entstehung von China City in Los Angeles bilden den Hintergrund für die Schicksale der Schwestern Pearl und May. Die Reise in die USA, ihr monatelanger Aufenthalt im Auffanglager Angel Island, ihr Leben in ärmlichen Umständen voll körperlicher Arbeit und Ausbeutung sind durchsetzt von dramatischen Einschnitten.
Kaum verschnaufen
Der etwas hölzerne Sprachstil kann nicht mit der Schwierigkeit vom Chinesischen ins Deutsche zu übersetzen erklärt werden, da das Buch auf Englisch verfasst wurde. Dieser Stil verdichtet aber die an traditionelle chinesische Dramatikformen angelehnte Erzählstruktur: ein Schicksalsschlag folgt dem anderen, die Protagonistinnen scheinen kaum verschnaufen zu können, bevor sie die nächste Katastrophe trifft. Diese Erkenntnis erleichtert mitleidenden LeserInnen, diese harten Schläge wegzustecken. Dieser 450-seitige Schmöker ist durchaus für lange Winternächte zu empfehlen.
Von Karo Rumpfhuber
Infos
Erschienen 2009 bei C. Bertelsmann
Aus dem Amerikanischen von Elke Link und Andrea Fischer
Originalausgabe: „Shanghai Girls“, 2009
Über Lisa See bei Wikipedia,
mehr von C. Bertelsmann bei „Eselsohren“.
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