26/09/2008von 503 Views – 0 Kommentare

Klein, Naomi: No Logo!

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Buchcover
Der Kampf der Global Players um Marktmacht

Sachbuch (Wirtschaft, Politik)
Übersetzt von Helmut Dierlamm und Heike Schlatterer
Taschenbuch: Goldmann, 2002
Hardcover: Riemann, 2001
(„No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies“, Alfred A. Knopf, 2000)
Inhalt:

Sportsgeist statt Turnschuhe, große Freiheit statt Zigarette – dem Konsumenten werden statt überzeugender Produkte oft nur noch hohle Images angeboten. Naomi Klein offenbart die Machenschaften der multinationalen Konzerne hinter den Fassaden bunter Logos. (Pressetext)

Kurzkritik:

„Wenn Sie für irgendein Produkt Werbung machen, sehen Sie sich nie die Fabrik an, wo es hergestellt wird, … denn wenn Sie die Wahrheit über irgendetwas wissen, dann ist es sehr schwer, die oberflächliche Schaumschlägerei zu schreiben, durch die es verkauft wird“. (Helen Woodward)

Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Für das Glück auf Erden

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einige Jahre als Journalist über Werbung geschrieben habe und trotzdem (oder deshalb?) dieses Buch bisher nicht gelesen habe, obwohl ich das eigentlich immer wieder wollte. Ich habe für Magazine gearbeitet, die davon profitieren, dass sich die WerberInnen anscheinend nie persönlich treffen und über sog. Fachmedien kommunizieren – und dafür auch noch Inserate schalten. Jedenfalls könnte man in diesen „Fachmedien“ nicht über „No Logo!“ schreiben, u.a. weil diese auch nichts gegen Marken-Inserate haben.

Kleins Kernthese ist, dass um das Jahr 1993 herum Konzerne dazu übergegangen sind, statt ihrer Produkte Marken anzupreisen, was laut Klein zur Folge hatte, dass die Konzerne keine Probleme (mehr) damit hatten, ihren ArbeiterInnen und Angestellten zu kündigen und ihre Produkte in Billiglohnländern und sog. Sweatshops herstellen zu lassen, wo moderne Sklaven etwa für die Herstellung von Schuhen, für welche die Konsumfreudigen über 100 Euro bezahlen, ein paar Cent bekommen. Weiters werden die Konsumfreudigen mittels umfassender Werbemaßnahmen gefügig gemacht und in dieser Werbung wird mehr die Marke als das Produkt angepriesen. Ein Schuh ist bloß ein Schuh, aber eine Marke steht im besten Fall für das Glück auf Erden.

„Wir sind nachhaltiger als meine Wälder“

Klein erklärt, wie „die Welt“ immer mehr von den Konzernen und ihren Marken(-botschaften) „regiert“ wird, wie Werbung den öffentlichen Raum und die Bildungsstätten und die Medien übernommen hat und wie die Konzerne, deren Umsätze zum Teil größer sind als die Staatshaushalte ganzer Länder, immer mehr politische Macht ausüben. Sie beschreibt den – zur Zeit der Entstehung des Buches – aufkeimenden Widerstand gegen diese Konzerne und ihre Marken. Und sie behauptet sinngemäß, dass Manager-Botschaften à la „Unsere Mitarbeiter liegen uns am Organ, das schlägt“ und „Wir sind nachhaltiger als meine Wälder“ selten mehr als PR-artige Reaktionen auf diesen öffentlichen Protest waren und sind.

Schaumschlägerei

Auch wenn dieses Buch schon ein wenig in die Jahre gekommen ist (– die Rolle des Internet für kritische KonsumentInnen wird nur angedeutet, seine Rolle für die Werbeindustrie kommt überhaupt nicht vor), ist es auch heute noch lesenswert, denn es schärft Verstand und Sinne vor allem in Bezug auf Werbung, Konsum, Großkonzerne und Marken (insbesondere Body Shop, Coco-Cola, Disney, Hilfiger, McDonald’s, Microsoft, Nike und Starbucks).

Nicht nur in den sog. Werbe-Fachzeitschriften wird man davon bis heute nichts wissen wollen, auch wenn die Werbetexterin Helen Woodward schon in den Zwanzigerjahren (des vorigen Jahrhunderts) warnte: „Wenn Sie für irgendein Produkt Werbung machen, sehen Sie sich nie die Fabrik an, wo es hergestellt wird, (…) denn wenn Sie die Wahrheit über irgendetwas wissen, dann ist es sehr schwer, die oberflächliche Schaumschlägerei zu schreiben, durch die es verkauft wird“.

Von Werner Schuster

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Infos:

Naomi Klein, geboren 1971 in Montreal, studierte an der Universität von Toronto, wo sie Chefredakteurin der Campus-Zeitung war. Danach arbeitete sie mehrere Jahre als Kolumnistin und Chefredakteurin. Ihr erstes Buch »No Logo!« wurde zum internationalen Bestseller. 2001 gewann sie als bisher jüngste Autorin den National Business Book Award. Heute publiziert sie ihre Artikel in zahlreichen internationalen Zeitungen und Magazinen.

Über Naomi Klein bei Wikipedia.

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