Napoleoni, Loretta: Die Zuhälter der Globalisierung

16. Mai. 2008 | von

BuchcoverÜber Oligarchen, Hedge Fonds, ‘Ndrangheta, Drogenkartelle und andere parasitäre System
Sachbuch (Wirtschaft)
Aus dem Englischen von Heike Schlatterer und Ursel Schäfer
Hardcover: Riemann, 2008
(“Rough Economics”, Seven Stories Press, 2008)

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Wie der Islam die Welt rettet

Ich habe mich bei der Lektüre von Loretta Napoleonis “Die Zuhälter der Globalisierung” nicht besonders wohl gefühlt. Denn wenn auch nur die Hälfte von Napoleonis Recherche-Ergebnissen wahr ist, sind wir der Schurkenwirtschaft gnadenlos ausgeliefert. Paradoxerweise löste sich die Nachkriegsordnung auf, als das Ziel des Kalten Krieges endlich erreicht war und der Eiserne Vorhang fiel. Die Politik hatte keine Macht mehr über die Wirtschaft. Der Staat verlor die Kontrolle über den Markt. Von da an diente die Wirtschaft nicht mehr den Bürgerm, sondern sie wurde zu einer Zwangsgewalt, und es ging nur noch darum, auf Kosten der Konsumenten schnelles Geld zu verdienen.

Aber stimmt das alles? – Napoleoni schreibt über die russische und die italienische Mafia, über den “Marktstaat” China und seinen Hang zur (Raub-)Kopie, über den Niedergang der (amerikanischen) Mittelschicht, über die Marktmatrix (also vorgetäuschte Realität bei Produktion, Handel und Konsum) und Online-Schurkenwirtschaft. Mit Informationen über illegalen Fischfang, Klimawandel, politische Illusionisten, Terrorismus und Jugendbanden-Tribalismus entfernt sie sich meiner Ansicht nach zu sehr von ihrem Thema, um schließlich das islamische Finanzsystem vorzustellen und als Alternative zum westlichen zu empfehlen: Parasitäre Systeme würden dann aufgrund ethischer Bedenken eliminiert, Geschäfte mit Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel würden verboten. Hedge Fonds und Risikokapital würden ein Finanzsystem regeln, das die Schaffung von Geld durch Geld ablehnt.

Ja, das wäre fein. Und es würde mir leichter fallen, diese Thesen zu glauben, wenn das Buch nicht aus einer Aneinanderreihung von Behauptungen bestehen würde, die mit (angeblichen) Fakten untermauert werden. Ich könnte mehr damit anfangen, wenn aus Fakten Behauptungen abgeleitet werden würden, also wenn Napoleoni ihre Rechercheergebnisse zur Verfügung stellen würde, ohne sie mit ihrer Meinung zu vermischen.

Und was soll ich schließlich mit den relativ unvermittelt daherkommenden Vorhersagen im Epilog anfangen: Die neue Weltordnung wird von einer unsichtbaren Achse regiert, die sich von Bejing nach Kapstadt erstreckt. Europa und Amerika verlieren ihre Macht. Afrika und der Nahe Osten werden die notwendigen Ressourcen für die neue Führung der Weltwirtschaft liefern. – Ob ich das (noch) erleben werde?

Von Werner Schuster

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Kategorie: Sachbücher, Wirtschaft

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