25/02/2008von 536 Views – 0 Kommentare

Hyde, Lewis: Die Gabe

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Buchcover
Sachbuch
Aus dem Englischen von Hans Günter Holl
Hardcover: Fischer, 2008
(1983, 2006)
Inhalt:

In einer Welt, die von allem den Preis, aber von nichts den Wert kennt, huldigt Lewis Hyde jenen raren Momenten tieferer Einsicht, in denen es uns gelingt, den Warencharakter der Dinge zu überwinden. Dieses Buch erinnert auf eindringliche und stilistisch gekonnte Weise daran, was wir unseren kulturellen Gaben schuldig sind. Es enthält eine Art Manifest für alle Kunstschaffenden und Kunstliebhaber, die sich den Sinn dafür bewahrt haben, dass ihr kostbarster Besitz unveräußerlich ist. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wer sich von diesem Buch einen leicht zugänglichen Eso-Schmöker erwartet (Untertitel: “Wie Kreativität die Welt bereichert”), sei gewarnt: “Die Gabe” ist ein überdimensionaler Essay, also eine geistreiche Abhandlung, die keine letzten Wahrheiten predigt. Lewis Hyde nimmt seinen LeserInnen vielmehr auf eine Reise mit, die mit der Frage beginnt, ob Kunstwerke Waren sein können, und mit der Frage endet, wie Kunst und Markt koexistieren könnten.

Mein Problem mit diesem Buch ist: Sein Inhalt lässt sich verknappt nicht wiedergeben. Hyde spannt einen atemberaubenden Bogen vom Gabentausch kleiner Gemeinschaften über Reformation und amerikanischen Bürgerkrieg bis hin zur Gegenwart, von Volksmärchen über Walt Whitman und Ezra Pound bis hin zu Pablo Neruda; nein, er spannt keinen Bogen, er webt ein dichtes Netz aus Informationen.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Geld oder Leben

Wer sich von diesem Buch einen leicht zugänglichen Eso-Schmöker erwartet (Untertitel: “Wie Kreativität die Welt bereichert”), sei gewarnt: “Die Gabe” ist ein überdimensionaler Essay, also eine geistreiche Abhandlung, die keine letzten Wahrheiten predigt. Lewis Hyde nimmt seinen LeserInnen vielmehr auf eine Reise mit, die mit der Frage beginnt, ob Kunstwerke Waren sein können, und mit der Frage endet, wie Kunst und Markt koexistieren könnten.

Mein Problem mit diesem Buch ist: Sein Inhalt lässt sich verknappt nicht wiedergeben. Hyde spannt einen atemberaubenden Bogen vom Gabentausch kleiner Gemeinschaften über Reformation und amerikanischen Bürgerkrieg bis hin zur Gegenwart, von Volksmärchen über Walt Whitman und Ezra Pound bis hin zu Pablo Neruda; nein, er spannt keinen Bogen, er webt ein dichtes Netz aus Informationen.

Unüberwindlicher Widerspruch

Auch wenn es ins Bild passen würde: Es ist kein Spinnen-, sondern eher ein Zirkusnetz – und der Artist ist Lewis Hyde. Der sucht (bei seinen tollkühnen Sprüngen, könnte man jetzt sagen) nicht nach Bestätigungen seiner These, dass es zwischen Kunst und Markt einen unüberwindlichen Widerspruch gibt, sondern nach Antworten, welche auch erhellen können, dass der Markt die Gabe “Kunstwerk” nicht tendenziell zunichte macht. Währenddessen erfahren wir einiges über “Gott und die Welt” aus bisher wohl ungeahnten Blickwinkeln – und selbstverständlich viel über die Voraussetzungen von Kunst und Kreativität.

Dem Eros huldigen

Am Schluss haben wir uns wahrscheinlich kein Rüstzeug für Diskussionen und Talkshows angelesen, sondern vielmehr eine Ahnung von der Materie gewonnen und eine Neugierde auf alles, was damit zusammenhängt. Während der Lektüre und danach könnten wir – und das ist von mir nicht esoterisch gemeint – den Wunsch verspüren, nicht (mehr) nur dem Markt (also Beruf und Wirtschaft) als Ausfluss des “Logos” (als dem Prinzip der Vernunft und Logik sowie der Differenzierung) zu huldigen, sondern auch dem Eros.

Eine Gabe im Verzehr nicht aufgebraucht.

Mit Eros meint Hyde das Prinzip der Anziehung, Vereinigung und Verstrickung, das sich im Gabentausch ausdrückt. “Der wesentliche Unterschied zwischen Geschenk und Geschäft besteht darin, dass Geben eine Gefühlsbindung zwischen zwei Menschen begründet, Verkaufen dagegen nicht unbedingt.” Und eine Gabe kann man nicht kaufen – sie entwickelt sich, so Hyde, nur, indem man sie hergibt. Denn: “Sie wird im Verzehr nicht aufgebraucht.”

Die nicht weitergebbare Gabe
wird zu einer schweren Last

Was nun Kunstwerke anlangt, so zitiert Hyde etwa Mary Sarton: “Es gibt nur einen Mangel, habe ich heute Morgen beschlossen, nämlich nicht in der Lage zu sein, denen, die man am meisten liebt, seine Gaben zu gewähren. Die nach innen gerichtete, also nicht weitergebbare Gabe wird zu einer schweren Last, manchmal sogar zu einer Art Gift. Es ist, als staue sich der Strom des Lebens.”

Mühen statt Arbeit

Und was das alles zB mit Whitmans “Grashalmen” zu tun hat, müsste man sich anhand von “Die Gabe” selbst erarbeiten. Wobei Hyde den begriff “Arbeit” in diesem Zusammenhang wohl als nicht zutreffend ansehen und von “Mühen” sprechen würde. Wollte ich nun “Mühen” erklären, würde das über kurz oder lang dazu führen, dass ich das ganze Buch abschreibe.

Und da kann man es doch gleich selber lesen.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Lewis HYDE bei Fischer und auf seiner Homepage.

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