10/01/2011von 716 Views – 0 Kommentare

Moravia, Alberto: Der Ungehorsam

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Buchcover

  • Taschenbuch
  • Erschienen 2010 bei Wagenbach
  • Aus dem Italienischen von Linda Winiewicz
  • Originalausgabe: „La disubbidenzia“, 1955


Inhalt:

Luca, 15 Jahre alt, fährt mit den Eltern nach den Sommerferien am Meer zurück nach Rom, die Schule beginnt, aber seine Welt ist alles andere als in Ordnung: Ein seltsamer Widerwille gegen alle Dinge beschleicht ihn, und er begibt sich in eine innerliche Opposition zu allem, was ihn umgibt: die wohlhabenden Eltern, deren Fürsorge er fortan zurückweist, der Unterricht, die Freunde alles wird ihm langweilig, alle Bindungen sind ihm lästig und zuwider. Zwei Frauen befreien Luca aus seiner Todessehnsucht. (Pressetext)

Kurzkritik:

Eltern von (noch nicht) Pubertierenden sollten dieses Buch auf alle Fälle lesen. Sie werden sich erinnern, wie es war, als man sich „in eine innerliche Opposition zu allem“ begab, vor allem zu den Eltern. Als man völlig gelangweilt war und gleich darauf von den eigenen Gefühlen überwältigt wurde. Als man von einer Todessehnsucht erfüllt wurde, weil man auf eine Art Neugeburt zustrebte.

Werner gibt  ★★★★¾  (4,75 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Pubertät, glasklar

Eltern von (noch nicht) Pubertierenden sollten dieses Buch auf alle Fälle lesen. Sie werden sich erinnern, wie es war, als man sich „in eine innerliche Opposition zu allem“ begab, vor allem zu den Eltern. Als man völlig gelangweilt war und gleich darauf von den eigenen Gefühlen überwältigt wurde. Als man von einer Todessehnsucht erfüllt wurde, weil man auf eine Art Neugeburt zustrebte.

Moravia lässt die Todessehnsucht des 15-jährigen Luca so stark werden, dass dieser tatsächlich beinahe stirbt. Und weil das Buch in den 50er-Jahren geschrieben wurde und die Eltern von Luca wohlhabend sind, sind dann auch gleich Frauen zur Hand, auf welche sich Lucas sexuelles Erwachen fokussieren kann: ein Kindermädchen und eine Krankenschwester.

Ein 50er-Jahre-„Glück“

Nicht alle haben und hatten so ein 50er-Jahre-„Glück“ (und heutzutage hätte die Krankenschwester einen Prozess wegen sexuellen Missbrauchs am Hals). Aber alle verstehen auch heute noch, was gemeint ist.

Auch diejenigen, die gerade kein gesteigertes Interesse an der Pubertät und ihren Auswirkungen haben. Die können sich an Moravias nüchterner, glasklarer Sprache delektieren – und daran, wie viel Welt man auch in ein dünnes Buch holen kann.

Von Werner Schuster

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Infos:

Alberto Moravia, 1907 in Rom geboren, begann 1925 nach schwerer Krankheit zu schreiben. Bereits sein Erstlingsroman „Die Gleichgültigen“ (1929) fand große Beachtung. Seit 1941 von der Zensur stark behindert, erhielt er wenig später wegen seiner immer offener demonstrierten antifaschistischen Haltung Schreibverbot. Nach 1944 war Moravia politisch und literarisch eine der wichtigsten und einflußreichsten Persönlichkeiten Italiens. Er starb 1990 in Rom.

Mehr von Alberto Moravia bei Wikipedia.

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