Schmitt, Éric-Emmanuel: Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker
Ammann Verlag (2001)
Seriös in der Badewanne
Solche Märchen für Erwachsene schreiben sonst eher die Amerikaner, aber auch der Franzose Eric-Emmanuel Schmitt hat diesen naiven Alles-ist-gut-Stil drauf, in dem man sich wohlig räkeln kann wie in einer Badewanne im Winter. Um die Intelligenz ihrer LeserInnen nicht zu beleidigen, teilen einem solche Autoren natürlich durch die Blume mit, dass sie durchaus seriös sind, denn sie nehmen sich ernster Themen an und ungelöster Probleme.
Im Falle von “Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran” geht es um den jüdischen Jugendlichen Momo, der anfangs nicht lachen kann, weil er von seiner Mutter verlassen wurde und von seinem Vater geringgeschätzt wird. Aber er wird von einem weisen, muslimischen Lebensmittelhändler aufgenommen, schließlich adoptiert – und alles wird gut, auch wenn Monsieur Ibrahim … hm, das darf man wohl nicht verraten.
Aber man kann nacherzählen, wie Schmitt Religionen beschreibt: Monsieur Ibrahim führt Momo mit verbundenen Augen in Kirchen – bei den Katholiken riecht es nach Kerzen, bei den Orthodoxen nach Weihrauch und bei den Moslems nach Fußschweiß.
Und man kann Momos Befreiung bei den tanzenden Derwischen erwähnen, wie er den Hass auf seine leiblichen Eltern wegtanzt: Ich drehte mich wie ein Verrückter. Nein, in Wirklichkeit drehte ich mich, um weniger verrückt zu sein. Dazu verhilft dieses Märchen für Erwachsene auch seine/n LeserInnen.
Von Werner Schuster
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Über Éric-Emmanuel Schmitt bei Wikipedia.









