03/08/2007von 559 Views – 0 Kommentare

Thoreau, Henry David: Walden

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Buchcover
oder Leben in den Wäldern

Aus dem Amerikanischen von Emma Emmerich und Tatjana Fischer
Diogenes, 1971 ff.
(1854)
Inhalt:

Sechs Jahre nach dem ‘Kommunistischen Manifest’ lieferte Henry David Thoreau unter dem täuschend gemütvollen Titel ‘Leben in den Wäldern’ ein Alternativprogramm zu Marx und Engels, das als zweite klassische Protestform des 19. Jahrhunderts bis heute fortwirkt: Marx lehrte den gewaltsamen Umsturz – Thoreau praktizierte die Weigerung. (Pressetext)

Kurzkritik:

Als ich dieses Buch vor etwa 20 Jahren las, war ich enttäuscht: Ich hatte mir das Werk eines Revoluzzers erwartet und bekam Naturbeobachtungen, ein paar praktische Tipps zum Überleben in dieser Natur sowie philosophische Betrachtung zu lesen. Denn als Thoreau 1845 für gut zwei Jahre in eine einfache, einsame Blockhütte zog, ging es ihm nicht darum, junge Menschen in ihren halbgaren Gedanken zu bestätigen, sondern eher um Selbstgenügsamkeit und Selbstbestimmung, um ein möglichst einfaches Leben, das genügend Zeit zur Kontemplation lässt.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Der Tag wird kommen

Als ich dieses Buch vor etwa 20 Jahren las, war ich enttäuscht: Ich hatte mir das Werk eines Revoluzzers erwartet und bekam Naturbeobachtungen, ein paar praktische Tipps zum Überleben in dieser Natur sowie philosophische Betrachtung zu lesen. Sollte “Walden oder Leben in den Wäldern” tatsächlich die 68er und Mahatma Gandhi beeinflusst haben? Hatte Henry David Thoreau nicht auch “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” geschrieben? Und steht in “Walden” nicht der Satz “Wenn ich irgend etwas bereue, so ist es höchstwahrscheinlich mein gutes Betragen”?

Aber als Thoreau 1845 für gut zwei Jahre in eine einfache, einsame Blockhütte zog, ging es ihm nicht darum, junge Menschen in ihren halbgaren Gedanken zu bestätigen, sondern eher um Selbstgenügsamkeit und Selbstbestimmung, um ein möglichst einfaches Leben, das genügend Zeit zur Kontemplation lässt.

Was dabei herauskam? Zum Beispiel –

– Ich würde nicht so viel über mich reden, wenn ich irgend jemand anderen ebenso gut kennte.
– Tatsächlich hat der arbeitende Mensch Tag für Tag keine Muße zu einer wahren Ganzheit.
– Die Sitte, den besten Teil des Lebens dazu zu verwenden, um Geld zu verdienen, damit man sich während der geringst wertigen Lebenszeit einer fragwürdigen Freiheit erfreuen kann, erinnert mich an jenen Engländer, der nach Indien ging, um sich ein Vermögen zu machen, damit er nach England zurückkehren und dort ein Dichterleben führen könne. Er hätte nur von vornherein zur Dachkammer hinaufzusteigen brauchen.

Erfrischend

Das sind doch, meine ich mittlerweile, erfrischende Gedankengänge, wie sie in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in der Ersten Welt nicht mehr für ihren Wohlstand sondern fürs Überleben arbeiten, niemand mehr äußert. Und wer sollte ihr oder ihm auch zuhören? – Wir haben für so etwas ja keine Zeit vor lauter Arbeit und Freizeitstress und Totstell-Erholung.

Doch zurück zu Thoreau: Dessen über 150 Jahre altes Buch hat scheinbar seit seiner Entstehung immer wieder Bedeutung für sehr unterschiedliche Menschen (– es war “vor Marx” in Arbeiterhaushalten zu finden, inspirierte die Naturschutzbewegung und die 68er-Generation sowie Autoren wie Tolstoi und Yeats). Und wer derzeit damit nicht viel anzufangen weiß, für die oder den wird der Tag schon noch kommen, an dem “Walden” zu einem zu sprechen beginnt.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Henry David Thoreau bei Wikipedia.

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