28/10/2009von 496 Views – 0 Kommentare

Burnside, John: Glister

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Buchcover Burnside Glister
Roman
Erschienen 2009 als Hardcover bei Knaus,
2011 als Taschenbuch bei btb
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Originalausgabe: „Glister“, 2008
Inhalt:

Erst verschwindet ein Junge spurlos, dann weitere. Doch niemand scheint beunruhigt. Schon lange kümmern sich die Erwachsenen nicht mehr um ihre Kinder, zu sehr sind sie mit sich und ihren Sorgen beschäftigt. Einst lebten sie in einer blühenden Stadt – doch dann siegten Egoismus und grenzenlose Gier. Nun ist alles vergiftet und ohne Hoffnung. Ist es da nicht verständlich, dass die Jungen, die noch eine Zukunft sehen, einfach abhauen? Die Einwohner wollen diese Version glauben und gehen zur Tagesordnung über. Nur der Polizist Morrison hat etwas Schreckliches gesehen – und schweigt. Er hat seine Seele längst verkauft. Doch die Kinder der Stadt weigern sich, ihre Freunde verloren zu geben. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ein beklemmendes Buch. Burnside gelingt es, mit gar einer nicht so ungewöhnlichen Handlung eine fast schon unangenehme Spannung zu erzeugen.

Wir haben es mit einer Bestandsaufnahme unserer Welt zu tun, die nicht nur poetisch ist, sondern auch irritierend. Ist „Glister“ ein Fiebertraum, ein Drogenrausch? Und wenn es einen Wahnsinn beschreiben sollte: Welchen Wahnsinn und von wem? Vielleicht gar von uns?

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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schlechthalbwegsmittelgutsehr gut – 3 Leser/in/nen geben Ø 4,67 von 5 Punkten
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Besprechung:

Ein Fiebertraum? Ein Drogenrausch? Die Wahrheit?

Ein beklemmendes Buch. Burnside gelingt es, mit gar einer nicht so ungewöhnlichen Handlung eine unangenehme Spannung zu erzeugen.

In ein Dorf wurde einmal eine Fabrik gebaut, man war froh, dass es Arbeit gab, wer schaut da schon genau, ob diese Fabrik vielleicht die Umwelt zerstört.

Diese Umweltzerstörung (oder wohl besser: dass dies geleugnet wird) hat auch die zwischenmenschlichen Beziehungen verdorben. Jetzt verschwinden die Kinder, und niemand fragt laut und vernehmlich nach, ob sie bloß abgehauen sind oder ob ihnen etwas zugestoßen sein könnte. Nur ein 15-jähriger gibt keine Ruhe.

Giftschleudern

Mit ihm begeben wir uns auf die Spur eines Sadisten. Wahrscheinlich hat der mit den verschwundenen Kindern zu tun. Die Kinder und Jugendlichen wissen das, ein Polizist auch, aber der wird zum Schweigen gebracht, und die Eltern scheint‘s nicht zu kümmern. Schließlich sind sie zur Genüge mit ihren körperlichen Verfallserscheinungen beschäftigt, die wiederum mit der Giftfabrik zu tun haben.

Das wäre an sich schon genug als treffendes Bild für die westliche Zivilisation, wie sie sich heute darstellt. Aber Burnside geht noch ein paar Schritte weiter (die man allerdings nicht verraten darf).

Die Welt aus dem/den Blickwinkel/n eines Schielenden

Jedenfalls beschreibt er meistens die Story neben der Hauptstory und/oder diese aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Man könnte beim Lesen den Eindruck bekommen, als würde man schielen oder die Welt aus dem/den Blickwinkel/n eines Schielenden betrachten.

Und so haben wir hier eine Bestandsaufnahme unserer Welt, die nicht nur poetisch ist, sondern auch irritierend. Ist „Glister“ ein Fiebertraum, ein Drogenrausch? Und wenn es einen Wahnsinn beschreiben sollte: Welchen Wahnsinn und von wem? Vielleicht gar von uns?

Von Werner Schuster

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Infos:

John Burnside, geboren 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der britischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien im Knaus Verlag sein autobiographischer Roman „Lügen über meinen Vater“, für den er den Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags erhielt.

Über John Bunside bei Knaus.

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