Fox, Paula: Der Gott der Alpträume
Paula Fox‘ Charaktere würde man auf der Straße wieder erkennen.
Erschienen bei dtv (Taschenbuch, 2010), Beck (gebunden, 2007)
Aus dem Amerikanischen von Susanne Röckel
Originalausgabe: „The God Of Nightmares“, 1990
Geheimnisvoll „echt“
Wenn jemand anderer als Paula Fox dieses Buch geschrieben hätte, wäre es wohl langweilig geworden. Denn äußerlich passiert da nicht viel, die Handlung ist nicht wirklich spannend aufgebaut und die einzelnen Szenen sind fast schon gegen die herkömmliche Dramaturgie komponiert.
Nacherzählen kann man den Roman schwer: Im Jahr 1941 stirbt Helen Bynums Vater, der die Familie vor langer Zeit verlassen hat. Ihre Mutter, die im Staat New York eine Pension führt, schickt sie nach New Orleans. Sie soll ihre Tante Lulu überreden, zu ihrer Mutter zu ziehen.
Die 23-jährige Helen bleibt in der für sie aufregenden Stadt mit den Bohemien-Kreisen, in die sie gerät, bis sie heiratet und mit ihrem Mann zuerst nach Chicago, später nach New York zieht. Zu Beginn des kurzen zweiten Teiles, der im Jahr 1967 spielt, stirbt ihre Mutter.
Wieder erkennen
Fox erzählt auf eine Art und Weise, die den Figuren ihr Geheimnis lässt. Anders gesagt: Sie gibt nicht vor, mehr zu wissen, als man von Menschen eben wissen kann. Und so wirken diese Figuren nicht wie am Reißbrett konstruiert, sondern „echt“.
Was die Ich-Erzählerin Helen berichtet, ist keine Geschichte, mit der etwas erklärt oder bewiesen werden soll. Groß und mächtig erscheinende Erlebnisse müssen nicht unbedingt wichtig sein – und umgekehrt. So sind die Rassenkonflikte in New Orleans und der Zweite Weltkrieg bloß Lebensumstände, die im Moment vielleicht nicht mehr Gewicht haben als die Beziehungsprobleme einer Freundin.
Dennoch ist „Der Gott der Alpträume“ nicht nebulös. Ohne dass sie uns lang und breit vorgestellt würden (mit Aussehen und Vergangenheit usw.), glaubt man, Helen und ihre Verwandten und FreundInnen sofort (halbwegs) gut zu kennen. Und auch ihre Schicksale und Charaktere wirken so (un)einsichtig wie die der eigenen Verwandt- und Bekanntschaft. Man würde sie gewissermaßen auf der Straße wieder erkennen.
Von Werner Schuster
Infos
Über Paula Fox bei Wikipedia,
mehr von dtv bei „Eselsohren“.
„Der Gott der Alpträume“ als Taschenbuch und als Hardcover bei Amazon.









