19/04/2010von 611 Views – 0 Kommentare

Murgia, Michela: Accabadora

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Roman
Erschienen 2010 bei Wagenbach
Aus dem Italienischen von Julika Brandestini
Originalausgabe: „ Accabadora“, 2009
Inhalt:

Ein sardisches Dorf, Mitte der fünfziger Jahre: Als Dorfschneiderin ist Bonaria gewöhnt, Maß zu nehmen – mit ihren Augen, ihrem Verstand und dem Herzen. Die kleine Maria, die sie als fill’e anima, Kind des Herzens, aufnimmt, ist ihr ganzes Glück. Manchmal hört Maria ihre Ziehmutter, die Accabadora, wie sie sich nachts aus dem Haus stiehlt, und am nächsten Tag läutet die Totenglocke … Als Bonaria Jahre später im Sterben liegt, hält die alte »Schuld« sie umbarmherzig ans Leben gefesselt und Maria steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. (Pressetext)

Kurzkritik:

Eine anmutig erzählte Geschichte von mythischer Wucht.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Hebamme in Leben und Tod

In ruhigem Ton erzählt Michaela Murgia diese ungeheuerlich anmutende Mutter-Tochter-Geschichte mit archaischem Hintergrund. In einem sardinischen Dorf wächst ein Mädchen, Maria, als viertes und ihren Geschwistern in allem hintangestelltes Kind einer verarmten Witwe auf, bis sie von der reichen Bonaria Urrai als „fill‘e anima“ aufgenommen wird.

Es ist dies eine „in Sardinien seit langem praktizierte Form der Adoption, die mit dem Einverständnis der beteiligten Familien – und ganz ohne behördliche Formalitäten – geschieht. Sie beruht allein auf Zuneigung“, verrät uns Murgia in einem Glossar.

Zuneigung

Maria braucht lange, bis sie sich traut, den ihr zustehenden Raum einzunehmen. Doch dann entwickelt sie eine starke, auf Gegenseitigkeit beruhende Zuneigung zu Tzia (d.i. Tante) Bonaria. Daran ändert sich vorderhand nichts, als Maria merkt, dass Bonaria in manchen Nächten verschwindet.

Erst als sie dahinter kommt, dass ihre „Mutter des Herzens“ eine Accabadora ist, verlässt sie diese und geht als Kindermädchen nach Genua.

Todesengel

Anthropologen sind sich nicht einig, ob Accabadoras tatsächlich existiert haben oder ob es sich dabei um eine mythologische Figur handelt. Jedenfalls verhilft eine Accabadora Sterbenden in Agonie zum Tode. (In manchen Legenden bekleidet sie häufig zugleich die Funktion einer Hebamme.)

Bonaria hat sich das nicht ausgesucht, hat diese ungeheure Aufgabe vielmehr unfreiwillig übernommen. Und als sie selbst am Totenbett liegt, kann sie selbst nicht sterben, obwohl Maria zurückkehrt und sie rund um die Uhr pflegt.

Verzeihen

Es ist gar nicht die fehlende Aussprache mit ihrer „fill‘e anima“, die sie am Leben hält, sondern Bonaria muss wissen, dass ihr die Verwandten eines ihrer Opfer verziehen haben, ehe sie gehen kann. Und dieses Verzeihen befreit auch Maria von ihrer Abneigung Tzia Bonaria und dem gegenüber, was ihr selbst bis dahin im Weg gestanden war.

Eine anmutig erzählte Geschichte von mythischer Wucht.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Michela Murgia bei Wagenbach.

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