09/03/2009von 575 Views – 0 Kommentare

Sennett, Richard: Der flexible Mensch

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Buchcover
Die Kultur des neuen Kapitalismus

Roman
Aus dem Amerikanischen von Martin Richter
Broschiert: BvT
(„The Corrosion of Character“, Norton, 1998)


Inhalt:

Flexibilität ist das Zauberwort des globalen Kapitalismus. Der Arbeitnehmer muss ständig bereit sein für Veränderungen. Richard Sennetts streitbares Buch zeigt, wie der ständige Zwang zum Neuen den Menschen deformiert. Beruf, Wohnort, soziale Stellung, Familie – alles ist den zufälligen Anforderungen der Ökonomie unterworfen, das eigene Leben wird zum ziellosen und undurchschaubaren Stückwerk. Sein Fazit: Eine Gesellschaftsordnung, die das Bedürfnis des Menschen nach Stabilität so sehr vernachlässigt, kann nicht von Bestand sein (Pressetext)

Kurzkritik:

Der Aspekt im „flexiblen Menschen“, der mich jedenfalls am meisten angesprochen hat, ist die Entwertung von Arbeit (oder die Entfremdung davon). Als ich vor 20 Jahren begonnen habe, als Journalist zu arbeiten, kannte ich noch so etwas wie Stolz auf meine Artikel. Selbstverständlich interessierte mich auch das Geld, das ich dafür bekam, aber ohne diesen Stolz hätte ich wohl weniger Freude an meinem Beruf gehabt.

Heutzutage, und so geht es nicht nur mir, schreiben JournalistInnen sogar gratis, wenn sie nur endlich wieder Freude und Stolz empfinden wollen. Die meiste Zeit aber füllen sie – längst nicht mehr so gut bezahlt wie dereinst – in personell unterbesetzten und finanziell unterdotierten Redaktionen Seite um Seite, sind aus Zeitmangel entweder von PR-Texten abhängig oder schreiben selber welche (auch wenn diese als solche nicht gekennzeichnet sind).

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Dunkle Freuden

Mein Freund Niki meinte, als ich ihm dieses Buch ans Herz legen wollte, „wozu soll ich das lesen? Ich weiß eh, wie‘s mir geht und warum.“ Nun, für mich war es tröstlich zu wissen, dass nicht nur ich und ein Teil meines Freundeskreises von etwas betroffen sind, was Richard Sennett unter dem Begriff „Flexibilität“ beschreibt.

Vielleicht missverstehe ich Sennett auch (wie diejenigen, die glauben, mit diesem Buch eine weitere Anklage gegen den Neoliberalismus gekauft zu haben), denn grundsätzlich geht es dem Soziologen ja darum, dass, die Anforderung, Arbeitsstelle, Arbeitsform und Wohnort zu wechseln, dem menschlichen Bedürfnis nach Stabilität entgegensteht.

Entwertung von Arbeit

Der Aspekt im „flexiblen Menschen“, der mich jedenfalls am meisten angesprochen hat, ist die Entwertung von Arbeit (oder die Entfremdung davon). Als ich vor 20 Jahren begonnen habe, als Journalist zu arbeiten, kannte ich noch so etwas wie Stolz auf meine Artikel. Selbstverständlich interessierte mich auch das Geld, das ich dafür bekam, aber ohne diesen Stolz hätte ich wohl weniger Freude an meinem Beruf gehabt.

Heutzutage, und so geht es nicht nur mir, schreiben JournalistInnen sogar gratis, wenn sie nur endlich wieder Freude und Stolz empfinden wollen. Die meiste Zeit aber füllen sie – längst nicht mehr so gut bezahlt wie dereinst – in personell unterbesetzten und finanziell unterdotierten Redaktionen Seite um Seite, sind aus Zeitmangel entweder von PR-Texten abhängig oder schreiben selber welche (auch wenn diese als solche nicht gekennzeichnet sind).

Meine Supermarkt-Kassiererin

Hauptsache, man hat Arbeit. – Aber das sagt meine Supermarkt-Kassiererin auch. Und die GrafikerInnen und FotografInnen, die ich kenne. Wie muss es erst in Berufen aussehen, die als weniger kreativ gelten?

Auch darüber schreibt Sennett. Und jede/r mag sich aus seinen Abhandlungen wohl den Aspekt herausholen, der sie oder ihn am meisten betrifft. Niki hätte vielleicht auch seine dunkle Freude an diesem Buch gehabt.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Richard Sennett bei Wikipedia.

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