Esmahan Aykol: Scheidung auf Türkisch
Ein Fall für Kati Hirschel
Krimi
Aus dem Türkischen von Antje Bauer
Hardcover: Diogenes, 2008
(„Süpheli Bir Ölüm”, Merkez Kitaplar, 2007)
Amüsant
Eigentlich ist Sani gar nicht ermordert worden und eigentlich ist „Scheidung auf Türkisch” gar kein „richtiger” Krimi und eigentlich muss man amüsantes Plaudern mögen, damit man mit diesem Buch etwas anfangen kann.
Wenn letzteres zutrifft, steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg: Die aus Deutschland stammende Türkin Kati Hirschel betreibt eine Krimibuchhandlung in Istanbul und löst ihre Fälle aus Neugier. Dass sie ihre LeserInnen dabei persönlich anspricht, ist für mich ein bisschen zuviel des Netten (– es verleiht dem Roman eine etwas unbedarfte Note).
Besser gefällt mir, dass Esmahan Aykol versucht, mit TürkInnen-Klischees aufzuräumen (was für den deutschen Sprachraum gewiss eine hohe Relevanz haben dürfte), und generell um Verständnis bemüht ist, zum Beispiel um das für Homosexuelle – Kati Hirschel wohnt mit einem zusammen.
Ein bisschen zu sehr ausgereizt erscheint mir, dass ausnahmslos alle Personen nicht nur nicht das sind, was sie auf den ersten Blick scheinen, sondern meistens sogar das Gegenteil. Sobald ein „Böser” auftaucht, darf man damit rechnen, dass er zumindest auch ein weiches Herz hat, wenn er nicht überhaupt eigentlich ein praktizierender Philanthrop ist.
Dies gilt selbstverständlich auch für die weiblichen Figuren, alles voran Sani, die verstorbene Gattin des Industriellensohns Cem Ankaraligil, die einen nahezu multiplen Charakter hat(te), sodass Aykol über sie möglichst viele Bevölkerungsgruppen und -schichten der Türkei beschreiben kann.
Dass Sani im Prinzip bloß bei einem Sturz ums Leben kam, tut eigentlich nichts zur Sache. Oder, anders gesagt: Über so eine Lappalie muss man erst einmal ein ganzes Buch schreiben und dabei die LeserInnen bei der Stange halten können.
Scheidung auf Türkisch bei Amazon.
Über Esmahan Aykol bei Wikipedia,
mehr von Diogenes bei „Eselsohren”.







