Cotterill, Colin: Dr. Siri und seine Toten

11. Jul. 2008 | von

BuchcoverKrimi
Aus dem Englischen von Thomas Mohr
Manhattan, 2008
(“The Coroner’s Lunch”, Soho Press, 2005)

An was für Haaren herbeigezogen!

Aufmerksame und kritische LeserInnen werden sich jetzt wohl denken, “Da haben wir Herrn Schuster aber erwischt!”, und ich gebe ihnen durchaus recht: Über vieles, was mir an “Dr. Siri und seine Toten” gefällt, habe ich an anderem Ort so etwas wie die Nase gerümpft. In diesem Krimi geht es einmal esoterisch zu: Dem 72-jährigen Pathologen wider Willen offenbahren sich Hinweise zur Aufklärung seiner Fälle im Traum, und das könnte man selbstverständlich leichten Herzens als dramaturgische Schwäche abkanzeln. Dann ist die ganze Geschichte aber so was von an den Haaren herbeigezogen: Eben jener alte Mann deckt quasi im Alleingang (Geheimdienst-)Verbrechen im kommunistischen Laos auf, behauptet sich dort als Individualist und entgeht auch noch einem Mordanschlag nach dem anderen.

Aber das ist (mir) völlig egal, denn Colin Cotterill gibt an keiner Stelle seines Romans vor, einen realistischen Krimi geschrieben haben zu wollen, im Gegenteil: Seine “augenzwinkernde” Sprache lässt niemals den Verdacht aufkommen, er wolle seinen LeserInnen mit seiner gut erfundenen Geschichte nicht mehr als amüsante Stunden bereiten.

Und doch keimt auf dem Boden dieser unterhaltsamen Story eine Art Hyperrealismus, welcher das Leben in Laos und dessen Beziehungen zu Vietnam gewissermaßen realistisch schildert: Also abgesehen von – Soldaten meuchelnden – Baumgeistern und Dr. Siris kätzischen sieben Leben (und davon, dass er wegen seiner grünen Augen für eine über 1000 Jahre alte Gottheit gehalten wird) habe ich den Eindruck, dieses Büchlein würde mir (auch) ein Land näher bringen (– welchem Naturgeister und Schamanismus bestimmt nicht fremd sind).

Und so habe ich “Dr. Siri” begeistert verschlungen, auch weil ich das Gefühl hatte, Cotterill hat genau das vergnügliche und intelligente Buch geschrieben, das er schreiben wollte. Der Autor ist wohl noch kein Meister seines Faches, verfügt aber über das, was ich eine Schreibpranke nenne, und ist sehr bewusst im Einsatz seiner Mittel. Ich hoffe, ich täusche mich nicht, und die mittlerweile drei weiteren Bücher mit Dr. Siri sind gleichermaßen spaßig-erbaulich wie das erste.

Von Werner Schuster

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Über Colin Cotterill auf seiner Homepage,
mehr von Cotterill und mehr von Manhattan bei den Eselsohren.

Kategorie: Krimis & Thriller | Schlagwörter:

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