11/07/2008von 599 Views – 1 Kommentar

Cotterill, Colin: Dr. Siri und seine Toten

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Buchcover
Krimi
Aus dem Englischen von Thomas Mohr
Manhattan, 2008 (HC)
Goldmann, 2010 (TB)
(“The Coroner’s Lunch”, Soho Press, 2005)
Inhalt:

Eigentlich hatte es Dr. Siri bisher nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt. Schon bald hat er es mit zwei mysteriösen Fällen zu tun: Die Frau eines Parteibonzen stirbt bei einem Festessen, und drei tote Männer werden in einem See gefunden. Mit veralteten Lehrbüchern, mangelhafter Ausrüstung, aber viel Witz und Intuition macht sich Dr. Siri daran, die Morde aufzuklären. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ich hoffe, ich täusche mich nicht, und die mittlerweile drei weiteren Bücher mit Dr. Siri sind gleichermaßen spaßig-erbaulich wie das erste.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

An was für Haaren herbeigezogen!

Aufmerksame und kritische LeserInnen werden sich jetzt wohl denken, “Da haben wir Herrn Schuster aber erwischt!”, und ich gebe ihnen durchaus recht: Über vieles, was mir an “Dr. Siri und seine Toten” gefällt, habe ich an anderem Ort so etwas wie die Nase gerümpft. In diesem Krimi geht es einmal esoterisch zu:

Dem 72-jährigen Pathologen wider Willen offenbahren sich Hinweise zur Aufklärung seiner Fälle im Traum, und das könnte man selbstverständlich leichten Herzens als dramaturgische Schwäche abkanzeln. Dann ist die ganze Geschichte aber so was von an den Haaren herbeigezogen: Eben jener alte Mann deckt quasi im Alleingang (Geheimdienst-)Verbrechen im kommunistischen Laos auf, behauptet sich dort als Individualist und entgeht auch noch einem Mordanschlag nach dem anderen.

Gut erfunden

Aber das ist (mir) völlig egal, denn Colin Cotterill gibt an keiner Stelle seines Romans vor, einen realistischen Krimi geschrieben haben zu wollen, im Gegenteil: Seine “augenzwinkernde” Sprache lässt niemals den Verdacht aufkommen, er wolle seinen LeserInnen mit seiner gut erfundenen Geschichte nicht mehr als amüsante Stunden bereiten.

Baumgeister

Und doch keimt auf dem Boden dieser unterhaltsamen Story eine Art Hyperrealismus, welcher das Leben in Laos und dessen Beziehungen zu Vietnam gewissermaßen realistisch schildert: Also abgesehen von – Soldaten meuchelnden – Baumgeistern und Dr. Siris kätzischen sieben Leben (und davon, dass er wegen seiner grünen Augen für eine über 1000 Jahre alte Gottheit gehalten wird) habe ich den Eindruck, dieses Büchlein würde mir (auch) ein Land näher bringen (– welchem Naturgeister und Schamanismus bestimmt nicht fremd sind).

Und so habe ich “Dr. Siri” begeistert verschlungen, auch weil ich das Gefühl hatte, Cotterill hat genau das vergnügliche und intelligente Buch geschrieben, das er schreiben wollte. Der Autor ist wohl noch kein Meister seines Faches, verfügt aber über das, was ich eine Schreibpranke nenne, und ist sehr bewusst im Einsatz seiner Mittel. Ich hoffe, ich täusche mich nicht, und die mittlerweile drei weiteren Bücher mit Dr. Siri sind gleichermaßen spaßig-erbaulich wie das erste.

Von Werner Schuster

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Infos:

Colin Cotterill wurde 1952 in London geboren. Nach einer Ausbildung zum Englischlehrer begab er sich auf eine Weltreise, die viele Jahre andauerte. Er lebte lange in Australien, Japan, Thailand und Laos, wo er Englischkurse an verschiedenen Universitäten gab und sich als Sozialarbeiter engagierte. Seine in Laos angesiedelte Krimiserie um Dr. Siri Paiboun, den querköpfigen Leichenbeschauer und Ermittler wider Willen, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Colin Cotterill ist heute hauptberuflich Schriftsteller und lebt in Chumphon, Thailand.

Über Colin Cotterill auf seiner Homepage.

1 Kommentar zu "Cotterill, Colin: Dr. Siri und seine Toten"

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