Reich, Helena: Nasses Grab
Krimi
Blanvalet, 2008
Nicht mein Fall
Auf diesen Krimi habe ich mich gefreut: Die herrliche Stadt Prag mitsamt den Nachwehen des real existierenden Sozialismus, und nach einem Hochwasser treiben – bis auf einen leere – Särge in der Moldau, und dass mich nach einem wegen des Lokalkolorits viel versprechenden Beginn einige eher hölzerne Dialoge ein bisschen störten, fand ich nicht weiter schlimm, zumal mich die Geschichte um eine (in den Särgen gefundene) Mumie zu fesseln und die anschaulich beschriebenen Charaktere zu interessieren begonnen hatten. Doch Interesse und Vergnügen gingen nach und nach flöten.
Denn mir war das alles viel zu kompliziert: Fast jede Figur hält zumindest ihre Vergangenheit aus guten Gründen geheim, wenn sie/er nicht doch ein Doppelleben inklusive falscher Namen führt – ein paar erfahren im Laufe der Geschehnisse auch, dass sie (gar nicht) verwandt sind –, der Mumien-Fall wird immer undurchschaubarer, und es hat mir auch nichts genützt, dass Reich die Fakten und die Mutmassungen der Ermittler/innen des öfteren wiederholt. Erschwerend kam (für mich) hinzu, dass sich an einigen Tatorten mindestens drei Verdächtige mit Motiv die Klinke in die Hand geben oder beinahe über den Weg laufen, was mir unwahrscheinlich schien und mich deswegen befremdete.
Nach gut der Hälfte des Buchs gab ich es jedenfalls auf, durchschauen zu wollen, wer da als wer wen-auch-immer wann (vielleicht) gesehen und/oder (nicht) gesprochen hat. Mein Interesse, wer wen ermordet hat, hielt zwar länger vor, aber denn doch nicht bis zum Schluss. Auf den letzten der 475 Seiten wollte ich schließlich die Lösung zusammengefasst in ein bis drei Sätzen präsentiert bekommen, doch irgendwann stand da und küsset ihn zärtlich auf den Mund – und dann nichts mehr.
Sachdienliche Hinweise – wer (bitte alle Namen) hat wen (detto) weswegen ermordet – bitte nicht posten, sondern an redaktion@eselsohren.at schicken. Denn es ist ja gut möglich, dass dies einfach der falsche Krimi für mich war, und es liegt mir fern, all jenen, denen er gefällt, den Spaß zu verderben.
Von Werner Schuster
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Über Helena Reich bei Randomhouse,
mehr von Blanvalet bei “Eselsohren”.









