Brautigan, Richard: Willard und seine Bowlingtrophäen

19. Mrz. 2008 | von

BuchcoverAus dem Amerikanischen von Christiane Bergfeld
Broschiert: Boder, 2008
(1975)

Verbohrtheiten

Rund um Weihnachten 07 erreichte mich eine nette Mail, in der mich eine Frau Bergfeld auf ihre neue Brautigan-Übersetzung aufmerksam machte, weil sie mitbekommen hatte, dass ich ein Fan dieses amerikanischen Autors bin. Ihre Übersetzung sollte im Boder-Verlag herauskommen, was mich zusätzlich freute, weil Rowohlt Brautigan nicht mehr verlegt und weil sich neben Kartaus nun ein weiterer Verlag dieses Schriftstellers angenommen hat.

Anfang März hatte ich nun Christiane Bergfelds Übersetzung in Händen und freute mich auf ein abermaliges Vergnügen mit “Willard und seine Bowlingtrophäen”. Anfangs verglich ich die Übersetzung von Günter & Ilse Ohnemus mit der neuen und fand nicht rasend viel Unterschied (– wiewohl Bergfeld auf ihrer Homepage erklärt, dass und warum sie andere Übersetzungen nicht kennt), doch als ich aufhörte, an den Wörtern zu kleben, bemerkte ich, dass Bergfeld einen anderen Tonfall hat als die Ohnemusen. Bei denen habe ich immer den Eindruck, Brautigan würde die Welt wie ein Kind beschreiben, auch wenn die Themen nun wirklich nicht kindlich sind.

In “Willard” scheint jede/r nur ein Thema zu haben: Bob und Constance kommen nicht über die Feigwarzen hinweg, die sich (nach einem Seitensprung von Constance) in ihren Geschlechtsorganen eingenistet haben/hatten, sind irgendwie auf Sado-Maso light gekommen und kommen nicht mehr davon los. – Die Logan-Brüder, deren Lebensinhalt einst Bowling war, verkommen nun seit Jahren auf der Suche nach dem Dieb ihrer Bowlingtrophäen (samt dem diese begleitenden Pappmacheevogel Willard).

Die Wortwiederholungen im letzten Absatz sind der Versuch einer Hommage an Brautigan, wie ihn mir Bergfeld vermittelt hat. Bei dieser klingt Brautigan erwachsener – ein Erwachsener spielt mit der Sprache (und dem Genre Kriminalroman) – und so wirkte “Willard” auf mich nicht existentialistisch-sentimental (wie bei Ohnemus), sondern realistischer, bedrohlicher und auch trauriger. Dieser (bei Ohnemus) perverse resp. (bei Bergfeld) groteske Kriminalroman beschrieb plötzlich nicht nur voller Liebe verbohrte Menschen, sondern warf mich auch auf meine eigenen Verbohrtheiten zurück.

Und so bin ich nach diesen “zwei” Brautigans neugierig geworden auf das Original. Allerdings scheint es “Willard” derzeit nicht auf Englisch zu geben (!). Was soll man dazu sagen?

Von Werner Schuster

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Mehr über Richard Brautigan bei Wikipedia
mehr von ihm bei den Eselsohren.


Kategorie: Krimis & Thriller

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