03/10/2007von 551 Views – 0 Kommentare

Nöstlinger: Friederike & Mai: Ritterburg

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Buchcover Die feuerrote FriederikeChristine Nöstlinger
Die feuerrote Friederike
Jugend & Volk, Dachs-Verlag, dtv
(1970)

Von Flora empfohlen


Buchcover Klassenfahrt zur RitterburgManfred Mai
Klassenfahrt zur Ritterburg
(ab 7) cbj
(2005)
Inhalt:

Friederike kommt der Annatante und der Katze Kater wie ein ganz normales Mädchenvor. Aber alle anderen Leute lachen, wenn sie Friederike sehen. Besonders die Kinder!
Die Klasse 3a ist völlig aus dem Häuschen: Ihre Klassenfahrt führt sie auf eine echte Ritterburg – mit rostigen Rüstungen, knarrenden Türen und vielleicht sogar mit einem gruseligen Gespenst. (Pressetext)

Kurzkritik:

Sagt man sich nach der “Klassenfahrt” vielleicht, “ich sollte gut und nett sein und überdies Frauen respektieren”, so fallen einem bei “Friederike” einerseits ganz nebenbei viele persönliche Bilder und Sätze ein, die mit dem Thema “Außenseiter” zu tun haben, und andererseits möchte man doch selbst rote Haare haben, wenn man damit fliegen könnte. Vor allen bösen Menschen und Umständen einfach wegfliegen.

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Besprechung:

Ich möchte gut und nett zu allen sein

Flora bekommt zum 10. Geburtstag das Buch “Klassenfahrt zur Ritterburg” geschenkt, das freundlich gezeichnet ist (von Tina Schulte) und sich nett liest, aber ziemlich betulich daherkommt: mit einer ultra-verständnisvollen und super-pädagogischen Lehrerin, aus deren Klassenfahrt-Projekt alle, selbstverständlich auch die Schlimmsten und die Desinteressiertesten, etwas fürs Leben lernen.

Auch über Feminismus sollen die Kinder aufgeklärt werden, wenn diese Lehrerin der Klasse umständlich erklärt, dass eine Frauen-Fußballmannschaft eigentlich Frauschaft heißen müsste. ––– Warum werden Kindern die Anliegen, welche KünstlerInnen haben, oft so unmittelbar dargebracht? (Eine andere Variante von “Kunst für Kinder” ist das Schulterklopfen: “Wir kommen gut miteinander aus, weil ich versteh dich, du Kind, deshalb sprech ich auch schnoddrig und cool, ja?”)

Ohne jenen erhobenen Zeigenfinger
mit draufgemaltem Smiley

Und dann gibt es Christine Nöstlinger, deren “feuerrote Friederike” ich mir nach der “Klassenfahrt” zum Vergleich angesehen habe. Nöstlinger nimmt ihr Publikum ernst und will es in erster Linie unterhalten, erfindet also gute Stories und erzählt diese ganz un-tantenhaft, ohne Schulterklopfen und ohne jenen erhobenen Zeigenfinger mit draufgemaltem Smiley.

Auch wenn die “feuerrote Friederike” von Außenseitern handelt, wird man nirgendwo eine Ermahnung à la “Seid doch lieb zu solchen Menschen!” entdecken. Statt dessen kann Friederike wegen ihrer roten Haare fliegen (und in ein paradiesisches Land fliehen). Und vor allem will man bei diesem Buch – auch als Erwachsener – unbedingt wissen, wie es weitergeht (während einem das etwa bei der “Klassenfahrt” von Anfang an sehr klar ist), und dann hat man – auch als Erwachsener – eine Freude an dieser phantastischen Geschichte (während in der “Klassenfahrt” die Realität von Onkel Manfred etwas behübscht abgebildet wird).

Rote Zauberhaare

Sagt man sich nach der “Klassenfahrt” vielleicht, “ich sollte gut und nett sein und überdies Frauen respektieren”, so fallen einem bei “Friederike” einerseits ganz nebenbei viele persönliche Bilder und Sätze ein, die mit dem Thema “Außenseiter” zu tun haben, und andererseits möchte man doch selbst rote Haare haben, wenn man damit fliegen könnte. Vor allen bösen Menschen und Umständen einfach wegfliegen.

Und wenn man gerade abgehoben hat, holt einen Nöstlinger in einer “Nachschrift” in die Realität zurück und stellt trocken fest: “Unter einer Million Menschen gibt es höchstens einen, der rote Zauberhaare hat, aber Tausende, denen es ergeht wie Friederike”. Was bleibt einem da noch anderes übrig, als in sich zu gehen und sich vorzunehmen, “ich möchte gut und nett zu allen sein”?

Wenn daraus nichts wird, so hat man doch zumindest ein gutes Buch gelesen.

Von Werner Schuster

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Infos:

Christine Nöstlinger, 1936 in Wien geboren, lebt als freie Schriftstellerin abwechselnd in ihrer Geburtsstadt und im Waldviertel. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher und ist für Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen tätig.
Manfred Mai, 1949 in Winterlingen geboren, wuchs auf einem Bauernhof auf. Sein Weg zu seinem Traumberuf war ziemlich verschlungen, aber seit einigen Jahren ist er glücklich als freier Schriftsteller. Mittlerweile hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht und zählt zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Deutschlands. Heute lebt er mit seiner Familie in Schwaben.

Über Christine Nöstlinger und Manfred Mai bei Wikipedia.

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