11/10/2013von 294 Views – 0 Kommentare

Hotlist-Hauptpreis

News- & Story-Esel

Die Hotlist ist der Preis für Bücher aus unabhängigen Verlagen. Den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhält der Weidle Verlag aus Bonn für die Novelle „Die Manon Lescaut von Turdej“ von Wsewolod Petrow. Den mit einem Druckgutschein der Freiburger Graphischen Betriebe von 4.000 Euro dotierten Melsusine-Huss-Preis erhält die Edition Nautilus aus Hamburg für den Roman „Brief in die Auberginenrepublik“ von Abbas Khider.



Bis zum 18. August konnten alle mitentscheiden: Die drei Verlage mit den meisten Stimmen bei der Internetwahl hatten einen garantierten Platz auf der Hotlist 2013. Sieben weitere Bücher wählte die diesjährige Jury hinzu.

Nach der Ausschreibung im Frühjahr hatten 141 unabhängige Verlage einen Titel als ihren Hotlist-Anwärter 2013 eingesendet. Das Kuratorium hatte die wirklich schwere Aufgabe, aus dieser Menge an Glanzpunkten der Verlagsprogramme Kandidaten für die Hotlist vorauszuwählen.

Der Hauptpreis

Wsewolod Petrow:
„Die Manon Lescaut von Turdej“
Weidle Verlag


Inhalt

Ein sowjetischer Lazarettzug auf dem Weg von einer Front zur anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Krankenschwestern um ihn herum. Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden. Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, das anders scheint als alle anderen : Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm – und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären Zauber, erkennt in ihr seine »sowjetische Manon« und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird.

»Wir kennen von Petrow viele Bücher zur Kunstgeschichte (die auch in viele Sprachen übersetzt worden sind), aber nur wenige Texte, die zur ›schöngeistigen Literatur‹ zählen dürfen. Eigentlich wäre, abgesehen von ein paar philosophischen Miniaturen, allein unsere Erzählung als solche zu bezeichnen. Dafür aber ist dieser Text einer der schönsten Prosatexte der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Diese Erzählung, die erst 2006 veröffentlicht wurde, war nicht in einem Geheimfach verborgen worden: Jedes Jahr an seinem Geburtstag, zu dem viele Dutzend Gäste kamen, die ganze kulturelle Elite Leningrads , begann die Feier damit, daß der Gastgeber Auszüge aus seiner Manon vorlas. Er verheimlichte sein Meisterwerk nicht, er reichte es nur nicht zur Publikation in sowjetischen Zeitschriften und Verlagen ein – wer weiß, warum: Weil er das für sinnlos hielt? Aus Ekel vor den Barbaren in den damaligen Redaktionen? Aus der klaren Einsicht heraus, daß diese kleine Erzählung Inhalte transportiert, die mit der Sowjetliteratur nicht kompatibel sind – stilistisch, philosophisch und auch politisch?« (Oleg Jurjew)

Leseprobe

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Der Autor

Wsewolod Petrow (1912–1978) entstammte einer Petersburger Adelsfamilie, er war Kunsthistoriker und arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg am Russischen Museum. Nach dem Krieg, als Offizier in der Roten Armee demobilisiert, widmete er sich wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit und veröffentlichte einige Standardwerke zur russischen Kunst. Die Manon Lescaut von Turdej, entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer Zeitschrift »Novyj Mir«.

Der Übersetzer

Daniel Jurjew, geb. am 16.09.1988 in Leningrad, 1991 Übersiedlung nach Deutschland. Abitur 2007. Studiert seit dem WS 2012/13 Japanologie und Sinologie in Frankfurt. Übersetzungen aus dem Russischen von Texten von Oleg Jurjew, Igor Bulatovsky, Wsewolod Petrow, Jelena Schwarz u.a.

Zum Weidle-Verlag


Der Melsusine-Huss-Preis

Abbas Khider:
„Brief in die Auberginenrepublik“
Edition Nautilus


Inhalt

Oktober 1999 – im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend – einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen »Auberginenrepublik « verpasst haben.

Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden…

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Der Autor

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund »politischer Gründe« und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland, derzeit in Berlin. Sein Debütroman »Der falsche Inder« (2008) wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis; 2011 erschien »Die Orangen des Präsidenten« und zuletzt »Brief in die Auberginenrepublik«. Für sein bisheriges Werk erhält Abbas Khider den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2013.

Zur Edition Nautilus


Die Nominierten

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Literaturmagazin Eselsohren – 

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