07/09/2013von 273 Views – 0 Kommentare

Werners Wochenschau 31. 8.–6. 9.

News- & Story-Esel

31. August bis 6. September 2013

News:

– Haruki Murakami ist der Nobelpreis-Favorit der Buchmacher
– Suhrkamp wird Aktiengesellschaft
– Österreichs Buchlieblinge 2013

Storys:

– Amazons Steueroase soll trocken gelegt werden
– Hanser-Verlagschef: Viele Buchhandlungen werden untergehen
– Clemes Meyer über käuflichen Sex, das Leben und das Schreiben

Rezensionen:

– Ein Lissabon- und Liebesroman von Hervé Le Tellier
– dradio über T.C. Boyles „San Miguel“
– Neu übersetzt: Ernest Hemingways Debütroman „„Fiesta“
– „Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist“
– Rüdiger Safranskis Goethe-Biographie
– Martin Walsers Theaterroman „Die Inszenierung“

Weitere ausgewählte Literatur-News, empfohlene Storys & Buchbesprechungen aus Zeit, Welt, taz, Süddeutsche, Frankfurter Rundschau, FAZ, Standard, Presse, Wiener Zeitung, Falter, Spiegel u.a. finden Sie tagesaktuell bei Eselsohren/Twitter.

News:

Haruki Murakami ist der Nobelpreis-Favorit der Buchmacher
Wer gewinnt den Literaturnobelpreis?
Buchreport, 5. September – Wenige Wochen vor Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers gehen die Wetten der Buchmacher ein. An der Spitze zeigt sich ein gern gesehener Gast der Liste: der japanische Autor Haruki Murakami. Auf Platz 2 steht die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates. Es folgen der ungarische Autor Peter Nadas, der koreanische Dichter und Schriftsteller Ko Un, gefolgt von der kanadischen Bestseller-Autorin Alice Munro. Auf der Liste stehen auch der österreichische Autor Peter Handke sowie der deutsche Schriftsteller Ulrich Hohlbein.
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Barlach verliert an Einfluss
Suhrkamp wird Aktiengesellschaft
Zeit, 4. September – Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Insolvenzplan für den traditionsreichen Verlag zugelassen. Damit wird der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, teilte Suhrkamp mit.
Die Entscheidung bedeutet eine Niederlage für Miteigentümer Hans Barlach, der 39 Prozent an der KG hält und mit Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz (59 Prozent) zerstritten ist. Denn er verliert damit weitreichende Mitspracherechte.
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Österreich
Buchlieblinge 2013 stehen fest
HVB, 3. September – Österreichische LeserInnen haben ihre Buchlieblinge 2013 gewählt: Vom Welttag des Buches, 23. April 2013, bis Ende Mai konnten sie für ihre Favoriten aus jeweils zehn nominierten Titeln der Kategorien Belletristik, Sachbuch, Kinderbuch sowie Jugendbuch, die davor von 54 Buchhandlungen ermittelt wurden, stimmen. Die fünfte Kategorie, das Schulbuch, wurde von SchülerInnen frei gewählt.
Die Siegertitel der einzelnen Kategorien:
– E L James: Shades of Grey. Geheimes Verlangen (Goldmann) – Belletristik
– Guinness World Records 2013 (Bibliographisches Institut) – Sachbuch
– Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 7 – Dumm gelaufen! (Baumhaus) – Kinderbuch
– Suzanne Collins: Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele (Oetinger) – Jugendbuch
– Schulbuchreihe More! (Helbling) – Schulbuch
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Storys:

Die „SZ“ erklärt die Steuertricks der Konzerne
Amazons Steueroase soll trocken gelegt werden
Buchreport, 5. September – Die Steuervermeidung internationaler Großkonzerne rückt weit oben auf die Agenda: Die 20 größten Industriestaaten wollen gemeinsam gegen die Steuertricks von Amazon, Starbucks, Google und Co vorgehen und bei einem Treffen am Donnerstag in Sankt Petersburg den Plan diskutieren.
Das Prinzip der Steuervermeider: Die Unternehmen verschieben ihre Gewinne in die Länder, die am wenigsten Steuern verlangen. Mutterkonzern und Tochter berechnen sich gegenseitig Produkte und Dienstleistungen, um die Gewinne klein zu halten. Grob geschätzt entgehen den EU-Finanzministern so bis zu einer Billion Euro.
Amazon zum Beispiel beschäftigt in Deutschland 9.000 Menschen und zahlt nur 3,2 Mio Euro Steuern – bei einem Umsatz, der zweitausend Mal so hoch ist (6,5 Mrd Euro in 2012).
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Künftiger Hanser-Chef meint:
Viele Buchhandlungen werden untergehen
Standard, 1. September – Wegen E-Books und Internet sieht der designierte Chef des Münchner Carl Hanser-Verlags, Jo Lendle, den klassischen Buchhandel weiterhin vor schweren Zeiten. „Ein großer Teil der Buchhandlungen wird untergehen. Am Ende des Tages werden wir weniger Buchhandlungen haben“, sagte Lendle am Samstag bei einer Podiumsdiskussion während des Erlanger Poetenfestes zur „Zukunft des Buches“.
Er widersprach Einschätzungen, unter der Entwicklung hin zum E-Book und dem Buchhandel im Internet leide nur der kleine Stadtteilbuchladen. Inzwischen verkleinerten auch Buchhandelsketten wie Thalia ihre einst üppig geplanten Filialen. „Ich denke, die leiden unter der Digitalisierung des Buchmarktes viel stärker als kleine Buchläden. Denn Bücher nur einfach hinstellen, das kann Amazon viel besser“, gab Lendle zu bedenken.
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Für seinen neuen Roman hat Clemens Meyer
15 Jahre im Rotlichtmilieu recherchiert
„Prostitution ist in der Mitte der Gesellschaft“
Welt, 31. August – Welt: Ich halte “Im Stein” für einen großen Gesellschaftsroman, wie er seit sehr Langem in Deutschland nicht mehr geschrieben worden ist. Allerdings schildern Sie die Gesellschaft aus einem Blickwinkel, der bei vielen Menschen noch als tabu gilt.
Meyer: Das sogenannte Rotlichtmilieu ist ja eigentlich ein Ort, eine Zone, in dem sich die ganze Gesellschaft trifft. Hier gibt es eben auch Vorgänge, wie sie allerorten vorkommen – in der Hochfinanz, in der Handelswelt, in der Industrie. Es treffen sich dort alle Schichten. Es ist ein Spiegelbild, aber auch ein Zerrbild der Gesellschaft.
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Rezensionen:

Hervé Le Tellier: „Neun Tage in Lissabon“
Odysseus fährt Strassenbahn
NZZ, 6. September – Vincent liebt Irene, doch Irene liebt Antonio. Dieser weiss nicht so recht, wen er lieben soll. Er ist Fotoreporter bei einer Pariser Zeitung und wird 1985 nach Lissabon geschickt, um gemeinsam mit einem schreibenden Kollegen, eben dem liebeskranken Vincent, über einen spektakulären Mordprozess zu berichten. Parallelen zu anderen literarischen Werken gibt es zuhauf in Hervé Le Telliers Roman, der ungemein leichtfüssig die Tonarten zwischen komisch, erotisch, poetisch und tragisch wechselt.
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T. C. Boyles „San Miguel“ ist ein Meisterwerk
Schatten im Paradies
dradio, 5. September – In T. C. Boyles “San Miguel” geht es um drei Frauen aus drei Generationen – auf einer Insel. Marantha erhofft sich nach Blutstürzen eine Linderung ihrer Leiden. Edith will ihrem tyrannischen Vater entkommen. Und Elsie meint, schon im Garten Eden angelangt zu sein. Aber es gibt Schatten im Paradies.
T. C. Boyle hat einst über die Romankunst des 19. Jahrhunderts promoviert. In “San Miguel” geht eine lang gehegte Saat üppig auf. Es ist, als lese man eines der großen Werke des englischsprachigen Kanons, die im Text regelmäßig vorkommen. Ein Meisterwerk.
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Neu übersetzt: Ernest Hemingways Debütroman „„Fiesta“
Stierkampf, Rausch und wenig Worte
Falter, 4. September – Endlich klingt dieser Hemingway auch auf Deutsch so, wie der Autor es gewollt hätte. Die Neuübersetzung durch Werner Schmitz wählt wie das Original den geraden Weg, wo Hemingways erste Übersetzerin Annemarie Horschitz-Horst (Hem nannte sie liebevoll „Horseshit“) immer die etwas blumigere Umschreibung suchte und Kraftausdrücke wie das omnipräsente „verdammt“ aussparte. In der alten Übersetzung lautete der letzte Satz: „Wir hätten so glücklich zusammen sein können.“ Bei Schmitz heißt es: „Wir hätten eine verdammt gute Zeit haben können.“
Darüber hinaus aber gilt nach wie vor, was die New York Times bereits 1926 erkannte: „Keine Analyse dieser Welt kann die wahre Qualität von ,Fiesta‘ vermitteln. Es ist eine ergreifende Geschichte, erzählt in einer schlanken, klaren, harten Prosa, die in der Summe immer mehr ist als in ihren einzelnen Wörtern.“
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Pierre Bayard: „Wie man über Orte spricht,
an denen man nicht gewesen ist“
Im Ohrensessel um die Welt
dradio, 3. September – Karl May war nie im Wilden Westen, und Marco Polo hat China womöglich nie gesehen. Beide wurden mit Reiseberichten berühmt, die großteils ihrer Fantasie entsprangen. Diese Masche ist bei Autoren offenbar weit verbreitet, wie Pierre Bayard in diesem Band genüsslich zeigt.
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Rüdiger Safranski: „Goethe. Kunstwerk des Lebens, Biographie“
Das Leben des neugierigen Goethe
dradio, 1. September – Auch wenn es heißt: Schon wieder das Leben Goethes? – Rüdiger Safranski hat eine Biographie geschrieben, für die ihm Respekt gebührt. Er beschreibt den Dichter als einen Menschen, der die Kunst des Lebens zu meistern, zu tragen und zu genießen wusste. Und er zeigt, wie Goethe das gelang.
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„Ein Rückhalt bei Goethe stärkt“ – Standard-Interview mit Rüdiger Safranski
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Martin Walser: „Die Inszenierung“
Niemals schien der Graben
zwischen Männern und Frauen tiefer

FAZ, 29. August – Alle Paare sind verloren: Martin Walser hat einen mit allen Wassern gewaschenen Theaterroman geschrieben. „Die Inszenierung“ ist eine traurige Komödie über einen Mann, der zwei Frauen liebt.
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