19/06/2013von 480 Views – 0 Kommentare

Ani, Friedrich: Süden

Krimi
Hardcover,Taschenbuch, E-Book
368 Seiten
Erschienen 2012 bei Knaur

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Inhalt:

Zurück in München erhält Tabor Süden als Detektiv den Auftrag, nach dem Wirt Raimund Zacherl zu suchen. Der Fall ist genau das Richtige für den ehemals so erfolgreichen Ermittler: Ein Mann verlässt sein Durchschnittsleben, und jeder fragt sich, warum. Mit seinen besonderen Methoden fi ndet Süden die Spur des Wirts und verfolgt sie bis nach Sylt – und schon längst hat er begriffen, dass niemand den Mann wirklich kannte (Pressetext)

Kurzkritik:

Man kann „Süden“ nicht „verschlingen“ wie die meisten Krimis oder Thriller. In diesen Krimis und Thrillern sind normale Menschen in der Regel eindimensionale Nebenfiguren. In „Süden“ – und das ist für mich eine zentrale Qualität – kommen eigentlich nur so genannten normale Menschen vor und haben so viel Tiefgang und ähnliche Probleme wie wir alle.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Manche Menschen werden erst durch ihr Verschwinden sichtbar

Ich bin nicht der Erste, dem das auffällt, und finde es also auch verblüffend, wie spannend ein Krimi ohne Mord sein kann.

Friedrich Ani lässt in „Süden“ seinen eigenwilligen Ermittler Tabor Süden bei einer Detektei in München anheuern und einen verschwundenen Gastwirt suchen. Es ist der 16. Süden-Roman, und man muss die vorherigen nicht gelesen haben, um sich auszukennen (– manche Vorgeschichten werden andeutungsweise miterzählt).

Ich würde mit Süden privat nichts zu tun haben wollen, aber demnächst mit Band Eins der Krimi-Reihe fortfahren. Er ist ein misanthropisch wirkender und zugleich einfühlsamer Mensch, der sich in Vermisste hineinversetzen und sie so schließlich finden kann. Viel Lebensfreude zieht er aus seiner Begabung nicht; wahrscheinlich würde er selbst gerne untertauchen und versteht die Verschollenen deshalb so gut.

Wenn Süden dem Gastwirt gegen Ende des Romans näher und näher kommt, bekommt das Buch eine Pageturner-Spannung. Zuvor geht es eher behäbig zu, aber sehr dicht und vielschichtig. Man kann „Süden“ nicht „verschlingen“ wie die meisten Krimis oder Thriller. In diesen Krimis und Thrillern sind normale Menschen in der Regel eindimensionale Nebenfiguren. In „Süden“ – und das ist für mich eine zentrale Qualität – kommen eigentlich nur so genannten normale Menschen vor und haben so viel Tiefgang und ähnliche Probleme wie wir alle.

Wo ist da die Weisheit?

Da spricht dann zum Beispiel ein Bierfahrer folgendermaßen:

Das Mädchen hat ihn sitzenlassen, und dann hat er sich selber sitzenlassen? Was soll das bedeuten? Wo ist da die Weisheit? Das ist doch nackte Willkür. Der Mann hatte einen seelischen Konflikt, deswegen konnte er nicht mehr arbeiten, nicht mehr sprechen, er wollte es, aber er schaffte es nicht mehr. Hast du ihn nie richtig angesehen?

Süden sieht hin, und mit ihm schauen wir unter die oftmals banale Oberfläche. „Manche Menschen werden erst durch ihr Verschwinden sichtbar“, meint er selbst einmal. Und Ani macht sie sichtbar.

Von Werner Schuster

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Infos:

Das meinen andere (Perlentaucher-Rezensionsnotizen).

Friedrich Ani, geboren 1959 in Kochel am See, schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Hörspiele und Kurzgeschichten. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Als bisher einziger Autor erhielt Ani den Deutschen Krimipreis in einem Jahr für drei Romane gleichzeitig. 2010 wurde Ani für das Drehbuch nach seinem Roman „Süden und der Luftgitarrist“ mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Friedrich Ani lebt in München.

Mehr über Friedrich Ani bei Wikipedia.

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