20/09/2011von 841 Views – 0 Kommentare

McCann, Colum: Die große Welt

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Buchcover McCann große Welt

  • Taschenbuch
  • 544 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Rowohlt
  • Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
  • Originalausgabe: „Let the Great World Spin”, 2009


Inhalt:

Im Jahr 1974 sind die Menschen in New York müde von Richard Nixon und dem Vietnamkrieg. Sie haben auch so schon Probleme genug in einer Stadt des ewigen Überlebenskampfes. Am Morgen eines schönen Augustsommertags starren die Passanten in Lower Manhattan daher ungläubig zu den Twin Towers hinauf. Fast einen halben Kilometer über ihnen läuft, springt und tanzt ein Hochseilartist – ein schwebender Moment von absoluter Freiheit und künstlerischem Triumph. Doch unten in den Straßen geht das Leben weiter, für die Armen und die Reichen, die Sorglosen und die Unglücklichen. (Pressetext)

Kurzkritik:

Mir diesem Roman bekommen einen multiperspektivischen Einblick in „Lebensformen“ in New York City, bei denen es – so McCann in einem Interview – „ein unsichtbares Drahtseil gibt, über das wir alle gehen, […] das aber nur 2,5 cm über dem Boden gespannt ist und das viele vielleicht gar nicht wahrnehmen“.

Große, verständliche Kunst über unser aller Drahtseil-Akte.

Werner gibt  ★★★★★  (5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Wir SeiltänzerInnen

Es ist seltsam, dass man nicht an 9/11 denkt, wenn man dieses Buch liest. Obwohl das World Trade Center ein wichtiger Bestandteil sind – wenn nicht das zentrale Symbol. Das liegt wohl daran, dass wir es hier mit großer Kunst und nicht mit Kunstfertigkeit zu tun haben.

Colum McCann hat eine echte Begebenheit zum Ausgangspunkt genommen: Am 27. August 1974 ist Philippe Petit über ein zwischen den Türmen des World Trade Centers gespannten Drahtseil gegangen.

Damit fängt der Roman auch an: „Wer ihn sah, verstummte.“

Wir steigen hinunter zu den Menschen

Dann steigen wir hinunter zu den Menschen auf den Straßen und in den Häusern New Yorks. Gewissermaßen im Zentrum steht der Gerichtsprozess gegen eine Prostituierte. McCann beschreibt mindestens elf Protagonisten: neben dem Seiltänzer und der Prostituierten sind es ihr Richter und die Menschen in deren Umfeld, sowie ein „seltsamer“ Priester (man könnte in ihm auch einen Heiligen sehen), der mit seiner Gläubigkeit und mit seiner Kirche hadert.

Wir SeiltänzerInnen

Wir bekommen einen multiperspektivischen Einblick in „Lebensformen“ in New York City, bei denen es – so McCann in einem Interview – „ein unsichtbares Drahtseil gibt, über das wir alle gehen, […] das aber nur 2,5 cm über dem Boden gespannt ist und das viele vielleicht gar nicht wahrnehmen“. *

Die Handlung? Ich glaube, die Handlung ist gar nicht so wichtig. Und auch die Figuren sind nicht nach der Art, dass sie eine/n noch begleiten, wenn man das Buch schon längst zu Ende gelesen hat.

Große Kunst für viele

Woran man sich wahrscheinlich erinnert, ist, dass hier „das Leben an sich“ dargestellt wird. Ohne dass McCann ein realistisches Abbild geschaffen hätte. Vielleicht schafft man erst dadurch wirklich ein Kunstwerk, dass viele anspricht (der Roman ist auch nicht „schwierig“ zu lesen) – und in allen etwas Persönliches auslöst, das mit der Absicht des Autors nicht unbedingt etwas zu tun haben muss.

In diesen persönlichen Welten ist für den Augenblick vielleicht sogar 9/11 bedeutungslos.

Von Werner Schuster

* „… where there is still an invisible tight-rope wire that we all walk, with equally high stakes, only it is hidden to most, and only 1 inch off the ground.“

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Das meinen andere (Perlentaucher-Rezensionsnotizen).

Colum McCann wurde 1965 in Dublin geboren. Er arbeitete als Journalist, Farmarbeiter und Lehrer und unternahm lange Reisen durch Asien, Europa und Amerika. Für seine Romane und Erzählungen erhielt McCann zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award for Irish Literature und den Rooney Prize. Zum internationalen Bestsellerautor wurde er mit den Romanen „Der Tänzer“ und „Zoli“. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in New York.

Mehr über Colum McCann bei Wikipedia.

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