12/01/2011von 811 Views – 1 Kommentar

Zwei Interviews mit Theodor Buhl

Die Frankfurter Rundschau brachte am 4. Jänner ein Interview mit Theodor Buhl, dessen Buch „Winnetou August“ über den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive eines Jungen letztes Jahr bei Eichborn erschienen ist.

„Wie einst bei Günter Grass erlebt auch in Theodor Buhls Roman ,Winnetou August‘ ein kleiner Junge die Schrecken des Krieges. Die schlesische Familiengeschichte aus den letzten Kriegsjahren besticht durch sprachliche Genauigkeit – jenseits aller nostalgischen Verklärung und Heimattümelei.“ – Gilbert-Sättles Besprechung in „Die Berliner Literaturkritik“ sei stellvertretend für die durchwegs positiven Reaktionen auf Buhls Roman zitiert.

Der Eichborn-Verlag, bei dem dieser Roman im August 2010 herausgekommen ist, beschreibt ihn folgendermaßen: „,Winnetou August‘ ist die Geschichte einer Familie in Schlesien, die in den Wirren des letzten Kriegsjahres und der Monate danach um ihre Existenz kämpft. Und es ist die Geschichte des achtjährigen Rudi, der Schreckliches sieht und die Ereignisse zugleich als Abenteuer erlebt: das Näherrücken der Roten Armee, der Verlust des Elternhauses, die Flucht kreuz und quer durch Schlesien. Die Welt des Krieges ist für ihn eine geheimnisvolle Welt der Erwachsenen, in deren Mittelpunkt August steht, der Vater, eine beinahe mythologische Figur.“

Nun hat die „Frankfurter Rundschau“ Anfang Jänner ein Interview mit Theodor Buhl veröffentlicht – unter anderem über die lange verdrängten Thema der Vergewaltigung deutscher Frauen und die Vertreibung deutscher Zivilbevölkerung am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Herr Buhl, wie fühlt es sich an, im Alter von 74 Jahren ein literarischer Debütant zu sein?

Das ist sehr irritierend. Sie müssen bedenken, dass ich mehr als 32 Jahre literarisch gearbeitet habe, ohne irgendeine zustimmende Reaktion von einem Verlag zu erhalten. Mit dem Roman „Winnetou August“ habe ich 1987 begonnen, die erste Fassung war Ende der achtziger Jahre fertig. Bis 1995 habe ich versucht, einen Verlag für den Roman zu finden. Danach begann die eigentlich produktive Zeit meines Lebens. Ich konnte konzentriert an meinen Texten arbeiten, ohne mit argwöhnischem Blick auf den Briefkasten zu starren.

Das ganze Interview finden Sie hier.

Zum Erscheinen des Romans hat auch der Eichborn-Verlag ein Interview mit Theodor Buhl veröffentlicht.

Warum haben Sie Ihre bis an die Grenze des Erträglichen gehenden Erlebnisse in einem Roman verarbeitet und nicht als dokumentarischen Bericht verfasst?

Dokumente überdauern in Archiven – Romane, wenn sie ihre Leser finden, in den Köpfen. Es gibt nicht nur in Deutschland zahlreiche Dokumente zu Flucht, Vertreibung, Bombardierung. Aber die literarische Sprache ist ungleich stärker. Sie kann die verdrängte Realität erfahrbar machen, auch für jüngere Generationen, die den Krieg nur aus den Medien kennen, sie schafft erlebbare Geschichte.

Das ganze Interview finden Sie hier.


Mehr Infos:

Theodor Buhl, geboren 1936 in Bunzlau/Niederschlesien, studierte an der Kunstakamdemie Düsseldorf und an der Universität Köln. Während seines gesamten Berufslebens als Lehrer arbeitete er an literarischen Werken, daraus erwuchsen Kontakte zu Heinrich Böll und Peter Rühmkorf. Die erste Fassung von Winnetou August entstand Ende der achtziger Jahre, seitdem hat er immer weitern an diesem Text gearbeitet. Theodor Buhl lebt in mit seiner Frau in Düsseldorf.

Mehr über Theodor Buhl bei Wikipedia.

Zur Besprechung von „Winnetou August“ bei den Eselsohren: „Bedeutender Erfinder, Rudi – Phänomen!“

„Winnetou August“ ist erhältlich bei Amazon als Hardcover.


1 Kommentar zu "Zwei Interviews mit Theodor Buhl"

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  1. Ich bin sehr gespannt auf den Roman, den ich bald lesen werde. Endlich ein Gegengewicht zur schwarz-weiß-Sicht der Deutschen. Der Titel verspricht Interessantes, ebenso die Kritiken.

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