20/09/2013von 920 Views – 1 Kommentar

Emmott, Stephen: Zehn Milliarden

Sachbuch
Hardcover, E-Book
206 Seiten
Erschienen 2013 bei Suhrkamp
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
Originalausgabe: „Ten Billion”, 2013

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Inhalt:

Für die Herstellung eines Burgers braucht man 3000 Liter Wasser. Wir produzieren in zwölf Monaten mehr Ruß als im gesamten Mittelalter und fliegen allein in diesem Jahr sechs Billionen Kilometer. Unsere Enkel werden sich die Erde mit zehn Milliarden Menschen teilen müssen. Haben wir überhaupt eine Zukunft? (Pressetext)

Kurzkritik:

„Zehn Milliarden“ ist ein unangenehmes Buch, weil es eigentlich nichts viel Fantasie braucht, um aus unserem gegenwärtigen Verhalten ein ähnliches Zukunftsszenario wie Emmott zu entwickeln. Man kann nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird und dass Emmotts Warnung ein Umdenken bewirkt wie der Bericht des Club of Rome 1972.

Dieser hat sich ja auch nicht in letzter Konsequenz bewahrheitet. Und „Der neue Bericht an den Club of Rome“ aus dem Jahr 2012 sieht unsere Zukunft nicht so drastisch wie Emmott. „Meine Prognose für die globalen Entwicklungen bis zum Jahr 2052 ist pessimistisch, aber nicht katastrophal“, schreibt dessen Autor Jørgen Randers. Das ist ja auch nicht gerade beruhigend.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Auf die Katastrophe zusteuern

41 Jahre sind vergangen, seit Dennis und Donella Meadows die Club of Rome-Studie „Die Grenzen des Wachstums“ herausgebracht haben. Die Botschaft war unmissverständlich: Wir haben die Erde überstrapaziert, so kann es nicht weitergehen.

Es ist so weitergegangen, und das liegt wohl nicht daran, dass „Die Grenzen des Wachstums“ komplexe Sachverhalte auch komplex dargestellt haben. Es liegt daran, dass die wahren Kosten der Umweltschäden der 3.000 größten Firmen der Welt derzeit zwischen 1,3 und 3,1 Billionen US-Dollar liegen. Und dass „Politiker ein Teil des Problems“ sind, wie es Stephen Emmott ausdrückt. Dieser hat ein leicht verständliches Buch geschrieben, das wenig Hoffnung macht. „Wir sind nicht mehr zu retten“, meint Emmott.

Emmott leitet ein Labor, in dem komplexe Systeme erforscht werden, darunter das Klima und diverse Ökosysteme „sowie der Einfluss, den wir Menschen auf die Erde als Ganzes haben“.

Wir können zehn Milliarden nicht ernähren

Emmott geht davon aus, dass wir gegen Ende dieses Jahrhunderts mindestens zehn Milliarden Menschen sein werden und dass wir diese Milliarden nicht ernähren werden können. „Weil wir ständig mehr werden, brauchen wir immer mehr Wasser, immer mehr Nahrungsmittel, immer mehr Personen- und Güterverkehr und immer mehr Energie. Dadurch beschleunigt sich das Tempo, in dem wir unser Klima verändern.“ Doch die weltweite Nahrungsmittelerzeugung hängt vollständig von einem stabilen Klima ab.

Mehr Menschen brauchen auch mehr Wasser. Und die moderne Wirtschaft verbraucht unglaublich viel virtuelles Wasser für Hähnchen, Rindfleisch, Baumwolle, Autor, Schokolade und Smartphones. (Zur Herstellung einer Literflasche aus Plastik 4 Liter Wasser, für eine Tasse Kaffee 100 Liter, für einen Burger braucht es 3.000, für ein Hähnchen 9.000, für ein Kilo Schokolade 27.000 Liter Wasser.)

Das Landproblem

Wir haben ein Landproblem: Wir nutzen heute schon alle landwirtschaftlichen Flächen, die es auf der Erde gibt. Unser Bedarf an Nahrungsmitteln wird sich bis 2050 mindestens verdoppeln. Experten gehen allerdings davon aus, dass die landwirtschaftliche Produktivität in den kommenden Jahrzehnten rapide sinken wird: wegen des Klimawandels, weil die Bodenqualität schlechter wird und weil das Wasser knapp wird. Am Ende dieses Jahrhunderts wird es in weiten Teilen unseres Planeten kein brauchbares Wasser mehr geben.

Und um unseren voraussichtlichen Energiebedarf zu decken, müssen wir die Menge der erzeugten Energie bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdreifachen.

Emmott sieht zwei Möglichkeiten: „Wir können versuchen, uns aus dem Schlamassel ,herauszutechnologisieren‘. Oder wir ändern unser Verhalten, und zwar radikal.“

Können wir uns herauszutechnologisieren?

An Rettung durch Grüne Energie glaubt Emmott nicht. Wir könnten damit unseren Energiebedarf nicht decken, meint er, und wir müssten auf ein gigantisches Programm zur nachhaltigen Energieerzeugung umstellen. Bis dahin müsste man auf fossile Brennstoffe oder auf Kernenergie zurückgreifen. Entsalzungsanlagen wären extrem energie- und schadstoffintensiv. Von Geoengineering (etwa Sonnenschutz-Schirme im All oder CO2-Speicherung im Erdreich) ist Emmott nicht überzeugt. Für eine weitere Grünen Revolution müssten noch mehr Energie und Chemikalien eingesetzt werden.

Also müssten wir unseren Konsum drastisch reduzieren (abgesehen von den derzeit drei Milliarden Menschen, für die es lebenswichtig wäre, mehr zu konsumieren). Doch auch daran glaubt Emmott nicht. Denn „die Politiker haben sich für den Weg der gescheiterten Verhandlungen entschieden“: die Klimarahmenkonvention von 1992 – ein Reinfall, das Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung von 1994 – ein Reinfall, die Biodiversitäts-Konvention von 1992 – ein Reinfall. Und die Rio+20-Konerenz und die UN-Klimakonferenz von 2012 haben nur Formalkompromisse hervorgebracht.

Gegen eine Wand laufen

Und „selbst wenn wir die Welt mit Atomkraftwerken überzögen, selbst wenn wir das Klimaproblem mithilfe von Geoengineering unter Kontrolle brächten, ja, selbst wenn es gelänge, unseren Konsum zu reduzieren – früher oder später werden wir doch gegen eine Wand laufen, wenn die Weltbevölkerung weiterhin im jetzigen Tempo ansteigt.“ Und wenn sich an der weltweiter Geburtenrate nichts ändert, sind wir am Ende dieses Jahrhunderts nicht zehn, sondern 28 Milliarden.

„Zehn Milliarden“ ist ein unangenehmes Buch, weil es eigentlich nichts viel Fantasie braucht, um aus unserem gegenwärtigen Verhalten ein ähnliches Zukunftsszenario wie Emmott zu entwickeln. Man kann nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm wird und dass Emmotts Warnung ein Umdenken bewirkt wie der Bericht des Club of Rome 1972.

Eine bloß pessimistische Prognose

Dieser hat sich ja auch nicht in letzter Konsequenz bewahrheitet. Und „Der neue Bericht an den Club of Rome“ aus dem Jahr 2012 sieht unsere Zukunft nicht so drastisch wie Emmott. „Meine Prognose für die globalen Entwicklungen bis zum Jahr 2052 ist pessimistisch, aber nicht katastrophal“, schreibt dessen Autor Jørgen Randers. Das ist ja auch nicht gerade beruhigend.

Von Werner Schuster

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Infos:

Stephen Emmott verantwortet als wissenschaftlicher Leiter eines Microsoft-Labors weltweit führende Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Computational Science. Außerdem lehrt er das Fach in Oxford. 2012 gelang ihm mit seinem Bühnenstück Ten Billion ein Sensationserfolg am Royal Court Theatre in London.

Infos zu 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome bei Wikipedia.

1 Kommentar zu "Emmott, Stephen: Zehn Milliarden"

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  1. Werner sagt:

    IPCC-Report: Weltklimarat verschärft Warnung vor Folgen der Erderwärmung
    http://derstandard.at/1379292263008/Die-Erderwaermung-wird-weiter-voranschreiten
    Meeresspiegel steigt stärker als bisher prognostiziert – Risiko für Dürren und Stürme wächst – Mensch trägt mit 95- bis 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Hauptverantwortung

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