20/10/2011von 865 Views – 0 Kommentare

Hacke & Sowa: Der weiße Neger Wumbaba I-III

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Buchcover Der weiße Neger Wumbaba

  • Taschenbuch
  • 216 Seiten
  • Erscheint November 2011 bei Piper


Inhalt:

Seit Axel Hacke den „weißen Neger Wumbaba“ zum Leben erweckt getaucht hat, sind die seltsamsten Gestalten in die deutsche Öffentlichkeit getreten: der Erdbeerschorsch, der Kuhfürst und der Kinder-Lehmann, die nun unter uns leben. Seitdem ist das Verhören zum Volkssport geworden und Axel Hacke zu seinem wahren Chronisten. (Pressetext)

Kurzkritik:

Gott, wie war uns das peinlich! Bis ins Jahr 2004 haben wir uns alle geschämt, weil wir Lied- und Songtexte falsch verstanden hatten. Ich zum Beispiel habe mit Inbrust „I shot the sheriff, but I didn’t shoot THE DEVIL TOO“ (anstatt „no deputy“) gesungen.

Als man mich darauf aufmerksam gemacht hat, habe ich damit natürlich aufgehört. Bis ich 2004 Axel Hackes „Der weiße Neger Wumbaba“ in die Hände bekam. Seither weiß ich, dass dies alle tun: sich verhören.

Und seitdem ich weiß, dass dies, so Hacke, Ausdruck einer dichterischen Kraft ist, singe ich diesen Bob-Marley-Song wieder so, wie es mir entspricht. Falsch, aber kreativ.

Ein begeisterter Hinweis auf Hackes gesammelt erschienene ,Wumbaba‘-Trilogie sowie auf Mondegreens und Soramimis – etwa von Coldmirror.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

I didn‘t shoot the devil too

Gott, wie war uns das peinlich! Bis ins Jahr 2004 haben wir uns alle geschämt, weil wir Lied- und Songtexte falsch verstanden hatten. Ich zum Beispiel habe mit Inbrust „I shot the sheriff, but I didn’t shoot THE DEVIL TOO“ (anstatt „no deputy“) gesungen.

Als man mich – „Blödmann!“ – darauf aufmerksam gemacht hat, habe ich damit natürlich aufgehört. Bis ich 2004 Axel Hackes „Der weiße Neger Wumbaba“ in die Hände bekam. Seither weiß ich, dass dies alle tun: sich verhören.

Falsch, aber kreativ

Und seitdem ich weiß, dass dies, so Hacke, Ausdruck einer dichterischen Kraft ist, singe ich diesen Bob-Marley-Song wieder so, wie es mir entspricht. Falsch, aber kreativ.

Wumbabas Vermächtnis

Mittlerweile hat Hacke drei Verhörer-Bücher veröffentlicht. Diese sind soeben gesammelt (mit „Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück“ und „Wumbabas Vermächtnis“ aus den Jahren 2007 und 2009) bei Piper erschienen – und eine wahre, 216 Seiten starke Fundgrube an volkstümlicher Kreativität.

Lady Mondegreen

Gesammelte Verhörer findet man natürlich auch online, zur Zeit allerdings nur auf Englisch (Kiss this Guy). Auf Englisch heißen die Verhörer seit 1954 Mondegreen, als die sie von der amerikanischen Autorin Sylvia Wright bezeichnet wurden (– sie hatte als Kind in der alten schottischen Ballade „The Bonny Earl of Murray“ anstatt „They ha’e slain the Earl of Murray / And laid him on the green“ – „They ha’e slain the Earl of Murray / And Lady Mondegreen“ gehört).

mai hart lieb zapfen eibe hold

Der Vorgang, bei dem Wörter einer fremden Sprache als gleich klingende Wörter einer anderen, meist der eigenen Sprache interpretiert werden, wird mit dem japanischen Wort Soramimi bezeichnet. Diese Methode hat etwa Ernst Jandl in seiner „oberflächenübersetzung“ eines Wordsworth-Gedichtes angewandt, in der aus „my heart leaps up when i behold“ – „mai hart lieb zapfen eibe hold“ wurde.

Du machst den Kakao!

Populärer ist die deutsche Video- und Netzkünstlerin Kathrin Fricke, die unter ihrem Pseudonym „Coldmirror“ unter anderem Songtexte absichtlich falsch versteht und dazu Videos produziert.

Als Beispiel wäre hier Coldmirrors Soramimi von „Pride Shall Fall“ von Sure anzusehen:

Wem das zu wild ist, kann es mit „Keks alter Keks“ nach „Git Hadi Git“ von Ismael Yk probieren:



„Der weiße Neger Wumbaba“ ist übrigens eine „verhörte“ Zeile aus Matthias Claudius’ berühmtem Abendlied, in dem es heißt: „Der Wald steht schwarz und schweiget / und aus den Wiesen steiget / Der weiße Nebel wunderbar.“

Von Werner Schuster

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Infos:

Axel Hacke wurde 1956 in Braunschweig geboren und lebt heute als Schriftsteller und Journalist in München. Von 1981 bis 2000 arbeitete er als Reporter und „Streiflicht“-Autor bei der Süddeutschen Zeitung, für deren Magazin er bis heute unter dem Titel „Das Beste aus aller Welt“ seit Jahren eine viel gelesene Alltagskolumne schreibt. Seine journalistische Arbeit wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet: Joseph-Roth-Preis (1987), Egon-Erwin-Kisch-Preis (1987 und 1990) und Theodor-Wolff-Preis (1990). Hackes Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Mehr über Axel Hacke bei Wikipedia.

Michael Sowa wurde 1945 in Berlin geboren und studierte von 1965 bis 1972 an der dortigen Hochschule für bildende Künste das Fach Kunstpädagogik. Pädagogische Lehrjahre schlossen sich an, Sowa machte das erste und, 1975, das zweite Staatsexamen, arbeitete ein halbes Jahr als Lehrer und verließ den Schuldienst, um sich fortan als freier Künstler durchzuschlagen. Seine Bilder zierten unter anderem die Titanic, das Zeit-Magazin und den Standard sowie diverse Buch-Cover.

Mehr über Michael Sowa bei Wikipedia.

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