22/09/2009von 479 Views – 0 Kommentare

Lamprecht, Wolfgang: Wien Stadt der Museen

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Buchcover Wien Stadt der Museen
Ratgeber
Erschienen 2009 bei Metro
Inhalt:

Keine andere europäische Stadt verfügt – gemessen an ihrer Einwohnerzahl – über so viele Museen und Ausstellungshäuser wie Wien. Die Zahl der Besucher kann sich sehen lassen: allein 2007 wurden 5 Millionen gezählt. Diese Wienfacette führt Sie durch die beliebtesten und skurrilsten Museen der Stadt. (Pressetext)

Kurzkritik:

Lamprecht hat in „Wien Stadt der Museen“ nicht bloß jeweils eine Seite über mehr als 100 Wiener Museen (von der Albertina bis zum Zoom) geschrieben, sondern dies auf eine Art und Weise getan, die – in gutem Sinn – Altösterreichisch anmutet.

Einerseits merkt man die Liebe des Autors zu seinem Thema, andererseits ist diese nicht so blind, dass er sein Thema nicht aus einer gewissen Distanz betrachten kann. Sprich: Unter Lamprechts freundliche Darstellung mischt sich mitunter ein zarte Verwunderung, die er mit feiner Ironie vorzubringen weiß.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Was Ironie ist

Objektiv bin ich ja eh nie (kann ich ja auch unmöglich sein), aber in diesem Fall glaube ich erwähnen zu müssen, dass Wolfgang Lamprecht einer meiner ständigen Auftraggeber ist. Und der hat nun ein Buch verfasst, über das ich mich amüsiert habe.

Denn Lamprecht hat in „Wien Stadt der Museen“ nicht bloß jeweils eine Seite über mehr als 100 Wiener Museen (von der Albertina bis zum Zoom) geschrieben, sondern dies auf eine Art und Weise getan, die – in gutem Sinn – Altösterreichisch anmutet.

Für mich bedeutet dies: Einerseits merkt man die Liebe des Autors zu seinem Thema, andererseits ist diese nicht so blind, dass er sein Thema nicht aus einer gewissen Distanz betrachten kann. Sprich: Unter Lamprechts freundliche Darstellung mischt sich mitunter ein zarte Verwunderung, die er mit feiner Ironie vorzubringen weiß.

Tatsächlich handelt es sich um –

Über die Werkbundsiedlung heißt es etwa, „es ist vermutlich das kleinste Museum oder die größte Vitrine der Stadt“. Und über das Circus- und Clownmuseum: „Zirkuspoet André Heller hat das kleine Museum als ,Archiv der wirklichen Träume und geträumten Wirklichkeiten‘ beschrieben. Tatsächlich handelt es sich um ein Sammelsurium kurioser und skurriler Stücke zum Thema Artisten, Tiere, Attraktionen.“

Meine Lieblingsstelle ist derzeit: „Dass sich ein eigenes Fatty-Museum (Fatty George war ein populärer österreichischer Jazzmusiker; Anm.) nun ausgerechnet in einem ehemaligen Pissoir befindet – nun ja: Geschmacksache.“

Das Büchlein ist aber nicht nur ein Quell jener Ironie, die kaum einmal sarkastisch wird und niemals in Zynismus umschlägt, Lamprecht gelingt es mit einer immer seltener anzutreffenden journalistischen Qualität, auf jeweils 8x8cm auch mehr und weniger bekannte Fakten verständlich und lesbar zu vermitteln.

Muss man sich echt leisten können

Lesbar? – Mir sind z.B. Esperanto-, Feuerwehr-, Schuh-, Pfadfinder- und Fischereimuseum – so leid mir das für die Betroffenen auch tut – völlig egal, aber, so beschrieben, hab ich gern darüber gelesen: „Abgesehen von seiner Schutzfunktion hat so ein Schuh von jeher auch etwas mit dem gesellschaftlichen Status oder einer Gruppenzugehörigkeit zu tun. Es durften ja nicht immer alle Menschen alle Schuhe tragen. Manche waren nur der Upperclass vorbehalten (–), manche sind es immer noch (Manolos z.B. muss man sich echt leisten können).“

Wenn Sie so einen Stil schätzen, dann – ich bekomme im übrigen keine Provision, höchstens mehr Aufträge – holen Sie sich doch dieses Buch, auch wenn Sie niemals nach Wien kommen werden und/oder wenn Ihnen Museumsbesuche z.B. in der Schule oder von den Eltern ausgetrieben worden sind.

Werner Schuster

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Infos:

Wolfgang Lamprecht, geboren 1964 in Linz, Studium der Publizistik und Kommunikations-, Theater- und Musikwissenschaften. Head of Corporate Communications des Bank Austria Kunstforums, Chefredakteur von k2-Kulturmagazin für Centrope, Autor zahlreicher Fachbeiträge und Bücher, Musik-Produzent sowie Kommunikationsstratege an den Schnittstellen von Wirtschaft, Kultur und Öffentlichkeit. Lebt in Wien.

Über Wolfgang Lamprecht bei Wikipedia.

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