14/05/2013von 540 Views – 0 Kommentare

„Inferno“, gut gemacht

Am 14. Mai, ist Dan Browns neuer Roman „Inferno“ erschienen – weltweit. Um Mitternacht erhielten ihn Kritiker als PDF-Datei zugeschickt. Manche haben noch am selben Tag erste Rezensionen veröffentlicht, manche haben sich mit ihren Besprechungen ein wenig mehr Zeit gelassen und sind in den Regel kritischer. Hier finden Sie die – auch internationalen – Besprechungen in Auszügen und Links.


Der Kölner Bastei-Lübbe-Verlag rechnet mit einem kommerziellen Welterfolg und spricht schon jetzt von einem Roman, „der jeden Rekord brechen wird“. Insgesamt hat Bestsellerautor Brown 150 Millionen Bücher verkauft. „Sakrileg“, der zweite Langdon-Fall ist nach Verlagsangaben mit weltweit 81 Millionen verkauften Exemplaren das bisher erfolgreichste Hardcover-Buch für Erwachsene.

Inhalt:

In „Inferno“ wird Kunsthistoriker und Harvard-Professor Robert Langdon mit einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Wurzeln in Dantes „Göttlicher Komödie“ hat. Er wacht in einem Krankenhaus auf. Wie er dorthin gekommen ist, weiß Langdon nicht, ebenso wenig, warum seine Kleidung blutverschmiert ist und warum er sich nicht in Massachusetts befindet, sondern mehr als 6000 Kilometer entfernt. Je intensiver Langdon die immer gefährlicher werdende Spur verfolgt, umso deutlicher zeichnet sich die bedrohliche Erkenntnis ab, was Dantes Werk für die Gegenwart und die Zukunft bereithält.

Kritiken vom 14. Mai

Schnitzeljagd zum Übermenschen (Die Welt)
Spannender Kitsch (Stern)
Washington Post
The Telegraph
Guardian
The Independent

Spätere Rezensionen

Fiasko der lauernden Botschaften (Süddeutsche)
Lasst allen Dante fahren (FAZ)
Rezensionen (Wiener Zeitung)
Die Todsünde des Dan Brown (Die Presse)
Dan Brown erzeugt Geheimnisse (Salzburger Nachrichten)
Spannender Thriller (Der Westen)
Umberto Eco für Bildungsferne (Berliner Zeitung)
Financial Times

Hier können Sie das Buch in einer Buchhandlung in Ihrer Nähe bestellen – sowie bei Amazon oder Thalia DE // AT // CH

nachrezis

Erste Rezensionen:

Die Welt
Schnitzeljagd zum Übermenschen
Dan Brown vermeidet in seinem neuen Buch antiklerikale Töne, so gut es geht. Doch ganz am Ende lässt er dann doch noch eine Bombe platzen – nicht mit offener Kirchenkritik, sondern mit einem fragwürdigen Beitrag zur Genetik-Debatte. Wenn sich Theologen darüber aufregen, wären sie diesmal sogar im Recht. Aber davon ahnt man zu Beginn von “Inferno” natürlich noch nichts.
Die Welt →

Stern
Spannender Kitsch
Eine Minute nach Mitternacht – mit dem Beginn der Geisterstunde – verschickt die Presseabteilung des Lübbe-Verlages die Datei mit dem neuen Thriller von Dan Brown per Mail an Journalisten im ganzen Land. Geheimhaltung bis zuletzt. Über Nacht sollen Kritiker das Buch lesen. Sich in nur neun Stunden, bevor der Roman in den Buchläden ausliegt, ein Urteil bilden.
Kerstin Herrnkind meint: „Inferno“ jedenfalls – dem Kitsch an einigen Stellen zum Trotz – ein spannender Thriller. Auch wenn man früh ahnt, worum es geht, versteht der Autor es immer wieder, Verwirrung zu stiften. Wer sind wirklich die Guten, wer die Bösen? Ein ausgeklügelter Plot. Viele ungeahnte Wendungen. Vielleicht wird Dan Brown mit seinem Thriller keinen Literaturpreis gewinnen. Aber viele Leser. Und das zu recht.
Stern →

Washington Post
One is still excited — one must be; Doubleday is printing a whopping 4 million copies — but the anticipation feels different. At this point, it’s already clear what Brown can do with the genre. He has perfected the breathless art of the cliffhanger chapter, the ooky villain, the historish backdrop. His novels are like high-stakes, 500-page Mad Libs; a reader doesn’t have to worry that it will be a fun ride, just that the adverbs and proper nouns will line up in a way that honors the art form.
Washington Post →

The Telegraph
In a world in which most thriller writers feel obliged to engage with geopolitical issues, Brown has proved that people are desperate for a bit of preposterous Boy’s-Own-for-adults escapism that they have to turn upside down now and then. Brown’s enthusiasm for his material appears to be totally unfeigned and if the flip side of his engaging unselfconsciousness is stylistic gaucherie … well, the figures speak for themselves: nobody cares.
But: Dan Brown’s take on Dante’s Inferno is the thriller-writer’s most ambitious novel yet — and his worst.
The Telegraph →

Guardian
The tall writer began to analyze the blockbusting novel using his close knowledge of conceptology, the famous discipline about thoughts. He saw instantly that the stout book was brilliantly engineered. Its vivid paragraphs were short. Its establishing shots were cinematic. It repeated adjectives and explanatory phrases from one paragraph to the next, perhaps to jog the dulled short-term memory of the tired long-haul flier. It made art and poetry seem glamorous, and mixed them with luxury tourism and scenic chases. It spoke with the seductive urgency of a good-looking someone telling you a brainy secret.
Guardian →

The Independent
For much of the novel, it appears that he has taken off the shelf one of the dustiest tropes in the Science Fiction canon. Brilliant mad scientist concocts a deadly artificial plague and prepares to unleash it on the world in a second “Black Death”. This “cull” will prune back over-fertile humankind and so, perversely, save a planet-wrecking species “on the verge of collapse” thanks to over-population. Or so we assume…
The synthetic pathogen, and its genocidal release, has propelled more SF potboilers than Robert Langdon has worn Harris Tweed jackets.
Can Brown re-engineer these over-familiar devices of outbreak, pestilence and contagion into a viable organism? However clunkily, he can.
The Independent →

Weitere Rezensionen:

Süddeutsche
Fiasko der lauernden Botschaften
Wenn das Geschäftsmodell “Kulturthriller” scheitert: Dan Brown mogelt sich in “Inferno” an Dantes “Göttlicher Komödie” vorbei. Auf dem Weg zu Robert Langdons Fiasko dient der Klassiker als Steinbruch von Zitaten und Bildern. Das ist alles.
Süddeutsche →

FAZ
Lasst allen Dante fahren
Im letzten Kapitel von Dan Browns „Inferno“, dem gestern erschienenen neuen Roman des amerikanischen Bestseller-Autors, der von Dante nicht nur den Titel übernommen hat, heißt es vollkommen unironisch: „Langdon schoss ein Gedanke durch den Kopf. Wenn Dante gewusst hätte, welche Auswirkungen seine Dichtung noch Jahrhunderte später haben würde, in einer Zukunft, die nicht einmal der große florentinische Poet sich je hätte ausmalen können…was hätte er dazu gesagt?“
Und Robert Langdon, der in Harvard lehrende Kunsthistoriker und Symbologe, der zum vierten Mal die Hauptrolle in einem von Browns Romanen spielt, beantwortet sich die Frage selbst: „Er hat das ewige Leben gefunden.“ Dazu hätte es weder Dan Brown noch das Geschehen in dessen neuem Buch gebraucht. Zumindest aber wird Dantes Werk nun auf einen Schlag ein paar Millionen Lesern mehr bekannt sein.
FAZ →

Wiener Zeitung
Das Fegefeuer, ein B-Movie
Die Dante-Gesellschaft in Florenz hat übrigens schon im Vorfeld schicksalsergeben gesagt, dass Dante diesen Vereinnahmungsversuch überleben wird. Das ist vernünftig: Große Literatur hat es so an sich, dass sie sich nicht mehr aussuchen kann, wer sich ihrer bedient. Und man könnte Dan Brown auch zugute halten, dass er sich in “Inferno” wiederholt und ausgiebig und, noch einmal, wiederholt der begeisterten Vermittlung von Dantes Leben und Werk widmet. Stören könnte man sich vielleicht daran, dass die Vorstellung von literarischer Intertextualität sich bei einem Handwerker wie Brown schon darin erschöpft, sein Buch mit demselben letzten Wort enden zu lassen wie der Künstler Dante auch: nämlich “Sterne”. Da ist man, substanztechnisch gesehen, nun mal näher dran an den “Fifty Shades of Iconography”, wie es in einer raren selbstironischen Millionenbestseller-Reflexion im Roman kurz heißt.
Wiener Zeitung →

Die Presse
Die Todsünde des Dan Brown
Noch ist Dan Brown ein Selbstläufer, noch fallen die Leser auf den Buchmarkt herein, der sie mit Vorbestellungen lockt. So kann „Inferno“ zum Bestseller werden, bevor die große Enttäuschung eintritt. Aber irgendwann wird die Aura verblassen und Dan Brown untergehen. Der Autor hat nämlich den laut „Inferno“ größten menschlichen Fehler begangen: Er hat es versäumt, seine eigene Evolution voranzutreiben.
Die Presse →

Salzburger Nachrichten
Dan Brown erzeugt Geheimnisse
Man muss schon gutwillig sein, um diesem mühsamen Konstrukt Glaubwürdigkeit zuzugestehen. Das muss Dan Brown selbst ahnen, denn dass er seiner Geschichte nicht so recht traut, sieht man an der ständigen Aufgeregtheit, mit der erzählt wird. Man sollte möglichst bangen und leiden, um nicht unschöne Gedanken über das Gekünstelte anzustellen. Dan Brown verkompliziert ja den Roman vorsätzlich. Es kommt auch noch eine undurchsichtige übernationale Organisation ins Spiel, die sich für Aufträge jeder Art hergibt und sich auch düsteren Mächten verkauft, wenn die Bezahlung stimmt.
Salzburger Nachrichten →

Der Westen
Spannender Thriller
Es gehört zu den großen Stärken dieses Buches, dass zwar der Spannungsaufbau in gewohnt übersichtlichen Schachbrett-Zügen verläuft, die Figuren aber keineswegs schwarzweiß gezeichnet sind und ihre eigentlichen Motive und Funktionen lange verborgen bleiben. So schlägt Brown am Ende zwei, drei Haken, die man ihm kaum zugetraut hätte, lassen sie doch ganze Szenen in einem neuen Licht erscheinen. Und selbst die Apokalypse, die Langdon und auch seine Mitstreiter von der Weltgesundheitsorganisation so verzweifelt zu verhindern suchten, trägt am Ende ein anderes Gesicht als erwartet.
Der Westen →

Berliner Zeitung
Umberto Eco für Bildungsferne
Wie in einem Europe-In-One-Day-Trip hetzt sich das oberschlaue Traumpaar durch alle touristischen Sehenswürdigkeiten von Florenz, Venedig und Istanbul. Das gibt dem mit einer Kunsthistorikerin verheirateten „Umberto Eco für bildungsferne Schichten“ nebenbei reichlich Gelegenheiten, dem Thrillerlesevolk etwas kulturhistorischen Mehr- und Nährwert unterzujubeln. Trivial ist daran eigentlich nur, dass Browns Alchemie der Unterhaltung so kalkuliert, so simpel und so irre erfolgreich ist.
Berliner Zeitung →

Financial Times
The plot of Inferno, the new blockbuster thriller from Dan Brown, has nothing to do with Dante, but you often feel the author wishing that it did. There are, for instance, vital clues written on the back of Dante Alighieri’s death-mask in the Hall of the Five Hundred in Florence. We find that the book’s arch-villain is – or rather was, for he dies on page one – obsessed with Dante. And when the whole nonsensical story is over, we see our hero, Professor Robert Langdon, the art historian and symbologist from Harvard who has appeared in three previous Brown books, reading a paperback of „The Divine Comedy“.
Financial Times →

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