06/01/2013von 802 Views – 2 Kommentare

Geplante Zufälle

Meinungs-Esel

Diese ständige Anmaßung (und Überforderung), dass alles perfekt sein muss. Dass man so tut, als könnte man komplett durchdachte Produkte abliefern. Dass man Zufälle als geplant hinstellt. Und „Fehler“ schönredet – oder nicht zugibt (solange es geht). Und dann braucht man Krisenmanagement, – als ob ein Prozess nicht schon eine ständige „Krise“ wäre (allerdings nur in der Management-Sprache).

Liebe LeserInnen,

wir ändern was bei den Eselsohren. Das ist kein Neujahrs-Vorsatz, sondern zum Teil schon konkret: Ab sofort gibt es keine Bestseller- und Neuerscheinungslisten mehr und die Anzahl der Rezensionen wird reduziert.

Der Grund ist, dass ich gerne mehr Literatur-News und -Storys bringen möchte, und der Anspruch, täglich einen neuen Artikel zu veröffentlichen, lässt mir zu wenig Zeit dafür.

Außerdem möchte ich ein Buch besprechen, wenn ich damit vorläufig „fertig“ bin, und nicht, weil morgen eine Rezension ausständig ist. Weiters will ich auch wieder Bücher mit mehr als 500 Seiten lesen. – Die letzten Jahre habe ich darauf verzichtet, um auf meine ca. zwei Rezensionen pro Woche zu kommen.

Und ich möchte etwas einführen, was ich Lesereisen nenne. D.i. mich auch mal von einem Buch zum nächsten weiterführen zu lassen, und beide müssen keine Neuerscheinungen sein.

Zum Beispiel hat P. D. James mit „Der Tod kommt nach Pemberley“ eine Fortsetzung von „Stolz und Vorurteil“ geschrieben, die Fortsetzung erscheint im März, und bevor ich die aufschlage, möchte ich Jane Austens Buch endlich gelesen haben.

Oder: Ich bereite für meine Literatur-Show „eselsohren jenseits“ im Februar einen Abend zum Thema „Sappho, E L James und die Folgen“ vor. Also habe ich mir rund um Weihnachten „Shades of Grey“ vorgenommen, dazu Carolin Fischers „Gärten der Lust. Eine Geschichte der erregenden Lektüren“ gelesen, und möchte mir vor dem 11. Februar auch noch ein paar Werke der erotischen Literatur reinziehen. – Und bei den Eselsohren darüber schreiben.

Wohin die Reise insgesamt gehen wird, kann ich Ihnen allerdings noch nicht sagen. Das hat mir lange Kopfzerbrechen bereitet. Doch zu den Feiertagen habe ich auch Christoph Schlingensiefs „Ich weiß, ich war‘s“ gelesen und darin geht es unter anderem auch um diese ständige Anmaßung (und Überforderung), dass alles perfekt sein muss. Dass man so tut, als könnte man komplett durchdachte Produkte abliefern. Dass man Zufälle als geplant hinstellt. Und „Fehler“ schönredet – oder nicht zugibt (solange es geht). Und dann braucht man Krisenmanagement, – als ob ein Prozess nicht schon eine ständige „Krise“ wäre (allerdings nur in der Management-Sprache).

Ich möchte mich von diesem Denk- und Lebensansatz lösen. Ich möchte nicht planlos vor mich hin werkeln, aber auch nicht mehr so tun, als hätte ich alles im Griff.

Auf keinen Fall möchte ich mir von einem – selbst auferlegten – Plansoll die Freude an den Eselsohren nehmen lassen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass diese – wiederentdeckte – Freude auch für Sie bemerkbar sein wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen
Zeit zum Lesen
Werner Schuster

P.S.: Seit der Jahreswende gibt es bei den Eselsohren ein Journal. Darin können Sie mir/uns gewissermaßen beim Arbeiten über die Schulter schauen.

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