30/10/2011von 561 Views – 0 Kommentare

Selbstversuch

Meinungs-EselKaufen Sie Tageszeitungen? Kommen Sie dazu, sie auch zu lesen?
Oder scannen Sie wie ich Onlinemedien und haben in der Regel nur eine blasse Ahnung von dem, was los ist in der Welt?
Wenn das alle so tun, werden lauter Achtel-Informierte regiert. Ist das gut?

Liebe LeserInnen,

kaufen Sie Tageszeitungen? Kommen Sie dazu, sie auch zu lesen?

Ich besorge mir ja nur jeden Samstag die Wiener Zeitung; vor allem, weil ich das „extra“ für die beste Wochenend-Beilage (in Österreich) halte. Den Rest lese ich eigentlich kaum, selbst fürs „extra“ bleibt oft nicht genug Zeit.

Jetzt hat sich aber die Wiener Zeitung vor Kurzem ein neues Layout verpasst, und weil mich das interessiert hat, hab ich sie käuflich erworben. Und weil es da eine TestleserInnen-Aktion gab, hab ich sie für einen Monat bestellt. Morgens auf der Türmatte, feine Sache.

Schizophren

Nun hat die Wiener Zeitung ein Problem. Herausgeber ist die Republik Österreich, Das heißt, der Zeitung haftet etwas Parteiorgan-Haftes an. Die Ausrichtung wechselt, je nachdem welche Partei gerade regiert. Die MitarbeiterInnen sind eher der langjährigen Alleinregierungs-Partei SPÖ zugeneigt, wodurch der Zeitung unter der ÖVP/FPÖ-Regierung und dem reaktionären Chefredakteur Unterberger etwas Schizophrenes angehaftet hat.

Verstaubt

Bis dahin war die Wiener Zeitung so bemüht objektiv, dass es aus den Seiten herausgestaubt hat. Und jetzt erkennt man sie nicht wieder, aber niemand weiß das.

Sie ist nämlich immer noch objektiv, aber g‘schmackiger aufbereitet, ohne deswegen uninformativ zu sein. Anders gesagt: eine anständige, gut gemachte Zeitung, meiner Meinung nach Österreichs derzeit beste. Aber niemand weiß das.

Niemand weiß das

Wenn du zu jemandem sagtst, dass du die Wiener Zeitung liest, sieht er oder sie dich ungläubig an. Mein Trafikant (d.i. in Österreich eine Verkäufer für Tabakwaren, Zeitungen, Magazine, Schreibwaren, Post- und Ansichtskarten und andere Kleinwaren) führt sie gar nicht, weil sie niemand verlangt.

Morgens auf der Türmatte

Und ich würde sie an sich gerne weiterhin morgens auf der Türmatte liegen haben, aber – ich lese sie nicht. Weil ich nicht frühstücke, habe ich dazu in der Früh keine Gelegenheit. Ich nehme sie mit ins Büro, um sie vielleicht in einer Pause durchzublättern – und nehme sie ungelesen wieder mit heim. Am Abend lese ich Bücher.

Es reicht nicht

Also, in der Regel; die paar Mal, wo ich tatsächlich zum Wiener Zeitung Lesen gekommen bin, war ich davon angetan. Aber das reicht nicht.

Und jetzt frage ich mich, ob das allen so geht. Und ich frage Sie: kaufen Sie Tageszeitungen? Kommen Sie dazu, sie auch zu lesen?

Lauter Achtel-Informierte?

Oder scannen Sie wie ich Onlinemedien und haben in der Regel nur eine blasse Ahnung von dem, was los ist in der Welt?

Wenn das alle so tun, werden lauter Achtel-Informierte regiert. Ist das gut?

Werner Schuster

P.S.: Die Wiener Zeitung wurde 1703 als Wiennerisches Diarium gegründet. Die erste Ausgabe erschien am 8. August 1703. Sie ist damit die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt.

Mehr über die Wiener Zeitung* bei Wikipedia; Wiener Zeitung online.


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