Verlagsgeschichte Wagenbach

1964
Gründung im September

1965
Die ersten Quarthefte erscheinen im März: Zeitgenössische Literatur (von Kurt Wolff über Ingeborg Bachmann zu Wolf Biermann) in Erstausgaben (und im größeren Quartformat). Die Autoren haben gleiche Rechte, Einfluß auf Ausstattung und Informationstexte. Die Bilanz wird veröffentlicht. Die Leser werden durch Auszüge aus den Büchern informiert (kostenloser Jahresalmanach Zwiebel).

1968
Erscheinen der ersten Quartplatten (Literatur auf Schallplatten für Erwachsene und Kinder), des ersten Jahrbuchs für deutsche Gegenwartsliteratur, Tintenfisch, und der ersten Rotbücher (?Texte der neuen Linken?). Gemeinsam mit Schülern entsteht als ?Gegeninformation? das Lesebuch: Deutsche Literatur der sechziger Jahre, mit über 200.000 Exemplaren eines der erfolgreichsten Bücher des Verlages.

1969
Erste Shakespeare-Übersetzungen von Erich Fried. Anfänge einer kollektiven Verlagsverfassung. Ermittlungsverfahren wegen Wolf Biermanns „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“.

1970
Vertrieb des Kursbuch (bis 1973).

1971
Ermittlungsverfahren wegen „Bambule“, dem Text eines Fernsehspiels von Ulrike Meinhof. Mehrfache Durchsuchung des Verlags wegen der Veröffentlichung eines Manifests der RAF und Beschlagnahme des Manifests. Beschlagnahme des „Roten Kalenders für Lehrlinge und Schüler“.

1972
Klage der Firma Siemens gegen die Festschrift „Unsere Siemens-Welt“ von F.C. Delius. Beginn der Zusammenarbeit mit dem Grips-Theater.

1973
Scheitern des Kollektivs.

1974
Prozeß der Berliner Polizei wegen Ehrverletzung: Freispruch des Verlags. Verurteilung wegen des RAF-Manifests. Verurteilung wegen des „Roten Kalenders“.

1975
2. Prozeß um die Ehre der Berliner Polizei (Erschießung von Georg von Rauch); Verurteilung des Verlags. Gesamtkosten der Prozesse weit über 150.000 DM. Zur Auflockerung ästhetischer und politischer Verfestigungen Gründung von Wagenbachs Taschenbücherei, WAT: Laßt uns Denken anstiften statt vorschreiben. Und den Kopf schütteln, d.h. lockern.

1976
Zensurversuch von links: Einstweilige Verfügung gegen Peter Brückners „Ulrike Meinhof und die deutschen Verhältnisse“. Zurücknahme durch eine gemeinsame Aktion des Verbands linker Buchhandel.

1977
Teilnahme am Internationalen Verlegerpreis der Sieben. Erster (und einziger) Preisträger: Erich Fried.

1979
Erscheinen des Quartheft 100: „Vaterland, Muttersprache ? Deutsche Schriftsteller und ihr Staat“; Klaus Wagenbach erhält dafür den Preis der deutschen Kritiker und plaudert im Gegenzug die Generalabsichten des Verlags aus: Geschichtsbewußtsein, Anarchie, Hedonismus. Gründung des Freibeuter, einer Vierteljahresschrift für Kultur und Politik (bis 1999).

1981
Ein Allgemeines Programm beginnt: Umfangreiche oder großformatige Bücher zur Geschichte, Literatur, Kunst.

1983
Feier zweier Beschützer des Verlages, des hundertsten Karnickels (Wappentier der Taschenbücherei) und des hundertsten Geburtstags von Franz Kafka.

1987
Gründung der Reihe SALTO: Literatur in hochformatigen roten Leinenbänden, fadengeheftet, mit aufgeklebtem Schild. Motto: Gewonnen kann durch Trübseligkeit nie etwas werden (Theodor Fontane, zitiert von Alexander Kluge im vierten SALTO).

1988
Die Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek beginnt zu erscheinen: Arbeitshefte zur Förderung wissenschaftlicher Exogamie.

1994
Aus den Quartheften werden die Quartbücher, aus den schwarzen Broschüren bunte, gebundene Bücher. Der Inhalt bleibt: anspruchsvolle, neue Literatur aus Italien, Frankreich, Spanien und Lateinamerika, Deutschland und englischsprachigen Ländern.
Der Verlag ist vor dreißig Jahren freiwillig, ohne Zuschüsse nach Berlin gekommen. Er ist ein Verlag in Berlin, aber kein Berliner Verlag. Er wird auch künftig ein internationaler Verlag bleiben. Der Verlag ist und bleibt ein Meinungsverlag. Und der vertritt ? im Gegensatz zu mancherorts eingerissenen Sitten ? seine Meinung auf eigene Kosten. Da es aber auch bei uns in Deutschland viele trübe Tassen, Dunkelmänner und Schlafmützen gibt, ist der Import von Geschirr, Beleuchtungskörpern und Wachmachern aus dem Ausland notwendig. Ich denke dabei besonders an einen südlichen Nachbarn … (K. W., aus der Rede zum dreißigjährigen Jubiläum).

1997
Umgestaltung der Taschenbücher, WAT ? wir bleiben in Italien, auf heutigem Boden und dem der Schwarzen Kunst. Treten aber deutlicher auf.

1998
Begründung der CD/MC-Reihe Wagenbachs LeseOhr (bis 2007).

1999
Der Verlag wird ein Opfer des Hauptstadtbeschlusses und muß der Kroatischen Botschaft weichen ? Umzug an den Ludwigkirchplatz, zentral, aber mit gehöriger Distanz zur sogenannten ?Neuen Mitte?.

2002
Klaus Wagenbach übergibt seinen Verlag an seine Frau Dr. Susanne Schüssler. Als Minderheitsgesellschafter kümmern sich seine Tochter Nina Wagenbach um den Vertrieb und er selbst macht den Feuerwehrmann und Aushilfskünstler.

2004
Die ersten Bände der auf 45 Bände angelegten EDITION GIORGIO VASARI erscheinen und werden von Lesern und Presse gleichermaßen begeistert aufgenommen.

2007
20. Geburtstag der Reihe SALTO: 1,4 Millionen verkaufte Exemplare, 150 erschienene Titel, davon 105 lieferbar.

2008
Die ersten Bücher der neuen Reihe Politik bei Wagenbach erscheinen: Für eine Kultur der Einmischung und des demokratischen Streits, gegen politische Richtungs- und Ideenlosigkeit. Alan Bennett beschert dem Verlag mit seiner „Souveränen Leserin“ den ersten Bestseller in der 45-jährigen Geschichte.

2010
Im Juli feiert der Verleger Klaus Wagenbach seinen 80. Geburtstag.

© Wagenbach

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