18/07/2012von 615 Views – 0 Kommentare

DDR-Führer

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Cover DDR-Führer
  • Reise in einen vergangenen Staat
  •  

  • Broschiert
  • 156 Seiten
  • Erschienen 2012 im DDR-Museum-Verlag

Inhalt:

Das DDR Museum Berlin zeigt in seiner Dauerausstellung „Alltag eines vergangenen Staates zum Anfassen“ das alltägliche Leben in der DDR auf lebendige und interaktive Art und Weise. Nicht nur für Museumsbesucher lässt sich im reich bebilderten Führer auf 112 Seiten das Leben im sozialistischen Staat entdecken und nachempfinden. Texte von Andreas Menn, Dr. Stefan Wolle, Robert Rückel und Katrin Strohl. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wer auch immer sich für die DDR interessiert und auch wer nicht weiß, warum er sich dafür interessieren sollte, der oder dem sei dieses Bändchen empfohlen. Es bietet kompakte und eingängig aufbereitete Information darüber, wie es war, in dieser Diktatur zu leben.

Direktor Robert Rückel übertreibt kein bisschen, wenn er im Vorwort schreibt: „Dieser Katalog ist nicht nur ein Führer durch die Ausstellung, sondern ein Führer durch den untergegangenen Staat DDR. Die Texte des Buches sind im gegenseitigen Austausch zwischen den Historikern Dr. Stefan Wolle und Dr. Jochen Voit, dem Journalisten Andreas Menn, der Museologin Katrin Strohl und mir entstanden. Durch die fruchtbare Zusammenarbeit sind die Texte sachlich fundiert und gleichzeitig spritzig, spannend und manchmal mit einer Prise Ironie gewürzt.“

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Willkommen in der Deutschen
Demokratischen Republik

Wer auch immer sich für die DDR interessiert und auch wer nicht weiß, warum er sich dafür interessieren sollte, der oder dem sei dieses Bändchen empfohlen. Es bietet kompakte und eingängig aufbereitete Information darüber, wie es war, in dieser Diktatur zu leben.

Direktor Robert Rückel übertreibt kein bisschen, wenn er im Vorwort schreibt: „Dieser Katalog ist nicht nur ein Führer durch die Ausstellung, sondern ein Führer durch den untergegangenen Staat DDR. Die Texte des Buches sind im gegenseitigen Austausch zwischen den Historikern Dr. Stefan Wolle und Dr. Jochen Voit, dem Journalisten Andreas Menn, der Museologin Katrin Strohl und mir entstanden. Durch die fruchtbare Zusammenarbeit sind die Texte sachlich fundiert und gleichzeitig spritzig, spannend und manchmal mit einer Prise Ironie gewürzt.“

Das Pionierlied singen

Trabant P 601

Trabant P 601

Es beginnt mit der Staatsgründung, setzt mit dem Mauerbau fort und widmet sich dann dem Thema Verkehr. Man erfährt etwas über den berühmten Trabi, über die Westlinien unter Ost-Berlin. Und dass in den Fahrkartenautomaten Geldeinwurf und Fahrkartenausgabe technisch unabhängig voneinander funktionierten: „Man konnte 20 Pfennig hineinwerfen, musste aber nicht.“ Man erfährt, was es hieß, jung zu sein zwischen Pioniernachmittagen, Altstoffsammeln und FDJ-Ernteeinsätzen. Oder vor Schulbeginn das Pionierlied zu singen.

Es gab Kinderkrippen- und Kindergartenplätze in ausreichender Zahl – auch weil die Arbeitskraft von Müttern benötigt wurde. Nicht zu arbeiten galt als asozial und wurde bestraft. Das Einkommen sichtere den Frauen zwar Eigentändigkeit, an der traditionellen Rollenverteilung daheim änderte dies allerdings wenig.

Diamant und Goldkrone

„Es gab alles zu kaufen,“ witzelten die Leute, „nur nicht immer und überall und schon gar nicht, wenn man es gerade brauchte.“ Die Produkte hießen „Diamant“ (Fahrräder), „Goldkrone“ (Weinbrand) oder „Juwel“ (Zigaretten). Trotz Wohnbauprogramm ließ sich der der Wohnungsmangel nicht beseitigen, – weil die Mieten so billig waren: Wer einmal eine Wohnung hatte, behielt sie.

Plattenbauwohnzimmer in der Ausstellung

Plattenbauwohnzimmer in der Ausstellung

Wir betreten Wohnungen in Plattenbau-Siedlungen mit ihren individuell gestalteten Einheitsmöbeln und prall gefüllten Bücherregalen. Wir erfahren etwas über Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsendungen aus Ost- und Westdeutschland. Und vom Rückzug in die eigenen vier Wände – oder die billigen Wochenendgrundstücke. Urlaub machte man vorrangig in der CSSR, in der UdSSR, in Ungarn, Bulgarien und Polen sowie in Jugoslawien, Kuba und Finnland.

Die Stasi

Damit sind wir ungefähr im letzten Drittel dieses Buches, das sich außerdem mit den Themen SED, Wahlen, „Planwirtschaft ohne Plan“, Umwelt und der vom „normalen“ Leben abgeschotteten Partei- und Staatsführung widmet. Und selbstverständlich der Staatssicherheit: „Jeder musste damit rechnen, dass seine Post kontrolliert, Das Telefon und die Wohnung abgehört und Spitzelberichte angefertigt wurden.“ Das Untersuchungsgefängnis Hohenschönhauses lag in einem Sperrbezirk, der auf keinem Stadtplan verzeichnet war.

Verhörraum im Vordergrund und Gefängniszelle im Hintergrund

Verhörraum im Vordergrund und Gefängniszelle im Hintergrund

In diesem Überwachungsstaat lernte man früh, den Mund zu halten. Öffentlich zu opponieren waren sehr riskant und von geringer Wirkung. Die Kirche bot einen gewissen Schutzraum für vorsichtige Opposition und wurde später „zum archimedischen Punkt, von dem aus es möglich war, das bis an die Zähne bewaffnete Regime friedlich auszuhebeln. (…) Als im Sommer 1989 die Ungarn ein großes Loch in den Eisernen Vorhang rissen, machten sich viele DDR-Bürger auf den Weg in den Westen“.

1989 war das Volk nicht mehr zu halten. „Eine friedliche Revolution erzwang Freiheit und Demokratie und machte den Weg zur Wiedervereinigung frei – die DDR war Geschichte.“ – In diesem Buch ist diese nachzulesen. Und im zweimal zum Europäische Museum des Jahres nominierten DDR Museum ist diese interaktiv (wieder) zu erleben.

Von Werner Schuster

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Infos:

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Lebendig, interaktiv und mitreißend präsentiert das DDR Museum den Alltag in der DDR. Hautnah wird das Leben in der DDR mit all seinen Facetten vermittelt – FDJ, Stasi, Trabant, Plattenbau und vieles mehr.
Der Besucher wird mitgenommen auf eine außergewöhnliche Reise in die sozialistische Vergangenheit: Platznehmen im Trabi, Lipsi tanzen oder stöbern in den Schränken eines authentischen Plattenbauwohnzimmers – Anfassen der Exponate ausdrücklich erwünscht!

Mehr über die DDR bei Wikipedia.

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