11/10/2011von 961 Views – 0 Kommentare

Castro: Der Mönch, das Kind und die Stadt

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Buchcover Castro Mönch Kind Stadt

  • Taschenbuch
  • 208 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Unionsverlag
  • Aus dem Spanischen von Lutz Kliche
  • Originalausgabe: „Los Peor”, 1995


Inhalt:

In einem Bordell von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt, das auf den Namen Polyphem getauft wird. Die Huren verstecken den Jungen, und Jerónimo, Ex-Mönch und Bruder der Bordellköchin, kümmert sich um ihn und bringt ihm die Welt bei, wie er sie aus den gelehrten Büchern kennt. (Pressetext)

Kurzkritik:

Borges hatte schon recht: wenn du der Hauptfigur nicht glaubst, dann magst du auch ihre Geschichte nicht. Wir haben es in diesem Roman mit lauter Figuren zu tun, die ihre Sicht der Dinge stur für einzig wahre halten. Das mag ja nun ein Abbild unser aller sein, allerdings sind die Figuren dermaßen skurril (oder weltfremd), dass ich ihre Weltanschauung nicht teilen mochte.

Werner gibt  ★★★¼☆  (3,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Einäugig unter Blinden

Borges hatte schon recht: wenn du der Hauptfigur nicht glaubst, dann magst du auch ihre Geschichte nicht.

In diesem Fall: die Geschichte hat mich ja interessiert ( – in einem Bordell von San José kommt ein einäugiges Kind zur Welt, das auf den Namen Polyphem getauft wird. Die Huren verstecken den Jungen, und Jerónimo, Ex-Mönch und Bruder der Bordellköchin, kümmert sich um ihn und bringt ihm die Welt bei, wie er sie aus den gelehrten Büchern kennt).

Naiv-magischer Realismus

Aber mir waren der Mönch und das Kind und überhaupt das ganze Drumherum zu seltsam – obwohl mir schon klar war, dass ich es mit magischem Realismus zu tun hatte (den ich bei anderen Autoren schätze).

Vielleicht liegt es daran, dass ich Castros Verbindung von naivem Erzählen und magischem Realismus nicht mag – obwohl ich an sich auch naive ErzählerInnen liebe. Allerdings eher solche, welche den LeserInnen dadurch einen anderen (vielleicht vorurteilslosen) Blick auf die „Realität“ „aufzwingen“. (Brautigan zum Beispiel.)

Zeitweise blind

Außerdem kommt mir Castros Stil zu gewollt, zu konstruiert vor. Zum Beispiel lernt Jerónimo einen Blinden kennen, der nicht versucht, mit der Realität zurechtzukommen, sondern in einer eigenen Welt lebt. Worauf der Mönch sich nicht bloß in diese Welt einzufühlen bemüht, sondern zeitweise ebenfalls blind wird. Und gemeinsam schauen sie sich dann die Parallel-Welt an.

Weltfremde Weltanschauung

Dieser Blinde ist kein Einzelfall: Wir haben es in diesem Roman mit lauter Figuren zu tun, die ihre Sicht der Dinge stur für einzig wahre halten. Das mag ja nun ein Abbild unser aller sein, allerdings sind die Figuren dermaßen skurril (oder weltfremd), dass ich ihre Weltanschauung nicht teilen mochte.

Ungelenk

Unvermittelt bringt Castro allerdings auch die reale Welt ins Spiel. Polyphem ist einäugig, weil seine Mutter mit giftigen Chemikalien in Berührung gekommen ist. Und am Schluss hält ein Arzt eine Rede über die „unmenschliche Medizin“, die nur mehr Geschäft ist und „nicht mehr zum Schutze des Körpers und Wiederherstellung der Gesundheit“.

Das ist nicht nur banal, die Art der Vermittlung ist auch ungelenk: ich hätte das lieber aus der Story erfahren, anstatt dass Castro eine Figur eine moralische Ansprache halten lässt.

Aber es ist durchaus möglich …

Aber, wie Borges einmal sinngemäß geschrieben hat: es ist durchaus möglich, dass ich nicht recht habe. – Ich kann mir durchaus vorstellen, dass anderen LeserInnen genau das gefällt, womit ich nichts anfangen konnte. Denn gut geschrieben ist der Roman ja.

Von Werner Schuster

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Infos:

Das meinen andere (Perlentaucher-Rezensionsnotizen).

Fernando Contreras Castro, 1963 geboren, arbeitet als Hochschullehrer an der Universität von Costa Rica in San José und gilt als einer der wichtigsten Autoren der neuen Generation Lateinamerikas. Für seine Romane wurde er mit dem Premio Nacional, der höchsten literarischen Auszeichnung Costa Ricas, geehrt.

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