21/07/2010von 404 Views – 0 Kommentare

Quintreau, Laurent: Und morgen bin ich dran

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Buchcover

  • Das Meeting
  • Prosa
  • Hardcover & Broschiert (Unionsverlag, 2009 & 2010)
  • Aus dem Französischen von Oliver Ilan Schulz
  • Originalausgabe: „Marge brute“, 2006


Inhalt:

„Elf Uhr, es ist so weit, das Meeting kann beginnen. Am Tisch elf Manager eines internationalen Unternehmens. Rorty, der Vorstandsvorsitzende, präsentiert Zahlen, Budgets und Umstrukturierungspläne, doch die Gedanken seiner Topleute schweifen nur allzu gern ab.“ (Pressetext)

Kurzkritik:

Lauter böse Menschen? – Laurent Quintreau beschreibt in „Und morgen bin ich dran“ Manager als von Sachzwängen Getriebene. Die müssen.

Jede/r hat welche über sich, die ihn oder sie antreiben, weniger Geld auszugeben, mehr Geld zu lukrieren. Jede/r könnte behaupten, ich kann ja nichts dafür, ich will Sie ja nicht einsparen, aber ich muss, ich will Sie ja nicht übers Ohr hauen, aber ich muss, ich will gar nicht kreative Buchführung betreiben, aber ich muss.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Wir sind alle Systemerhalter

Wer kennt sie nicht, die Meetings, die uns viel Arbeitszeit kosten und meist wenig bringen (weil sie großteils schlecht vorbereitet und durchgeführt werden). Oder die Leute, die von einem Meeting zum anderen eilen, und bei denen man sich fragt, wann sie die Ergebnisse der Besprechungen eigentlich in die Tat umsetzen (lassen).

Und wer kennt nicht – oder hat sie auch selbst –, jene Vorurteile gegenüber großen internationale Firmen, denen der Profit über alles geht, und deren MitarbeiterInnen man unterstellt, über die sprichwörtlichen Leichen zu gehen.

Die müssen

Lauter böse Menschen? – Laurent Quintreau beschreibt in „Und morgen bin ich dran“ lauter – meist von Sachzwängen – Getriebene. Die müssen.

Jede/r hat welche über sich, die ihn oder sie antreiben, weniger Geld auszugeben, mehr Geld zu lukrieren. Jede/r könnte behaupten, ich kann ja nichts dafür, ich will Sie ja nicht einsparen, aber ich muss, ich will Sie ja nicht übers Ohr hauen, aber ich muss, ich will gar nicht kreative Buchführung betreiben, aber ich muss.

Wir kleinen Leute

Wir kleinen Leute haben da leicht reden. Wir machen bloß unsere kleinen Jobs für unsere Kleinfamilien in unseren kleinen Wohnungen.

Und dann sitzen – bei Quintreau – die Manager da und werfen (v.a. der Boss) mit Sprechblasen um sich („Wir wollen Marktführer für Corporate Communication werden, aber dafür müssen wir neue Marktanteile erobern“) und denken sich ihren – ganz persönlichen – Teil.

Sex und Angst

Quintreau beschreibt die Gedankenströme von elf an einem Meeting beteiligten Personen, die sich um Alltags- und Berufssorgen drehen und sehr viel um Sex. Eher im Hintergrund läuft eine für die Firma Weichen stellende Besprechung ab, bei der es ums Übliche geht (die Konkurrenz ausbooten, mehr Aufträge an Land ziehen, MitarbeiterInnen entlassen).

Alle haben Angst, ihren Job zu verlieren, bis auf eine Beteiligte nicken alle die oft unangenehmen, manchmal auch widerlichen Aufträge ab (– etwa soll eine kompetente Empfangsdame gefeuert werden, weil sie nicht besonders attraktiv ist).

Marionetten ohne Puppenspieler

Doch das kennt man alles, zumindest vom Hörensagen. Worüber wir nicht tratschen und wovon uns nichts berichtet wird, ist diese riesige Marionettenkonstrution, als die Quintreau diese Firma letztendlich beschreibt. Und wenn man auch den Oberboss nicht kennenlernt, so ahnt man doch, dass es gar keinen letzten (oder, besser gesagt: ersten) Puppenspieler gibt.

Wir sind alle Systemerhalter. Unsere Chefs auch. Und nebenbei – oder eigentlich: hauptsächlich – sind wir bloß Menschen mit sehr ähnlichen privaten Bedürfnissen.

Von Werner Schuster

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Infos:

Leseprobe

Laurent Quintreau ist Artdirector und Texter im französischen Werbeunternehmen „Publicis“ und arbeitet daneben in der Führung der Gewerkschaft CFDT im Sektor New Economy. Ferner schreibt er Theaterstücke und publiziert regelmäßig in verschiedenen Zeitschriften. Er war Mitbegründer der einflussreichen Avantgardezeitschrift „Perpendiculaire“. „Und morgen bin ich dran. Das Meeting“ ist sein erster Roman, für den er mit dem Prix du Premier Roman Les Mots Doubs, dem Preis für das beste französischsprachige Debüt, ausgezeichnet wurde.

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