27/02/2014von 295 Views – 0 Kommentare

Franzen, Jonathan: Die Korrekturen (kurz)

Roman
Taschenbuch, E-Book
784 Seiten
Übersetzt von Bettina Abarbanell
Rowohlt, 2002 ff.

Werner gibt  ★★★★½ 
Inhalt:
Nach fast fünfzig Ehejahren hat Enid Lambert nur ein Ziel: ihre Familie zu einem letzten Weihnachtsfest um sich zu scharen. Alles könnte so schön sein, gemütlich, harmonisch. Doch Parkinson hat ihren Mann Alfred immer fester im Griff, und die drei erwachsenen Kinder durchleben eigene tragikomischen Malaisen. Gary steckt in einer Ehekrise. Chip versucht sich als Autor. Und Denise ist zwar eine Meisterköchin, hat aber in der Liebe kein Glück.

Hier klicken für Werners Lesenotizen

18. Feb.: Neulich bei Amazon: Kunden, die “Die Korrekturen” von Jonathan Franzen gekauft haben, kauften auch das Siemens-Dampfbügeleisen TB26230.

18. Feb.: Was werden die Besseren dazu sagen, dass ich “Die Korrekturen” erst jetzt lese?

18. Feb.: Franzen beschreibt nie das Offensichtliche, aber auch nicht gesucht kreativ.

18. Feb.: Und “Korrekturen” wirkt so, als hätte Franzen Freude am Schreiben.

20. Feb.: Dass man sich – wie Alfred – ja selbst dabei zuschaut, wie man immer älter und gebrechlicher wird.

21. Feb.: Ein Litaue erklärt die Weltwirtschaft (sagt man Litaue oder Litauer oder wie?)

21. Feb.: “Sie hatte unter Präsidenten gelebt, die so unredlich wie Nixon, so dumm wie Reagan und so abscheulich wie Clinton waren.”

21. Feb.: S.425 (ebook): “Gary (das dritte Kind): Er war nicht das kleinste bisschen klinisch depressiv.”

22. Feb.: Gary, ein emanzipierter Mann, aber doch seinem Vater ähnlich.

22. Feb.: “Das einzige, was unter Garantie bei einer Affäre herauskäme, wäre eine weitere Fau in seinem Leben, die an ihm herummäkelte.”

22. Feb.: Der Anfang vom Kapitel “See” beschreibt meine Schifffahrts-Angst ziemlich gut.

22. Feb.: “Erinnerungen, die jetzt merkwürdig wie Selbsttäuschungen wirkten.”

22. Feb.: “Er betrachtete das Haus, das ihm und einer Bank gehörte.”

23. Feb.: “Wo das bevorzugte Zeichen gegenseitigen Wiedererkennens der glaszerschmetternde Schrei war.”

23. Feb.: “Eine Combo in der Abba-Show-Lounge spielte Heavy-Metal-Polka.”

23. Feb.: “Sie stritten darüber, warum sie so viel stritten, wessen Schuld das war.”

24. Feb.: “Er war überrascht, wie sehr sich der schwarze Markt Litauens und der freie Markt Amerikas ähnelten.”

24. Feb.: “Für (Vater) Alfred war Liebe nicht eine Sache der Annäherung, sondern des Abstandhaltens.”

25. Feb.: “Wann waren seine Eltern zu den Kindern geworden, die (…) oben an der Treppe standen und um Hilfe riefen?”

Kurzkritik:
Was werden die „Besseren“ dazu sagen, dass ich „Die Korrekturen“ erst jetzt gelesen habe? Ich hatte nämlich geglaubt, das wäre eines von den Büchern, die viele glauben, kaufen zu müssen, und dann relativ ungelesen ins Regal stellen.

Aber „Die Korrekturen“ sind vergnügliche Kunst, anspruchsvoll und zugänglich. Der Roman beschreibt unsere Welt heute (z.B. „Er war überrascht, wie sehr sich der schwarze Markt Litauens und der freie Markt Amerikas ähnelten.“) und Allgemein-Menschliches wie Selbstbetrug, Scheitern und Hoffen, Altern und Zusammenleben (z.B. „Sie stritten darüber, warum sie so viel stritten, wessen Schuld das war.“).

Franzen gelingt das Kunststück, ohne Hauptfigur auszukommen, sondern fünf Menschen liebevoll zu beschrieben – Vater, Mutter, drei Kinder –, die allesamt ihre unsympathischen Seiten haben und einem dennoch ans Herz wachsen.

 

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