11/01/2013von 266 Views – 0 Kommentare

11/01/13: Bilder, die dem müden Menschen gefallen

Vieles, was Brian Eno in einem Interview mit dem Musikjournalisten Karl Lippegaus (vor über 20 Jahren) gesagt hat, hat mich beeindruckt, zum Beispiel:

Man musste immer wieder einen energischen Vorstoß in eine bestimmte Richtung machen, um danach jedes Mal festzustellen, dass einen die Reise ganz woanders hingeführt hat.

Jedenfalls lassen sich die meisten Künstler, die mit vorgefertigten Ideen arbeiten, nicht in dieser Weise treiben. Sie zwingen sich selber immer wieder zurück zum Ausgangspunkt. Also kriegen sie am Ende nur eine perfektere Version dessen, womit sie angefangen haben. Geht man den anderen Weg, dann stößt man auf neue Geheimnisse, neue Dinge, die einem wesentlich mehr sagen.

Menschen, die nicht religiös sind, glauben für gewöhnlich an den menschlichen Willen als die entscheidende Kraft im Universum. Sie denken, es ist sehr wichtig, dass Menschen dieses entscheiden und jenes tun: ›Das müssen wir endlich korrekt machen, und das hier ruinieren wir alles, außerdem muss sowieso alles ganz anders werden.‹ Die so denken, sind der Ansicht, dass die Welt sofort auseinanderfiele, wenn sie auch nur für einen Moment aufhörten, sich ständig um alles zu kümmern.

Mich erinnert das immer an das, was Monet [oder war’s Matisse?] über seine Malerei gesagt hat. Er wollte Bilder malen, die dem müden Menschen gefallen, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kommt. Mir gefällt eine solche Art der Zielsetzung besser, als wenn jemand sagt, er wolle nur große Kunstwerke schaffen.

Wir versagen uns heute oft die simple Erfahrung, mit innerer Ruhe und Gelassenheit zu betrachten, wie das normale Leben vor uns abläuft.

Vielleicht ist das, was ich mache, nicht gerade populäre Kultur wie z.B. die Musik von Duran-Duran, aber auch nicht Avantgarde-Kunst, wie die von Wolf Vostell u.a. Die Sachen liegen irgendwo dazwischen.

Die meisten Künstler im Bereich der Bildenden Kunst sehen das anders. Sie sagen, dass die Leute lernen müssen, ihre Werke zu verstehen und sich ihre Sicht der Dinge anzueignen.
Ich glaube nicht, dass man ihnen die eigene Sicht der Dinge aufdrängen sollte.

Karl Lippegaus: „Die Stille im Kopf“ (Nieswand Verlag, 1989; Wiederauflage als E-Book, 2012)

Mehr über Brian Eno und Karl Lippegaus bei Wikipedia.

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