13/08/2011von 1.042 Views – 0 Kommentare

Hype um „Schoßgebete“

Rezensions-Ausschnitte und -Zusammenfassungen zu Charlotte Roches neuem Buch „Schoßgebete“.

Was kann einem Verlag Besseres passieren, als dass sich ein Medium nicht an die Sperrfrist hält? Obwohl: Charlotte Roches neues Buch „Schoßgebete“ würde sich auch toll verkaufen, wenn die Deutsche Presse-Agentur nicht schon am Dienstag eine Kurzrezension veröffentlicht hätte. Piper hatte bestimmt, dass am Montag eine Exklusiv-Kritik in der FAZ erscheinen sollte und die restlichen Besprechungen erst am Mittwoch.

Piper hat „Schoßgebete“ jedenfalls folgendermaßen angekündigt (und vorerst einmal 500.000 Exemplare davon gedruckt):

In ihrem Millionenbestseller „Feuchtgebiete“ bewies Charlotte Roche neben drastischer Offenheit auch Sensibilität und ungestümen Witz. »Schoßgebete« widmet sich einem unserer letzten Tabus: dem ehelichen Sex. Und der Frage, wie ein Paar es schafft, für immer zusammenzubleiben.
Am liebsten tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth. Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann‘ losgehen. Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei. Hat aber nicht geklappt, Glück für Elizabeth, Glück für Georg. Aber Sex ist ja nicht alles, es gibt auch noch das Essenkochen für ihre Tochter Liza, und es gibt den Exmann, Lizas Vater. Keine geringe Rolle spielen auch ihre Ängste und ihre schrecklichen Eltern. Wobei diese Themen für Elizabeth seit dem Unfall immer zusammengehören.
„Schoßgebete“ erzählt von Ehe und Familie wie kein Roman zuvor. Radikal offen, selbstbewusst und voller grimmigem Humor ist es die Geschichte einer so unerschrockenen wie verletzlichen jungen Frau.

Die FAZ-Besprechung vom 8. 8. 2011 fasste perlentaucher.de folgendermaßen zusammen:

Felicitas von Lovenberg wirft eine eine erstaunliche Frage in ihrer Besprechung von Charlotte Roches neuem Roman auf. Kann große Literatur auch ohne großen Stil auskommen? Ihrer Meinung nach: Ja. Denn dieser Roman habe sie nachhaltig beschäftigt, was Lovenberg von „manch einem literarischen Meisterwerk nicht sagen“ kann, wie sie gesteht. Roches Buch dagegen habe sie trotz seiner einfachen Vortragsweise berührt, zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt, über Ängste und Neurosen. Wenn Roche als „weiblicher Woody Allen“ daherkommt und ihre Heldin, eine von Selbstzweifeln zerfressene Supermutter, -frau und -geliebte, vor dem Leser als Therapeuten auspacken lässt, staunt Lovenberg über die Tiefe der eröffneten Perspektive (anders als beim Vorgänger-Roman diesmal nach Innen), über Roches kluge Dramaturgie und die in der Figur steckenden Identifikationsmöglichkeiten. Bei aller Freude über ein zielstrebiges Buch, vergisst Lovenberg allerdings auch nicht, dass das Thema eigentlich ein bedrückendes ist. – Zur Besprechung

Britta Schultejans (dpa) schrieb am 9. 8. 2011:

Roches zweites Werk schlägt ihr Erstlingswerk um Längen. Es ist authentisch und persönlich, ergreifend, melancholisch und unglaublich ehrlich. – Nachzulesen sogar im Oberpfalznetz

In dieStandard.at meinte Beate Hausbichler:

Zu Gunsten einer neuen Skandalisierung wird mit Charlotte Roches neuem Buch bereits ein auch vom Verlag kalkulierter Etikettenschwindel betrieben. “Jetzt alles über eines der letzten Tabus: ehelicher Sex” schreibt der Verlag Piper in einer Ankündigung zum Buch. Sex gemischt mit Authentizität (das Buch ist zu großen Teilen autobiographisch) und die öffentliche Figur Charlotte Roche als Projektionsfläche, so werden Bücher verkauft. Obwohl das “Schoßgebete” gar nicht nötig hätte, denn mit Tabus werden die LeserInnen durchaus versorgt, nur nicht in Sachen Sex. Viel interessanter diesbezüglich sind hingegen Roches Beschreibungen völlig anderer Baustellen. Überzeugend und mit aller gebotenen Ambivalenz schreibt Roche über die Liebe und den Hass, den sie manchmal verursacht oder über Beziehungen, die so wichtig sind, dass man sich ihrer lieber gleich selbst entledigt. Seltsam was manchmal drinnen ist, wo Sex draufsteht. – Zur Besprechung

Während Sebastian Fasthuber in Falter schrieb:

Leider verfügt Charlotte Roche nach wie vor über keine Literatursprache, die ein Buch tragen würde. „Schoßgebete“ liest sich zeitweilig wie eine Lifestylebroschüre, die Sloterdijk für aufgeklärte Illustriertenleser paraphrasiert: Du musst dein Leben und die Welt ändern! – Zur Besprechung

Für Peter Pisa (Kurier) ist „Schoßgebete“ hingegen

ein ernst zu nehmender, ernster Text über eine 33-jährige Frau, die sich von ihrer Mutter und von Alice Schwarzer befreit. – Zur Besprechung

Es stimmt also nicht ganz, was meedia.de verkündet: „Während die weibliche Fraktion ,Schoßgebete‘ lobt, fällt das Urteil der männlichen Rezensenten vernichtend aus.“ – Dafür sind dort Rezensionszusammenfassungen von Spiegel, Focus, FR, taz und Süddeutscher zu finden.

Und wen interessiert, was Charlotte Roche selbst zu ihrem Roman zu sagen hat, kann das Interview in der FAZ nachlesen. Sie meint zum Beispiel:

In „Schoßgebete“ geht es um eine Frau, die nicht mehr alle Tassen im Schrank hat und das Ziel verfolgt, für immer mit ihrem Mann zusammenzubleiben. Es geht um Therapie und Patchwork. – Zum Interview


„Schoßgebete“ ist erhältlich bei Amazon als Hardcover und als und als Hörbuch und bei Piper als E-Book.


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