10/09/2008von 452 Views – 0 Kommentare

Guo, Xiaolu: Kleines Wörterbuch für Liebende

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Buchcover
Roman
Aus dem Englischen von Anne Rademacher
Hardcover: Knaus, 2008
Taschenbuch: btb, 2010
(„A Concise Chinese-English Dictionary For Lovers“, Chatto & Windus)
Inhalt:

Die junge Chinesin Zhuang reist zum ersten Mal in den Westen und taucht in eine fremde Welt ein. Sprache und Umgangsformen, Essen und Trinken, Liebe und Sex – alles ist befremdlich, verwirrend und manchmal unbegreiflich. Ebenso amüsante wie erhellende Missverständnisse verbinden sich zu einem rasanten Verwirrspiel zwischen Ost und West und Mann und Frau. (Pressetext)

Kurzkritik:

Denn Guo schafft das Kunststück, das Allgemeine aus dem Persönlichen und das Persönliche aus dem Allgemeinen herauszufiltern, jede Szene ist knapp und anschaulich beschrieben, weist stets weit über sich hinaus und trifft den Nerv der Sache und ins Herz der LeserInnen. – Wärmste Empfehlung.

Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Nicht nur Liebe, aber auch

Es gibt ein paar Lieder, die müssen einem nicht einmal gefallen, sind aber mit einem wichtigen Erlebnis verbunden, und kaum hört man den bestimmten Song, sind auch die Erinnerungen wieder da. – Ich werde ab sofort bei „The Rose“ an meine Zeit mit Zhuang Xiaogiao denken.

Xiaolu Guo ist mit „Kleines Wörterbuch für Liebende“ ein bereicherndes Buch gelungen. Es ist vor allem eine berührende, nicht erfunden wirkende Liebesgeschichte über eine junge Chinesin, die von ihren Eltern nach Großbritannien geschickt wird, um dort Englisch zu lernen (und damit den Familien-Schuhhandel internationaler zu machen). In London begegnet ihr ein älterer erfolgloser Bildhauer, der Geld als Botenfahrer verdient. Es sind nicht nur die sprachlichen und kulturellen Unterschiede, welche diese Beziehung scheitern lassen, aber auch.

Mutet simpel an

Mit der Phrase „aber auch“ könnte man den ganzen Roman beschreiben, der – nicht nur (aber auch) wegen des von Anne Rademacher grandios ins Deutsche übertragenen Pidgeon-Englisch – simpel anmutet. Eine simple Story in einer absichtlich simplen Sprache (welche die Englisch-Fortschritte Zhuangs anschaulich macht) mit einem simplen Aufbau (der Roman ist strukturiert wie ein Vokabelheft: Zu Schlagworten wie „Humor“, „Frustration“ oder „Bisexuell“ wird eine die Handlung weitertreibende Geschichte erzählt).

Befremdet – befremdend

Hinter dieser Einfachheit berichtet Guo wie nebenbei über China, die Mentalität seiner Bevölkerung und den Einfluss der Politik – und wirft einen befremdeten (und Einheimische befremdenden) Blick auf die europäische Lebensweise. Eine dem Gemeinwohl und Familienzusammenhalt verpflichtete junge Frau trifft auf Menschen, denen ihr Selbst über alles geht, könnte man schreiben, sollte aber ergänzen: nicht nur – aber auch.

Denn Guo schafft das Kunststück, das Allgemeine aus dem Persönlichen und das Persönliche aus dem Allgemeinen herauszufiltern, jede Szene ist knapp und anschaulich beschrieben, weist stets weit über sich hinaus und trifft den Nerv der Sache und ins Herz der LeserInnen. – Wärmste Empfehlung.

Von Werner Schuster

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Infos:

Xiaolu Guo wuchs in einer kleinen Stadt in Südchina auf und studierte an der Filmhochschule in Beijing. Nebenher schrieb sie Geschichten und Romane. Seit 2002 lebt sie in London. Sowohl in China als auch in ihrer britischen Wahlheimat machte sie sich als Filmemacherin und Schriftstellerin einen Namen. Mit “Kleines Wörterbuch für Liebende” gelang ihr der internationale Durchbruch.

Über Xiaolu Guo bei Randomhouse.

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