Heinrich Steinfest: Mariaschwarz
Krimi
Piper, 2008
Improvisiert
Dieses Buch habe ich dreimal begonnen, und auch als ich es dann zur Gänze gelesen habe, bin ich nie richtig hineingekommen: Ich weiß nicht, was Heinrich Steinfest damit wollte. Für einen Krimi ist mir der Plot zu schwach, und sollte das Krimi-Setting nur der Anlass für Steinfest-typische Ausschweifungen gewesen sein, so erscheint mir „Mariaschwarz” auch stilistisch nicht gelungen.
Wir lernen den österreichischen Ort Hiltroff kennen mit seinem – wohl als Sinnbild gemeinten – schwarzen Mariensee: Im See zu schwimmen oder zu tauchen war verboten. Aus Gründen des Naturschutzes. Woran sich sogar die Dorfjugend hielt. Das Wasser erschien ihnen wohl zu schwarz. Es war ein See zum Anschauen, nicht zum Angreifen.
Das könnte man auch über den Roman behaupten: Es ist ein Krimi zum Anschauen, nicht zum Angreifen. Anders gesagt: Mich hat darin nichts berührt. Vor allem nicht die Hauptfigur Vinzent Olander, der seit drei Jahren als saufender Dauergast im Hotel Hiltroff darauf wartet, dass seine Tochter auftaucht. Und auch nicht seine unglaubliche Geschichte von einer Liebe, die ihn nach Italien führt, wo er nach einem Autounfall in mafiöse und mysteriöse Gesellschaft gerät. Bei diesem Unfall wird seine Tochter (die gar nicht seine Tochter ist) entführt, was ihn (ich kann nichts dafür) wegen Überraschungseier-Figuren nach Hiltroff führt, wo dann im Mariensee eine Frauenleiche gefunden wird (eigentlich hat man nach einem Geschwisterl von Nessie gesucht).
Nachdem nichts darauf hindeutet, dass es sich bei „Mariaschwarz” um eine Krimikomödie handeln sollte, ist mir dieser Plot zu blöd. Des weiteren hat mich der Roman eher gelangweilt – und verärgert. Denn ich erwarte mir von Steinfest gewiss keinen Pageturner, aber doch all jene lustvoll beschriebenen Nebensächlichkeiten, welche die Handlung eben nicht konzise weitertreiben. Nur leider ist Steinfest in „Mariaschwarz” eher geschwätzig als amüsant. Er ergießt sich in anscheinend ernst gemeinten Feststellungen à la Kinder erleben weniger die Dinge an sich, sondern vielmehr, inwieweit ein Ding sich von einem anderen unterscheidet. Was Kindern an einem bestimmten Tier auffällt, ist vor allem das, was ein anderes Tier nicht besitzt. – Will man sich von einem Romanautor tatsächlich mit solchen „Wahrheiten” belehren lassen?
Und wozu muss Steinfest den Comicfigur-artigen Super-Polizisten gegen Ende des Romans als Liebhaber der eigenen Schwester outen? Nur damit er ihn vom Dienst suspendieren lassen kann (was aber auf den Fortgang der Handlung keinen Einfluss hat)?
Ich kann mir nicht helfen: Das wirkt alles improvisiert, als hätte sich Steinfest – auf eine Reproduktion seines Stils vertrauend – an einem Rohkonzept entlanggeschrieben. Es kann aber auch bloß sein, dass seine Masche bei mir nicht mehr zieht.
Mariaschwarz bei Amazon.
Über Heinricht Steinfest bei Wikipedia,
mehr von ihm (Cheng)
und mehr von Piper bei „Eselsohren”.


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[...] Blogosphäre: z.B. von lottalotter, dem Dünenwanderer und Ralf Koss sowie bei zeitsturz und auf Eselsohren.at. Auch Annik Rubens erwähnt das Buch kurz. ++ Frisch gekürt: Der Roman hat den dritten Platz beim [...]
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