10/10/2008von 981 Views – 3 Kommentare

Steinfest, Heinrich: Mariaschwarz

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Buchcover
Krimi
Hardcover: Piper, 2008
Taschenbuch: Piper, 2010
Inhalt:

Am Anfang steht die perfekte Beziehung zwischen Vinzent Olander, dem Gast, und Job Grong, dem Wirt. Doch als Grong seinen Gast vor dem Ertrinken rettet, ist die Idylle dahin. Der See, um den sich nun alles dreht, trägt den Namen Mariaschwarz. Die Einheimischen im Ort meinen, in ihm würde sich nicht nur das Weltall spiegeln, sondern auch ein Ungeheuer beheimatet sein. Als man auch noch ein Skelett am Grund jenes See entdeckt, tritt der Wiener Kriminalinspektor Lukastik auf den Plan. Mit famoser Arroganz und gewohnt unkonventionellen Ermittlungsmethoden stellt er Mariaschwarz gewissermaßen auf den Kopf. Doch an manchen Beziehungen gibt es nichts zu rütteln. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ich kann mir nicht helfen: Das wirkt alles improvisiert, als hätte sich Steinfest – auf eine Reproduktion seines Stils vertrauend – an einem Rohkonzept entlanggeschrieben. Es kann aber auch bloß sein, dass seine Masche bei mir nicht mehr zieht.

Werner gibt  ★★☆☆☆  (2 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Improvisiert

Dieses Buch habe ich dreimal begonnen, und auch als ich es dann zur Gänze gelesen habe, bin ich nie richtig hineingekommen: Ich weiß nicht, was Heinrich Steinfest damit wollte. Für einen Krimi ist mir der Plot zu schwach, und sollte das Krimi-Setting nur der Anlass für Steinfest-typische Ausschweifungen gewesen sein, so erscheint mir „Mariaschwarz“ auch stilistisch nicht gelungen.

Wir lernen den österreichischen Ort Hiltroff kennen mit seinem – wohl als Sinnbild gemeinten – schwarzen Mariensee: „Im See zu schwimmen oder zu tauchen war verboten. Aus Gründen des Naturschutzes. Woran sich sogar die Dorfjugend hielt. Das Wasser erschien ihnen wohl zu schwarz. Es war ein See zum Anschauen, nicht zum Angreifen.“

Saufender Dauergast

Das könnte man auch über den Roman behaupten: Es ist ein Krimi zum Anschauen, nicht zum Angreifen. Anders gesagt: Mich hat darin nichts berührt. Vor allem nicht die Hauptfigur Vinzent Olander, der seit drei Jahren als saufender Dauergast im Hotel Hiltroff darauf wartet, dass seine Tochter auftaucht. Und auch nicht seine unglaubliche Geschichte von einer Liebe, die ihn nach Italien führt, wo er nach einem Autounfall in mafiöse und mysteriöse Gesellschaft gerät.

Bei diesem Unfall wird seine Tochter (die gar nicht seine Tochter ist) entführt, was ihn (ich kann nichts dafür) wegen Überraschungseier-Figuren nach Hiltroff führt, wo dann im Mariensee eine Frauenleiche gefunden wird (eigentlich hat man nach einem Geschwisterl von Nessie gesucht).

Zu blöd

Nachdem nichts darauf hindeutet, dass es sich bei „Mariaschwarz“ um eine Krimikomödie handeln sollte, ist mir dieser Plot zu blöd. Des weiteren hat mich der Roman eher gelangweilt – und verärgert. Denn ich erwarte mir von Steinfest gewiss keinen Pageturner, aber doch all jene lustvoll beschriebenen Nebensächlichkeiten, welche die Handlung eben nicht konzise weitertreiben. Nur leider ist Steinfest in „Mariaschwarz“ eher geschwätzig als amüsant.

Er ergießt sich in anscheinend ernst gemeinten Feststellungen à la „Kinder erleben weniger die Dinge an sich, sondern vielmehr, inwieweit ein Ding sich von einem anderen unterscheidet. Was Kindern an einem bestimmten Tier auffällt, ist vor allem das, was ein anderes Tier nicht besitzt.“ – Will man sich von einem Romanautor tatsächlich mit solchen „Wahrheiten“ belehren lassen?

Die Masche zieht nicht mehr

Und wozu muss Steinfest den Comicfigur-artigen Super-Polizisten gegen Ende des Romans als Liebhaber der eigenen Schwester outen? Nur damit er ihn vom Dienst suspendieren lassen kann (was aber auf den Fortgang der Handlung keinen Einfluss hat)?

Ich kann mir nicht helfen: Das wirkt alles improvisiert, als hätte sich Steinfest – auf eine Reproduktion seines Stils vertrauend – an einem Rohkonzept entlanggeschrieben. Es kann aber auch bloß sein, dass seine Masche bei mir nicht mehr zieht.

Von Werner Schuster

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Infos:

Heinrich Steinfest wurde 1961 geboren. Albury, Wien, Stuttgart – das sind die Lebensstationen des erklärten Nesthockers und preisgekrönten Kriminalautors Heinrich Steinfest, welcher den einarmigen Detektiv Cheng erfand. Er wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. »Ein dickes Fell« wurde für den Deutschen Buchpreis 2006 nominiert. Zuletzt erschienen seine »Gebrauchsanweisung für Österreich« sowie die Romane »Gewitter über Pluto« und »Batmans Schönheit«.

Interview mit Steinfest im HVB-Anzeiger (2008)

Über Heinricht Steinfest bei Wikipedia.