10/07/2012von 300 Views – 0 Kommentare

Flatrate für Bücher?

Meinungs-EselBuchverlage sollten themenspezifische Flatrate-Modelle einführen, meint der Rechtwissenschaftler Thomas Hoeren. Aber bedeutet Flatrate, also Pauschale, nicht: kleinere Rechnung, weniger Leistung?

Dauernd erzählt mir jemand was von Flatrates. Bei meinem Mobiltelefon erscheint mir das ja auch sinnvoll (als Konsument – und auch für Anbieter, falls meine Tochter mehr als 1.000 Minuten telefoniert; dann kassieren die kräftig ab).

Erst kürzlich auf einer Konferenz war ein Vortragender davon überzeugt, dass Flatrates auch das Zukunftsmodell des Fernsehens sind. Du zahlst irgendein Fixum und schaust, was du willst und wann du willst. – Falls es jemandem gelänge, das unüberschaubare Angebot übersichtlich zu präsentieren, könnte ich mich damit ja anfreunden.

Hätte ich ein elektronisches Lesegerät, könnte ich mich angeblich bald für ein Flatrate-Abo entscheiden: alle deutschsprachigen Tageszeitungen zum supergünstigen Pauschalbetrag. Da habe ich denn doch Bedenken. Die Printmedien schwächeln schon jetzt finanziell – wie sollen die von einem Bruchteil eines Minibetrags überleben?

Und jetzt kommt der Rechtwissenschaftler Thomas Hoeren daher und meint, Buchverlage sollten themenspezifische Flatrate-Modelle einführen. Das hat vielleicht Vorteile – für die Konsumenten: 1.000 Bücher zum Preis von 50 Euro oder so.

Die Frage ist halt: welche Bücher? Und was ist zum Beispiel mit Menschen, die sich nicht nur für ein Genre interessieren? Die nächste Frage ist: Welche Bücher wird es dann nicht mehr geben, weil es sich die Verlage nicht mehr leisten können, sie herauszugeben?

Zuerst haben die Buch-Supermärkte die kleinen Buchhandlungen vom Markt vertrieben, jetzt machen E-Books den Supermärkten den Garaus – und dann wird uns alle die Flatrate retten? Wäre es möglich, dass dann nur mehr Bücher mit Bestseller-Potenzial produziert würden? Und dass die AutorInnen dann zwar von den, so Hoeren, „unverschämten Verträgen“ mit den Verlagen befreit wären, dafür aber noch schlechter verdienen? Nämlich auch bloß ein bisserl was vom Flatrate-Kuchen abbekommen?

Und bedeutet Flatrate, also Pauschale, nicht ohnedies: kleinere Rechnung, weniger Leistung?

Werner Schuster

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