28/05/2012von 255 Views – 0 Kommentare

Memories Are Made of This #3

Liebe LeserInnen,

und weiter geht es mit „Memories Are Made of This“. Dabei weise ich auf ältere Rezensionen hin, auf die ich stolz bin oder bei denen ich finde, dass die Bücher (bei den Eselsohren) zu wenig beachtet wurden.

Eine Weile habe ich für die Wiener Obdachlosen-Zeitschrift Augustin gearbeitet, weil ich dort über andere Themen schreiben konnte als in meist konzerngestützten Tageszeitungen und Magazinen.

Hin und wieder habe ich dort auch Bücher besprochen, meistens über soziale Themen, aber nicht nur. Der erste „Metzger“ ist zum Beispiel auch darunter.

Zeit zum (Nach-)Lesen
wünscht
Werner Schuster


Cover Ofoedu MorgengrauenObiora Cl-K Ofoedu:
Morgengrauen

Erinnerungen
Aus dem Englischen von Ric Maréchal
Mandelbaum Verlag Wien (2000)
Inhalt:

Als am 1. Mai 1999 der Nigerianer Marcus Omofuma mit Klebebändern verschnürt wie ein Paket auf dem Abschiebeflug nach Bulgarien stirbt, gehört Obiora Ofoedu zu den ersten, die öffentlich protestieren. Wenige Tage später erlangt er als »Drogenboss Charles O.« österreichweite Berühmtheit. Sein präzises und mit literarischer Distanz notiertes Protokoll der Ereignisse, der glatten Polizeiwillkür und menschenverachtender Medienjustiz zeigt den ungeahnten Weg eines mittellosen Schriftstellers, der von Polizei und Boulevard zum »Drogenboss des Jahres« gemacht wurde, weil er es gewagt hatte, sich als Afrikaner in Österreich für Menschenrechte einzusetzen. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wenn man die Zeitungsberichte zum Fall des Nigerianers Obiora Cl-K „Charles“ Ofoedu nachliest, so ist er in den einen ein mittelloser Schriftsteller, der in Folge der letztjährigen „Operation Spring“ zu Unrecht als Drogenboss verdächtigt und in Untersuchungshaft genommen wurde. In den anderen Zeitungen kann man es scheinbar nicht fassen, dass die Staatsanwalt für diesen Menschen Enthaftung beantragt hat. Hat er nicht den Großdealern in einem Chinarestaurant „freigegeben“ (© Kurier), damit sie an einem Omofuma-Protestmarsch teilnehmen können? (Aber sagt einem nicht der Hausverstand, dass der Drogenmafia Geld wichtiger sein könnte als ein Menschenleben?)

Egal, jetzt kann man nachlesen, wie Charles Ofoedu selbst seinen Fall darstellt. Anhand der Notizen während seiner dreimonatigen Haft hat er den dokumentarischen Roman „Morgengrauen“ geschrieben, aus dem – was nicht verwundert hätte – keine Anklage gegen das böse Österreich geworden ist, sondern eher eine Zustandsbeschreibung: Wie geht es jemandem, der eines Morgens von der Polizei aus dem Bett geholt wird, dem man nicht erklärt, warum man seine Wohnung genauestens durchsucht und ihn schließlich ins Gefängnis abführt, der nach einem Drogentest schließlich zu hören bekommt, „selber ist er clean, aber er ist der Boss“.

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Cover Alma RoseRichard Newman:
Alma Rosé

Biografie
Weidle (2001), Bvt
Inhalt:

Alma Rosé war berühmt zu Lebzeiten, eine Legende nach ihrem Tod, dann über Jahrzehnte hinweg vergessen. Die 1906 geborene Nichte Gustav Mahlers, Sologeigerin und Dirigentin, leitete in Auschwitz das Orchester der weiblichen Lagerhäftlinge. (Pressetext)

Kurzkritik:

22 Jahre hat der Musikkritiker Richard Newman an seiner Biographie über Alma Rosé, die Leiterin des Frauenorchesters von Auschwitz, gearbeitet. Den größten Teil dieser Zeit hat er mit weltweiten Recherchen und Interviews zugebracht. Geschrieben hat er dann (gemeinsam mit Karen Kirtley) eine gleichermaßen erschütternde, anschauliche und umfassende Lebensgeschichte.

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BuchcoverMolden & Similache:
Wien – Hinweise zum Umgang mit einer alten Seele

Bildband mit Erzählungen
Deuticke (2004)
Inhalt:

Das Buch “Wien: Hinweise zum Umgang mit einer alten Seele” nimmt seine Leser, Bewohner und Besucher der ebenso herrlichen wie fiesen, so eleganten wie depressiven Stadt Wien an der Hand, holt sie von den bösen Boulevards des Bekannten runter, zerrt sie mitunter stur in so nicht verlangte Richtungen, wo es dann halt doch etwas zu sehen oder zu hören gibt (ein Monster, ein neues Gerücht). Das Buch stellt Wien-Mythen des vergangenen Jahrhunderts richtig und schlägt welche für das neue vor. (Pressetext)

Kurzkritik:

Molden und Similache ist der Versuch geglückt, Wien so nahe wie möglich zu kommen. Wer es liest und betrachtet, wird all die Klischees und Vorurteile bestätigt und unterlaufen sehen. Wird das Alte im Neuen entdecken – und umgekehrt. Wird Wien in diesem Buch nicht nur wiederfinden, sondern wieder sehen – und schmecken und hören und riechen und so weiter. Wird sein wahres Wunder erleben.

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Cover Raab Metzger1Thomas Raab:
Der Metzger muss nachsitzen

Krimi
Leykam, Rowohlt
Inhalt:

Fünfundzwanzig Jahre lang hat er nichts von seinen Schulfreunden gehört. Dann stolpert der Restaurator Willibald Adrian Metzger über einen Toten. Einen ehemaligen und höchst unbeliebten Klassenkameraden. Als die Polizei am Fundort eintrifft, ist die Leiche allerdings verschwunden. Einbildung des rotweinumnebelten Restaurators oder perfide Inszenierung? Am darauffolgenden Tag erhält der Metzger die Gewissheit, dass auch er selbst in den Fall verwickelt ist: Der Schuh des Opfers wird ihm zugespielt. Notgedrungen beginnt er mit den Nachforschungen. Doch die Odyssee in die Vergangenheit fördert noch mehr Leichen zutage … (Pressetext)

Kurzkritik:

Thomas Raab ist ein Multitalent. Nach dem Studium der Mathematik und Sportwissenschaften hat er als Musiker gearbeitet und wird – nach dem Singer-Songwriter-Album „Zeitlos“ – demnächst die CD „Sprünge in Beton“ herausbringen. „Zwischendurch“ hat er einen Krimi geschrieben, der Mitte März im renommierten Leykam-Verlag erscheint.

„Der Metzger muss nachsitzen“ ist ein viel versprechender Erstling, gut und geschickt aufgebaut, mit faszinierendem Personal und einem interessanten Fall mit vielen überraschenden Wendungen. Es geht um ein Klassentreffen der besonderen Art: Der dickliche, isoliert lebende und dem Alkohol zugetane Restaurator Willibald Adrian Metzger stolpert in einem Park über die Leiche seines ehemaligen Schulkollegen Felix Dobermann. Als er mit der Polizei wiederkommt, ist die Leiche verschwunden.

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