24/05/2011von 989 Views – 0 Kommentare

Pasolini, Pier Paolo: Reisen in 1001 Nacht

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Buchcover Pasolini Reisen in 1001 Nacht

  • Gebunden
  • 143 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Corso
  • Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki und Dorothea Dieckmann


Inhalt:

Für seinen Film „Erotische Geschichten aus 1001 Nacht“ fuhr Pasolini mehrfach in den Vorderen Orient. Auf seiner Suche nach Darstellern und Drehorten begegnete ihm eine Kultur, die zuteils bis heute archaisch ist – und uns deswegen herausfordert. Diese hier zum ersten Mal ins Deutsche übertragenen Texte zeugen von seiner Suche nach dem Authentischen, dem Widersprüchlichen, dem für Europa Beispielgebenden und Hoffnungmachenden. (Pressetext)

Kurzkritik:

Nicht als Tourist, nicht als Reisereporter oder gar als Ethnologe tritt Pasolini auf – er berichtet nüchtern von Armut und von Problemen mit EritreerInnen, verbittet sich dabei Mitleid, schwärmt dann wieder von verfallenden Steinmauern. Er verliert sich nicht in der Oberflächlichkeit einer Reportage, sondern richtet einen radikal persönlichen Blick auf die bereisten Länder, der ungewöhnliche Facetten zu Tage fördert.

Sabine gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Radikal persönlich

Eritrea und Sanaa, weite Wüsten und dicht gedrängte Städte – der Band „Reisen in 1001 Nacht“ versammelt kurze Texte Pasolinis, die erstmals auf Deutsch erscheinen. Mal essayistisch, mal erzählend, nähert sich Pasolini seinen Themen, eingefasst werden seine Texte von authentischen Fotos Roberto Villas, der oft mit ihm reiste, sowie einleitenden Bemerkungen Peter Kammerers, der die Texte auch auswählte. Den Abschluss bildet ein sehr persönliches Nachwort von Dacia Maraini, die unter anderem über Pasolinis Frauenbild schreibt.

Das Buch kreist um zwei thematische Schwerpunkte – die Rettung historischer Bausubstanz und Vorbereitungen für Dreharbeiten.

Pasolini als Bewahrer

Pasolini fürchtet auf seinen Reisen immer wieder, dass einzigartige Orte zerstört werden können, an denen koloniale Einflüsse mit lokalen verschmelzen (so erinnert in so manches in Eritrea an Süditalien) oder die für ihn die Vorbilder europäischer Kultur bilden (so sieht er im Nahen Osten Vorbilder für die Stadtarchitektur Venedigs). Besonders intensiv setzt er sich dabei für die Erhaltung der Stadt Sanaa ein, über die er 1970 eine Dokumentation zu ihrer Rettung dreht. Er plädiert für eine vorsichtige Modernisierung, die Historisches nicht zerstört – Pasolini als Bewahrer.

Pasolini als Filmemacher

In anderen Texten wiederum berichtet er von seiner Suche nach DarstellerInnen für seinen Film „Erotische Geschichten aus 1001 Nacht“ oder davon, wie Landschaften und Orte seine Vorstellungen für die Drehorte des Films verändern, wie er versucht, koptische und muslimische Kleidungsstücke und Beduinen-Zelte in ein harmonisches Ganzes zusammenzufügen – Pasolini als Filmemacher. Diese Texte machen den Hauptteil des Buches aus, sie sind zudem erzählender als manch anderer, verweisen auch auf den historischen Kontext (Bürgerkrieg in Eritrea) – was es dem Leser ermöglicht, sich auf sie einzulassen, nicht nur Splitter zu erhaschen.

Er verbittet sich Mitleid – und schwärmt

Nicht als Tourist, nicht als Reisereporter oder gar als Ethnologe tritt Pasolini auf – er berichtet nüchtern von Armut und von Problemen mit EritreerInnen, verbittet sich dabei Mitleid, schwärmt dann wieder von verfallenden Steinmauern. Er verliert sich nicht in der Oberflächlichkeit einer Reportage, sondern richtet einen radikal persönlichen Blick auf die bereisten Länder, der ungewöhnliche Facetten zu Tage fördert.

Von Sabine Schönfellner

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Infos:

Pier Paolo Pasolini, Schriftsteller, Filmregisseur, Publizist, geboren 1922 in Bologna, ermordet 1975 in Ostia unter bis heute ungeklärten Umständen. Zu seinen wichtigsten Filmen gehören „Große Vögel, kleine Vögel“, „Das 1. Evangelium – Matthäus“ und „Die 120 Tage von Sodom“; zu seinen bedeutendsten Büchern zählen die „Freibeuterschriften“ sowie der Roman „Ragazzi di vita“ (beide Wagenbach).

Mehr über Pier Paolo Pasolini bei Wikipedia.

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