10/09/2011von 2.481 Views – 4 Kommentare

Schlösser, Sebastian: Lieber Matz, Dein Papa hat ‘ne Meise

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Buchcover Schloesser Lieber Matz
  • Gebunden
  • 240 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Ullstein

Inhalt:

Mit der Diagnose „manisch-depressiv“ landet Sebastian Schlösser in der Psychiatrie. In seinem Buch erzählt er seinem achtjährigen Sohn, was die Krankheit mit ihm gemacht hat – mutig, anrührend und liebevoll.

Kurzkritik:

Das liest sich eher wie eine (frühe) KünstlerInnen-Biographie der Marke „wilder Hund“ denn als das, was auf dem Umschlag angekündigt wird: „was es bedeutet, psychisch krank zu sein; und wie schwierig es ist, seine Meise zu bezwingen“.

Werner gibt  ★★★☆☆  (3 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Bloß eine KünstlerInnen-Biographie

Dieses Buch ist eher spurlos an mir vorübergegangen, obwohl mich das Thema „psychische Erkrankungen“ sehr interessiert, weil ich einige Menschen mit manisch-depressiven Symptomen kenne.

Das liegt zum einen daran, dass mir die Form – Briefe an einen Achtjährigen – wie ein Vorwand vorkommt: abgesehen davon, dass das nicht wirklich Briefe an ein Kind sind (aber, o.k.: für später mal), hatte ich den Eindruck, Schlösser benutzt seine „Bekenntnisse“ eher, um sich als Künstler ins Rampenlicht zu stellen, als dass er sich damit tatsächlich etwa von der Seele schreiben würde.

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Die Briefe wirken schon ehrlich, haben jedoch immer den Beigeschmack von: seht her, was ich nicht schon alles gemacht (d.i. inszeniert) habe und wie „irre“ ich mich dabei nicht aufgeführt habe!

Das liest sich eher wie eine (frühe) KünstlerInnen-Biographie der Marke „wilder Hund“ denn als das, was auf dem Umschlag angekündigt wird: „was es bedeutet, psychisch krank zu sein; und wie schwierig es ist, seine ,Meise‘ zu bezwingen“.

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Ein Regisseur wird Jurist

Schlösser beschreibt vor allem, wie sich die manisch-depressive Erkrankung bei ihm ausgewirkt hat, und kaum, wie er sie bezwungen hat. Und ebenfalls nur auf dem Buchumschlag erfährt man, dass er das Inszenieren anscheinend aufgegeben hat und jetzt Jura studiert.

Warum? Vielleicht weil er glaubt, seine Erkrankung besser im Griff zu haben, wenn er nicht mehr kreativ tätig ist? Das ist zwar Spekulation, wäre aber ein interessanter Ansatz gewesen. Dann wäre sein Buch wenigstens wertvoll für KünstlerInnen gewesen. Für psychisch Kranke und deren Angehörige oder FreundInnen ist es das jedenfalls nicht.

Von Werner Schuster

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Sebastian Schlösser, geboren 1977, war Regieassistent bei Jürgen Gosch und Theaterregisseur u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Seit seiner Entlassung aus der Psychiatrie studiert er Jura. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt er in Hamburg.

4 Kommentare zu "Schlösser, Sebastian: Lieber Matz, Dein Papa hat ‘ne Meise"

Trackback | Kommentar RSS Feed

  1. Stephan Bitzer sagt:

    Herr Schlöser hat mein Leben “aufgeschrieben”, mit dem Unterschied, dass ich mich erst mit 50 Jahren in die Klappse eingewiesen habe. Durch die Briefe an Matz verstehen Menschen, die mir sehr nah stehen, was mit mir los ist bzw. war.
    Dafür möchte ich ihm auf diesem Weg danken.
    Leute die psychisch Kranke kennen, aber selbst nicht betroffen sind, sollten sich hinsichtlich ihrer Kommentare eher zurückhalten. Überlaßt es den Profis und den Betroffenen. Mir ist es, trotz meiner Genialität, auch nicht gegeben mit Stephen Hawking über Uran 235 zu diskutieren. In diesem Sinn

    • Werner sagt:

      Es freut mich, dass es Herrn Schlösser in Ihrem Fall gelungen ist, Angehörige und Freunde Ihre/seine Krankheit verständlich zu machen. Aber ich finde es befremdlich, dass Sie mir vorschreiben wollen, worüber ich wie zu schreiben habe. Herr Schlösser hat kein Buch veröffentlicht, das nur Fachleute sowie Betroffene und ihr Umkreis lesen dürfen, sondern alle. Und als einer von diesen allen habe ich meine Meinung aufgeschrieben, wobei ich es als normal ansehe, dass diese nicht von allen geteilt wird.
      (Und der Vergleich mit Hawking hinkt: Es macht schon einen großen Unterschied, ob ich mit einem Wissenschaftler über sein Fachgebiet diskutiere – in unserem Fall wären das psychische Erkrankungen – oder über die Erinnerungen eines Erkrankten schreibe.)

  2. Jo Werner Flesch sagt:

    Bipolar zu sein ist leider kein segen. Auffällig ist,dass außerordentlich viele “Kreative” daran erkranken. Oft entscheidet es sich schon in früher Kindheit, später an Einer Bipolaren Störung zu erkranken.
    Der berufliche und familiäre Werdegang ist immer von Manie und Depression begleitet.Dies läßt sich in der “Aufarbeitung”,auch an ganz eindeutigen Kindheitserlebnissen festmachen.
    Bipolare sind keine “Irren”, sondern besonders
    Ausdruckstarke und sensitive Persönlichkeiten.
    Mit freundlichen Grüßen
    FLASHCLASH

    • wps sagt:

      das habe ich auch nie behauptet; im Gegenteil: ich wollte von Herrn Schlösser eigentlich wissen, was es bedeutet, psychisch krank zu sein; und wie schwierig es ist, seine „Meise“ zu bezwingen (– als „Meise“ bezeichnet er seine Krankheit selbst).
      wps

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