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Weiss, Peter: Ästhetik des Widerstands

Posted By Werner On 12/10/2007 @ 06:10 In 1950-1974,AutorInnen W,Rezensionen,Romane & Erzählungen | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

BuchcoverRoman
1195 Seiten
Suhrkamp
(1975 ff.)
Inhalt:

Der Roman berichtet von jungen Arbeitern, die 1937 in Berlin ihren Standort umreißen. Über die Tschechoslowakei gelangt der Erzähler nach Spanien und nimmt teil am Bürgerkrieg. Der zweite Teil schildert die Vielschichtigkeit der Erlebnisse im Stockholmer Exil. Der Autor verfolgt die Wege der Personen: Endstation für viele sind die Hinrichtungsstätten des “Dritten Reichs”. Dennoch bleibt der Widerstand ihr Vermächtnis. (Pressetext)

Kurzkritik:

Man könnte sich anhand dieses Romans auch vergegenwärtigen, was ein linker Standpunkt einmal gewesen ist (– zumal der Kommunist Weiss in seiner Trilogie einen, so Wiki, Schwerpunkt auf Widersprüche, Fehler und Scheitern linker Politik gelegt hat).

Aber das muss man sich alles gewissermaßen “verdienen” und sich auf diese tausend Seiten mit absatzlosen Abschnitten einlassen, wo man allerdings ständig mit einer präzisen, wie gemeißelten Sprache “belohnt” wird.

Besprechung:

Die monströse Arbeiterbewegung

Claudio Magris’ für mich nicht wirklich geglückter Versuch, das Scheitern der Utopien in einen Roman zu packen (siehe hier [5]), hat mich an dieses Monstrum von einem Buch erinnert, in welchem Peter Weiss den Faschismus aus widerständiger Sicht beschrieben hat.

Auch Weiss’ Buch ist anspruchsvoll, doch im Gegensatz zu “Blindlings” hat “Die Ästhetik des Widerstands” eine Struktur, an der man sich festhalten kann. Im ersten Band verlässt der Erzähler 1937 Berlin, um am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen, im zweiten gelangt er über Paris nach Schweden, wo er sich sich in der illegalen KP betätigt und zum Schreiben kommt, und im dritten beschreibt er dann den Widerstand der Roten Kapelle im Nazideutschland.

Nährboden

Weiss hat sich nun nicht begnügt, einen zeitgeschichtlichen Roman über die Arbeiterbewegung zu verfassen, vielmehr die Rolle von Kunst und Kultur als Nährboden für politischen Widerstand dargestellt. Seine Beschreibung von Kunstwerken (vom Pergamonaltar über Géricaults „Floß der Medusa“ bis zu Picassos „Guernica“-Gemälde oder auch die Tempelanlagen von Angkor Wat oder Kafkas Roman „Das Schloss“) ist jedenfalls atemberaubend – und die Darstellung der Verhaftung und Hinrichtung der Rote-Kapelle-Aktivisten erschütternd.

Abgesehen davon könnte man sich anhand dieses Romans auch vergegenwärtigen, was ein linker Standpunkt einmal gewesen ist (– zumal der Kommunist Weiss in seiner Trilogie einen, so Wiki, Schwerpunkt auf Widersprüche, Fehler und Scheitern linker Politik gelegt hat).

Absatzlos

Aber das muss man sich alles gewissermaßen “verdienen” und sich auf diese tausend Seiten mit absatzlosen Abschnitten einlassen, wo man allerdings ständig mit einer präzisen, wie gemeißelten Sprache “belohnt” wird:

Wieder lagerten wir in einer dieser Hallen, die zu nichts anderem dazusein schienen, als uns an den Dualismus zu erinnern, der unser ganzes Vorhaben bestimmte. Doch waren wir diesmal nicht gekommen, um das prunkvolle Bauwerk eines zeitweilig außer Kraft gesetzten Finanzadels zu requirieren und für unsere Zwecke zu benutzen, sondern um uns beherbergen zu lassen vom Hausherrn, für die Dauer einiger Tage, ehe wir, jeder seinen eignen Weg suchend, weiterziehen würden. Entlassen aus der zerfallenen spanischen Republik, am Abend in Paris eingetroffen …

Von Werner Schuster
Infos:

Über Peter Weiss [6] bei Wikipedia.


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[5] hier: http://www.eselsohren.at/2007/10/05/im-irgendwo/

[6] Peter Weiss: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Weiss

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