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Hennig von Lange, Saskia: Alles, was draußen ist

Posted By Sabine On 29/05/2013 @ 06:00 In AutorInnen H,Neue Artikel,Rezensionen,Romane & Erzählungen | No Comments

Novelle
Hardcover, E-Book
116 Seiten
Erschienen 2013 bei Jung & Jung

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]
Inhalt:

Ein anatomisches Museum mit seinen Präparaten, Modellen und Totenmasken, eine schöne Unbekannte aus der Seine und ein Robespierre, und mittendrin ein Mann, der sich im Laufe der Jahre selbst zum Objekt geworden ist. In sprachlich genauen Notaten führt er Buch über sein Leben und seine Gänge durchs Haus, über das seltsame Inventar und über eine immer wieder hörbare, aber unsichtbare „Untendrunterwohnerin“. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ein hochreflexives Selbstporträt eines Einsamen, dessen allzu verständliche Angst, keine Spuren zu hinterlassen, einem nahegeht.

Besprechung:

Spuren hinterlassen

Gipsabdrücke der eigenen Körperteile, eine Totenmaske Robespierres und die Geräusche der Untendruntenwohnerin – diese Dinge beschäftigen den Ich-Erzähler und Museumsbesitzer in seinen Notizen, die er angesichts seines bevorstehenden Todes verfasst. Von einem Gehirntumor geplagt, der ihm immer stärkere Schmerzen verursacht, überlegt er, wie er Spuren in der Welt hinterlassen kann und macht deshalb systematisch Gipsabdrücke von seinen Körperteilen und schreibt seine Gedanken nieder.

Siamesische Zwillige und Innenohren

Er lebt und arbeitet in dem anatomischen Museum, das offenbar schon lange keine Besucher mehr hatte, und schleicht zwischen dessen Exponaten umher, etwa einer Totenmaske und medizinischen Präparaten wie Schädel oder eingelegten siamesischen Zwillingen. Auch sein eigenes Forschungsprojekt ist im Museum aufbewahrt: Er wollte dem Weg des Tones in den Kopf nachgehen und legte daher eine Sammlung von Innenohren an.

Das Knarren der Dielen

In einer eindringlichen Bildsprache lässt Henning von Lange einen einsamen Mann erzählen, der sich an die spärlichen Kontakte zu anderen Menschen in seinem Leben erinnert. Jetzt ist der einzige Mensch in seinem Leben seine „Untendruntenwohnerin“, auf deren Geräusche er lauscht und mit der er sich Begegnungen ausmalt. Von ihr möchte er auch gefunden werden, wenn er verstirbt, und wünscht sich auch, dass sie seine Abdrücke und seine Notizen findet. Ein hochreflexives Selbstporträt eines Einsamen, dessen allzu verständliche Angst, keine Spuren zu hinterlassen, einem nahegeht.

Von Sabine Schönfellner

Infos:

Saskia Hennig von Lange, geboren 1976 lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Frankfurt. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte.


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[1] Kurzkritik: #kurz

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