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Roche, Charlotte: Feuchtgebiete

Posted By Werner On 09/01/2013 @ 06:00 In AutorInnen R,Erogene Bücher,Neue Artikel,Rezensionen,Romane & Erzählungen | No Comments

Roman
Taschenbuch
224 Seiten
Erschienen 2009 bei Ullstein

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]
Inhalt:

Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Dort widmet sie sich jenen Bereichen ihres Körpers, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten. Kaum ein Buch hat in den letzten Jahren soviel Aufsehen erregt wie dieses. Es wurde verrissen, missverstanden, in den Himmel gelobt und als Befreiungsschlag gefeiert. (Pressetext)

Kurzkritik:

Das alles könnte man als pubertäre Provokation hinnehmen, wäre Roche bei Erscheinen des Buches nicht schon 30 gewesen.

Besprechung:

Blut und Scheiß

Das alles könnte man als pubertäre Provokation hinnehmen, wäre Roche bei Erscheinen des Buches nicht schon 30 gewesen.

Gleich nach „Shades of Grey“ habe ich mir „Feuchtgebiete“ hergenommen und fand auch dieses Buch anfangs recht witzig, wenn man mal davon ausgeht, dass Charlotte Roche damit gegen den Hygienewahn angeschrieben hat, der uns aus jedem dritten Werbespot entgegenkreischt oder -winselt.

Wir wissen es wahrscheinlich alle: Da liegt eine 18-jährige im Krankenhaus und berichtet von ihrer Leidenschaft für Sex, Kot, Schleim, Blut, Eiter und Schorf.

Bazillen verteilen

Was ich nicht ganz verstanden habe, ist Helens Sendungsbewusstsein. Aus ihrem Charakter geht für mich nicht hervor, warum sie z.B. ihre selbst gebastelten Monatsbinden im Lift hinterlegen muss oder warum sie ihre Bazillen so gerne unter Menschen verteilen möchte, die diese eigentlich nicht haben wollen.

Charakter? Wir haben es einerseits mit einer Frau zu tun, die schon früh sexuelle Erfahrungen gesammelt hat und in der Auswahl ihrer vielen Liebhaber nicht wählerisch ist. Auf der anderen Seite verhält sich dieselbe Person wie ein naives Mädchen, das glaubt ihre getrennt lebenden Eltern wieder zusammenbringen zu können, indem sie bloß eine Begegnung zwischen Mama und Papa arrangiert. Und die dann schmollend beim erstbesten Typen einzieht, weil ihr das nicht gelingt. Für mich geht das nicht zusammen.

Tiefe Einblicke

Ansonsten ist die Story recht dünn geraten. Helen liegt im Krankenhaus und berichtet über ihre Neigungen. Dabei gewährt sie uns wahrlich tiefe Einblicke in ihren Körper – aber nicht in ihre Seele.

Und das alles könnte man als pubertäre Provokation hinnehmen, wäre Roche bei Erscheinen des Buches nicht schon 30 gewesen. So aber hatte ich nach etwa einem Drittel des 224-Seiten-Buches eigentlich genug: Mehr als Blut und Scheiß kam dann auch nicht mehr – bis auf die doch verstörende Selbstversetzung, mit der Helen ihren Krankenhaus-Aufenthalt verlängern wollte. Aber die passt auch nicht zu einer Figur, die ihre persönliche Art von Lust sonst nicht aus Schmerzen gewinnt.

Von Werner Schuster

Infos:

Das meinen andere [5] (Perlentaucher-Rezensionsnotizen).

Charlotte Roche wurde 1978 in High Wycombe/England geboren und wuchs in Deutschland auf. Für ihre Arbeit als Fernsehmoderatorin u.a. für Viva, arte und das ZDF wurde sie mit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Charlotte Roche lebt in Köln, ist verheiratet und hat ein Kind.

Mehr über Charlotte Roche [6] bei Wikipedia.


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[1] Kurzkritik: #kurz

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[4] Infos: #infos

[5] Das meinen andere: http://www.perlentaucher.de/buch/charlotte-roche/feuchtgebiete.html

[6] Mehr über Charlotte Roche: http://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_Roche

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