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Volo, Fabio: Noch ein Tag und eine Nacht

Posted By Werner On 11/08/2011 @ 06:00 In 2011,AutorInnen UV,Rezensionen,Romane & Erzählungen | 10 Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover Volo Tag Nacht [5]
  • Broschiert
  • 304 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Diogenes
  • Aus dem Italienischen von Peter Klöss
  • Originalausgabe: „Il giorno in più”, 2007

Inhalt:

Verspielt, berührend, sexy und originell – die Liebesgeschichte von Michela und Giacomo vor der traumhaften Kulisse Manhattans.

Kurzkritik:

An diesem Buch stimmt so vieles nicht, dass ich nicht weiß, mit welchen Mängeln ich beginnen soll. Und ich frage mich, warum ein Buch veröffentlicht wird, dessen Autor weder eine passable Story noch mehr als einen Schüleraufsatz-Stil zusammenbringt.

Besprechung:

Unbeholfen

An diesem Buch stimmt so vieles nicht, dass ich nicht weiß, mit welchen Mängeln ich beginnen soll. Zum einen kümmert sich Fabio Volo kaum um eine Beschreibung der Schauplätze oder des jeweiligen Ambientes, er sorgt weder für atmosphärische Untermalung noch für eine symbolische Kulisse. – Diesem Liebesroman fehlt schon einmal die Atmosphäre.

Zum anderen beschreibt Fabio Volo minutiös, jedoch ungelenk, was seine Figuren alles machen (inklusive aufstehen, anziehen, frühstücken …), ohne dass dies etwas Wesentliches zur Handlung beitragen oder über die Charaktere aussagen würde. – Das ist nicht erst auf Dauer langweilig.

Schön blöd

Dann lässt Volo den Ich-Erzähler Giaomo auch seine Gedanken notieren, etwa: „Wenn ich früher eine Frau sah, die mir gefiel, habe ich versucht, sie kennenzulernen – und vor allem, sie ins Bett zu kriegen.“ – So platt und holprig ist auch der Rest geschrieben (– ein weiteres Beispiel siehe unten).

Nur bei Michela hat Giaomo sich – er weiß selbst nicht, warum – damit begnügt, sie auf dem Weg zur Arbeit im Autobus zu beobachten. Das geht eine Weile so dahin – und dann spricht doch tatsächlich sie ihn an. Wie schön: sie verstehen sich auf Anhieb. Wie blöd: sie ist im Begriff, von Italien in die USA zu ziehen.

Was tun? – Nach New York fahren! Unangekündigt!! Volles Risiko!!!

„Hast du eins?“

Darauf haben Michela und die LeserInnen nur gewartet, und schon verbringt das Paar eine fantastische Woche mit vielen Gesprächen à la:
„Hast du ein Tattoo?“
„Nein, aber ich will mir eins machen lassen.“
„Wo?“
„Vielleicht am Knöchel.“
„Und welches Motiv?“
„Hm, ich denke schon länger drüber nach, aber ich habe noch nichts gefunden, was mir gefällt. Hast du eins?“
„Nein … aber früher oder später lasse ich mir eines machen.“

Supertoller Sex, selbstredend

Am dritten Abend – nach etlichen solcher Dialoge und natürlich supertollem Sex – macht Michela (endlich!; Anm.) einen Vorschlag … – den ich allerdings nicht verrate, weil er das einzig halbwegs Originelle an diesem Buch ist. Am Buchcover wird er ohnedies angedeutet: „Sehen wir mal, ob wir fähig sind, uns wenigstens für eine bestimmte Zeit aufrichtig zu lieben.“

Mein „Problem“ war: die Charaktere sind dermaßen papieren, dass es mich überhaupt nicht interessiert hat, ob und was für ein Paar sie werden. Volo lässt sie ständig darüber reden, wie ungewöhnlich sie nicht wären, doch sie behaupten dies nur und handeln ansonsten wie alle frisch Verliebten (mal abgesehen von der unangekündigten Reise nach NY).

Paris, folgerichtig

Die Hauptfiguren werden weder durch ihre Jobs noch durch Nebenfiguren näher definiert. Michela hat außer einem Exmann anscheindend keine Freunde und Bekannten, Giacomo schon (und außerdem eine Klischee-Familie), doch diese haben keine Funktion, außer Dialogpartner zu sein (wenn er nicht mit Michela zusammen ist), und könnten in jeder anderen Geschichte auch vorkommen.

Denn dieses Buch besteht ausschließlich aus miserabel zusammengefügten Versatzstücken aus den guten und schlechten Liebesromanen dieser Welt. Das Finale findet denn auch folgerichtig in Paris statt.

Auch schon egal

Dass das Paar dort in seinem Anspruch, etwas Besonderes zu sein, Lügen gestraft wird, war mir dann auch schon egal. Und ich frage mich, warum ein Buch veröffentlicht wird, dessen Autor weder eine passable Geschichte noch interessante Charaktere noch mehr als einen Schüleraufsatz-Stil zusammenbringt.

Von Werner Schuster
Infos:

Fabio Volo, geboren 1972 bei Brescia in der Lombardei, ist ein Multitalent. Er ist Autor mehrerer Bestseller, Schauspieler in Filmen z.B. von Alessandro D’Alatri („Casomai“) und Cristina Comencini („Bianco e nero“) sowie in der Verfilmung seines eigenen Romans durch Massimo Venier („Il giorno in più“), und er hat eigene Sendungen in Radio und Fernsehen. Fabio Volo lebt in Mailand, Rom, Paris und New York.

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