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Cotterill, Colin: Totentanz für Dr. Siri

Posted By Eva On 09/07/2010 @ 06:00 In AutorInnen C,Krimis & Thriller,Rezensionen | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover

  • Krimi
  • Hardcover (Manhattan, 2010)
  • Aus dem Englischen von Thomas Mohr
  • Originalausgabe: „Disco for the Departed“, 2006


Inhalt:
„Dr. Siri, der so dickköpfige wie brillante Leichenbeschauer von Laos, muss in die Provinz: Ein bizarrer Fund sorgt für Unruhe in Houaphan, einer abgelegenen Bergregion. Nach einem Erdrutsch ragt ein mumifizierter Arm aus einem frisch verlegten Betonpfad. Da der fragliche Weg zum neuen Domizil des Präsidenten führt, ist er geradezu ein Nationaldenkmal. Folglich soll Siri schnell und diskret herausfinden, warum hier offenbar ein Mann lebendig begraben wurde.“ (Pressetext)

Kurzkritik:

Was ich auch an diesem „Dr. Siri“ so schätze, ist die leichte Hand, mit der hier Wissen, Politik, Weisheit und Herzensbildung in spannenden Geschichten dargereicht wird. Und dass Dr. Siri Geister sehen kann, nimmt ihm nichts von seiner Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Besprechung:

Wilde Tänzchen

Nach „Dr. Siri und seine Toten“ und „Dr. Siri sieht Gespenster“ ist „Totentanz für Dr. Siri“ das dritte Buch in der Krimireihe um den bejahrten laotischen Pathologen Siri Paiboun, zeitlich angesiedelt im kommunistischen Laos der späten 70er-Jahre. Schwester Dtui, hochintelligent, aber arm, hat sich selber Russisch und Englisch beigebracht, um medizinische Fachbücher lesen zu können, und Assistent Geung ist ein unschätzbarer und loyaler Mitarbeiter, dessen Behinderung eigentlich das Besondere an ihm ausmacht. Voller Witz, Magie und respektloser Heiterkeit begegnet Dr. Siri einem starren kommunistischen System und dessen Kader – behutsam vermittelt Cotterill Geschichtliches über Laos vor und nach der Machtübernahme der Pathet Lao und erzählt, wie es ist, in einem kommunistischen Land zu leben.

Bizarrer Mordfall

Im neuen Buch überantworten Dr. Siri und Schwester Dtui dem gerichtsmedizinischen Assistenten Geung die Aufsicht über die Pathologie von Vientiane und reisen ins bergige Houaphan, um einen bizarren Mordfall aufzulösen: Ausgerechnet vor dem Domizil des Präsidenten ragt ein mumifizierter Arm aus dem Beton, möglicherweise hängt eine Leiche dran; in einer Woche kommt der Präsident zu Staatsfeierlichkeiten angereist, und bis dahin sollte, bitteschön, der Fall schnell und diskret gelöst worden sein.

Skurrile Heiratsanträge

Und so machen sich Dr. Siri und Schwester Dtui an die Arbeit und finden inmitten eines Labyrinths aus Schadenszauber, Rassismus, Liebe, Leidenschaft, Rache und politischer Instabilität auf charmante und gewitzte Art nicht nur heraus, wem der Arm gehört, der da unanständigerweise aus dem Betonweg des Präsidenten ragt, sondern retten einem Kind das Leben, treiben Geister aus, finden die Wahrheit über alte Freunde heraus, wagen das eine oder andere wilde Tänzchen und sehen sich mit skurrilen Heiratsanträgen konfrontiert.

Assistent mit Down-Syndrom

Welch abenteuerliche Tour jedoch der pflichtbewusste Assistent Geung inzwischen absolviert, um seiner Aufgabe, auf die Pathologie aufzupassen, gerecht zu werden, ist so amüsant wie aufschlussreich: Geung leidet am Down-Syndrom, wobei „leiden“ das falsche Wort ist, denn Geung macht nicht seine Krankheit zu schaffen, sondern die Vorurteile derjenigen, die ihm seinen Job nicht zutrauen, den er übrigens erstklassig zu erledigen weiß.

Geisterseher

Was ich auch an diesem „Dr. Siri“ so schätze, ist die leichte Hand, mit der hier Wissen, Politik, Weisheit und Herzensbildung in spannenden Geschichten dargereicht wird. Und dass Dr. Siri Geister sehen kann, nimmt ihm nichts von seiner Authentizität und Glaubwürdigkeit.

Von Eva Schuster
Infos:

Leseprobe [5] (PDF)

Zum großen Dr. Siri-Special [6] bei Manhattan.

Colin Cotterill wurde 1952 in London geboren. Nach einer Ausbildung zum Englischlehrer begab er sich auf eine Weltreise, die bis heute andauert. Er lebte lange in Australien, Japan, Thailand und Laos, wo er Englischkurse an verschiedenen Universitäten gab und sich als Sozialarbeiter engagierte. Seine in Laos angesiedelte Krimiserie um Dr. Siri Paiboun, den querköpfigen Leichenbeschauer und Ermittler wider Willen, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Colin Cotterill ist heute hauptberuflich Schriftsteller und lebt in Chumphon, Thailand.

Mehr über Colin Cotterill [7] bei Wikipedia (Englisch).


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[1] Kurzkritik: #kurz

[2] Was meinen Sie?: #user

[3] Ausführliche Besprechung: #rezi

[4] Infos: #infos

[5] Leseprobe: http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?exc=60751&serviceAvailable=true&mid=4&showpdf=true&edi=321130

[6] Zum großen Dr. Siri-Special: http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=11698&mid=1756

[7] Mehr über Colin Cotterill: http://en.wikipedia.org/wiki/Colin_Cotterill

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