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Streitbare Brüder Österreich : Deutschland

Posted By Werner On 24/03/2010 @ 06:00 In AutorInnen L,AutorInnen M,Gesellschaft,Kunst, Kultur,Politik, Geschichte,Rezensionen,Sachbücher | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover
von Hannes Leidinger, Verena Moritz und Karin Moser
Sachbuch
Erschienen 2010 bei Residenz
Inhalt:

Zwischen Nibelungentreue und Piefkeschmäh: Was verbindet Deutsche und Österreicher, was trennt sie voneinander? Und wann genau begannen die Gegensätze sich herauszubilden? Die Antworten führen durch die lange Vorgeschichte bis in die Gegenwart: von der Hermannsschlacht, über Martin Luther, Königgrätz, den Ersten Weltkrieg und den Anschluss 1938 bis zur Wende von 1989 und zum Schulterschluss im vereinten Europa. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wer sich ein launig-lustiges Büchlein über die schwierige Nachbarschaft zwischen Österreich und Deutschland erwartet, sollte vielleicht eher zu „Cordoba: Das Rückspiel“ greifen. Darin kriegen „beide Seiten gnadenlos ihr Fett ab, humoristisch zugespitzt und satirisch auf den Punkt gebracht“. In „Streitbare Brüder“ aber geht es ziemlich wissenschaftlich zu.

Besprechung:

Verödete Königswege

Wer sich ein launig-lustiges Büchlein über die schwierige Nachbarschaft zwischen Österreich und Deutschland erwartet, sollte vielleicht eher zu „Cordoba: Das Rückspiel“ greifen. Darin kriegen „beide Seiten gnadenlos ihr Fett ab, humoristisch zugespitzt und satirisch auf den Punkt gebracht“.

Nein, in „Streitbare Brüder“ geht es ziemlich wissenschaftlich zu. Hannes Leidinger hat Geschichte, Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte studiert, Verena Moritz Geschichte und Russisch – und Karin Moser ist Filmhistorikerin, Redakteurin, Kuratorin, Lektorin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Filmarchiv Austria.

Solche AutorInnen wollten nicht, dass beide Seiten ihr Fett abkiegen, und: „Für uns, drei Wiener Autoren mit verschiedenen (alt-)österreichischen Wurzeln, ist es ein Heimspiel. Wir erdreisten uns nicht, in die Trikots der gegnerischen Mannschaft zu schlüpfen oder die Gastgeber in fremden Stadien zu mimen.“

Historiographie

So flapsig wie in diesem Satz geht es auf den folgenden knapp 300 Seiten nicht mehr zu: „Inhaltlich lagert sich der ,Stoff‘ – wenn man so sagen darf – in zwei Schichten ab. Die eine, tiefer liegende ,Matrix‘ wird mit dem Etikett ,Gedanken und Gefühle‘ versehen, bietet Kultur-, Geistes- und Mentalitätsgeschichtliches, (–). Die andere, weniger verdeckte Ebene ist dafür streckenweise sanierungsbedürftig. Unser Ziel musste es daher sein, bisweilen verödete ,Königswege‘ der Historiographie zu ,revitalisieren‘. Politisches und Militärisches, Wirtschaftliches und Soziales galt es dabei zusammenzufassen.“

Die AutorInnen gehen dabei so vor, wie man es auf den Universitäten lernt, nämlich „anti-journalistisch“. Anders gesagt: Sie arbeiten sich auf eine mögliche Aussage hin (während JournalistInnen eine solche vorneweg präsentieren und dann abhandeln).

Wiedervereinigung

Und so muss man sich durch detailreiche Schilderungen vom Heiligen Römischen Reich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeiten und sich danach die österreichischen Sicht von Fremdenverkehr, Film, TV und Sport darlegen lassen, bis man zum „Schlussakt“ kommt, der nun nicht wirklich in ein Statement mündet. Eher wird die These aufgestellt, dass sich am Verhältnis Österreich : Deutschland seit der deutschen Wiedervereinigung vieles zum Besseren gewendet habe.

„Einigermaßen unverändert blieben“ jedoch „die wechselseitigen Klischees“. Wer dieses Buch durchaus studiert hat, wird um deren Ursprünge und Auswüchse gut Bescheid wissen. Alle anderen werden sich wohl mit „Cordoba“-artigen Sätzen begnügen wie „Tomaten heißen in der Alpenrepublik immer noch Paradeiser, auch wenn im Salat letztlich alle gleich sind“.

Von Werner Schuster
Infos:

Über die AutorInnen [5] bei Residenz.


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