21/03/2010von 1.105 Views – 2 Kommentare

Ein perfektes Wochenende

Immer wieder fragen mich (nicht nur) LeserInnen, wie ich es schaffe, so viele Bücher zu lesen. Nun, da kann ich ein kleines Beispiel geben.

Letztes Wochenende hatte Eva auswärts zu tun, Flora musste für eine Mathematik-Schularbeit lernen und ich unterstützte sie dabei.

Ich hatte mir vorgestellt, dass ich auf dem Sofa sitze und lese, während Flora am Tisch über Mathe-Aufgaben brütet, und dass ich ihr ab und zu helfe resp. ihre Lösungen kontrolliere.

Ich hatte (an Neuerscheinungen) vorrätig: „Streitbare Brüder“ (Leidinger, Moritz, Moser/ Residenz), „Exit (Miegel/ Propyläen), „Der Geist von Turin“ (Albath/ Berenberg), und dann waren am Freitag noch eingetroffen: „Der Schuh auf dem Dach“ (Delecroix/ List), „Wir müssen über Kevin reden“ (Shriver/ Ullstein), „Ich schraube, also bin ich“ (Crawford/ Ullstein), „Mit gespaltener Zunge“ (Wilson/ Droemer).

Nun verhält es sich ja selten so, dass genau das passiert, was ich mir erhofft oder erwartet habe, doch diesmal geschah genau das. Aus meinem Angebot hatte ich mich für „Der Geist von Turin“ und „Ich schraube, also bin ich“ entschieden, welche ich abwechselnd las.

Das heißt nun nicht, dass ich nichts anderes tat. Ich ging auch einkaufen, stellte eine Wäsche zu und hängte diese auf, kochte und wusch das Geschirr ab – aber gewissermaßen zwischendurch.

Zwischendurch scheiterten Flora und ich an der Gleichung „3x + x/2 + x/3 + x/4 = 2x + 8“ (ich gelangte nach langem Tüfteln zu der Überzeugung, dass statt 8 7,5 stehen müsste, dann wäre x = 3,6 und alles ginge sich aus, aber man weiß ja nie.)

Ansonsten genoss ich Albaths Vorgehensweise und Stil, mit denen sie mir eine mir bis dahin unbekannte historische Episode aus dem benachbarten Italien vermittelte, und ich war angetan von jenem Herrn Crawford, der seinen Job bei einer Denkfabrik aufgegeben hat, weil er als Motorradmechaniker ein befriedigenderes Leben führt, und seinen Überlegungen dazu und Schlussfolgerungen daraus. (Besprechungen folgen.)

Es verhielt sich sogar so, dass ich am Sonntag als Erster munter war und hoffte, dass ich das letzte Kapitel von „Der Geist von Turin“ zu einer Tasse Kaffee ungestört fertig lesen könnte, während die anderen noch schliefen. Selbst dieser Wunsch ging in Erfüllung.

Und so hatte ich am Sonntag Abend doch tatsächlich genug gelesen. Ich sah noch in „Wir sollten über Kevin reden“ rein (d.i. ich las etwa 50 Seiten), aber es war genug. Ich klappte das Buch zu, schenkte mir ein Glas Wein ein und sah aus dem Fenster, wie sich die Äste des Kastanienbaums im Wind wiegten, und dachte: Es soll nicht immer so sein, aber für dieses Mal war es perfekt.

ich lese

© Flora Schuster


Die Bücher bei Amazon

  • „Streitbare Brüder“
    Eine informative wie vergnügliche Zeitreise durch 2000 Jahre österreichisch-deutsche Geschichte. Was verbindet Deutsche und Österreicher, was trennt sie voneinander? Und wann genau begannen die Gegensätze sich herauszubilden? Die Antworten führen durch die lange Vorgeschichte bis in die Gegenwart: von der Hermannsschlacht, über Martin Luther, Königgrätz, den Ersten Weltkrieg und den Anschluss 1938 bis zur Wende von 1989 und zum Schulterschluss im vereinten Europa.
  • „Exit“
    Das Wachstum der Wirtschaft ist zur Ersatzreligion unserer Gesellschaft geworden. Vielen gilt es als Voraussetzung für Wohlstand, persönliches Glück und ein funktionierendes Gemeinwesen. Doch was ist, wenn es kein Wachstum mehr gibt? Was kann, was sollte an seine Stelle treten, um uns ein erfülltes Leben zu ermöglichen?
  • „Der Geist von Turin“
    In Mussolinis Italien, im Schatten der Fabriken von Fiat und Olivetti, begegneten sich in den Dreißiger Jahren in Turin ein paar gebildete junge Leute. Sie gründeten Zeitschriften und Verlage, schrieben kritische Artikel, nahmen Verbannung und Gefängnis auf sich und fühlten sich als Avantgarde. Und das waren sie: Aus dem Kreis um Cesare Pavese, Leone und Natalia Ginzburg und den Verlag Einaudi kam jener Geist, der nach 1945 das Klima intellektueller Freiheit in Italien wesentlich geprägt hat.
  • „Der Schuh auf dem Dach“
    Ein Schuh liegt einsam und allein auf einem Dach in Paris. Die Bewohner des Hauses gegenüber inspiriert er auf jeweils ganz verschiedene Weise. Dieser philosophische Roman, der in Frankreich monatelang auf der Bestsellerliste stand, erzählt voller Poesie vom Zauber des Erzählens und davon, dass es im Leben stets viele Blickwinkel gibt.
  • „Wir müssen über Kevin reden“
    Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag richtet Kevin in der Schule ein Blutbad an. Innerhalb weniger Stunden ist das Leben seiner Mutter Eva nicht mehr, wie es war. Von allen verurteilt und ab sofort auf sich selbst gestellt, findet sie den Mut, sich in aller Offenheit quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihre Ehe retten können? Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können?
  • „Ich schraube, also bin ich“
    Was ist befriedigender: einen 12-Stunden-Tag im Büro abzusitzen, inklusive Meetings, Telefonate und Spam-Mail, oder mit den eigenen, ölverschmierten Händen eine Harley wieder in Gang zu bringen? Für den promovierten Philosophen und ausgebildeten Mechaniker Matthew B. Crawford ist die Antwort eines Tages glasklar: Sein Weg aus der Sinnkrise führt ihn geradewegs in die eigene Motorradwerkstatt.
  • „Mit gespaltener Zunge“
    Als der junge Engländer Adam Woods in Venedig eine Stelle als Assistent des einsiedlerischen Schriftstellers Gordon Crace antritt, hat er so seine Hintergedanken. Mit einer Biographie über den menschenfeindlichen Crace, – der vor Jahrzehnten einen großen Bestseller veröffentlichte und seither verstummt ist, will er Ruhm ernten. Doch der Alte ist keineswegs senil – und schon gar nicht arglos. In seinem verfallenden Palazzo entspinnt sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen den zwei Männern. Denn beide haben etwas zu verbergen.

Mehr bei den Eselsohren

 
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2 Kommentare zu "Ein perfektes Wochenende"

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  1. schwester sagt:

    25x = 96

    x = 3,84 ….. blöde Rechnung

    😉

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