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Philipps, Carolin: Wofür Worte fehlen

Posted By Werner On 18/02/2010 @ 06:00 In AutorInnen PQ,Jugendbücher,Kinder- & Jugendbücher,Rezensionen | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover
Jugendroman
Erschienen 2010 bei Ueberreuter
Inhalt:

Kristian ist fast 15 und lebt in einer scheinbar normalen Familie. Sein Vater verwöhnt ihn sehr und Kristian liebt seinen Dad, möchte ihm alles recht machen. Doch warum hat er immer wieder diese schrecklichen Bauchschmerzen? Und er muss quälende Geheimnisse bewahren: die ‘Männerspiele’, zu denen ihn sein Vater seit Jahren zwingt. Erst als sein kleiner Patensohn in Gefahr ist, bricht Kristian sein Schweigen. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ich denke, man sollte dieses Buch Kindern geben, bei denen man den Verdacht hat, sie würden sexuell missbraucht. Es wird den Opfern vermitteln, dass sie sich mit ihrer schrecklichen Wahrheit jemandem anvertrauen können. Dass man ihnen glauben wird und dass ihnen geholfen wird.

Besprechung:

Den Opfern Mut machen

Wahrscheinlich wird jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebente bis zehnte Junge sexuell missbraucht. Untrennbar damit ist das Nicht-darüber-reden-können (und -dürfen) verknüpft. So sehr sich die Kinder das auch wünschen, sie können nicht darüber sprechen.

Denn diese fühlen sich mitschuldig und sind in einem Netz aus Angst, Scham, Schuldgefühlen, Bedrohung, Erpressung, Bestechung, Lügen, Unglauben und Rücksicht auf die Familie gefangen. Sie senden zwar Signale, diese werden aber in der Regel nicht verstanden.

Eine wahre Geschichte

Carolin Philipps hat eine wahre Geschichte aufgeschrieben: Der im Buch Kristian genannte Bub wurde seit Jahren von seinem Vater zu „Männerspielen“ gezwungen und litt unter „mysteriösen“ Bauchschmerzen. Doch erst als sein kleiner Patensohn ebenfalls in Gefahr war, brach „Kristian“ sein Schweigen.

Dies wird nicht betulich oder von oben herab erzählt, sondern feinfühlig und durchaus „spannend“.

Bei Verdacht

Ich denke, man sollte dieses Buch Kindern geben, bei denen man den Verdacht hat, sie würden sexuell missbraucht. Es wird den Opfern vermitteln, dass sie sich mit ihrer schrecklichen Wahrheit jemandem anvertrauen können. Dass man ihnen glauben wird und dass ihnen geholfen wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass dies dann auch geschieht.

Von Werner Schuster
Infos:

Carolin Phillips wurde 1954 geboren und ist Gymnasiallehrerin in Hamburg. Sie ist mit einem Vietnamesen verheiratet und hat zwei Kinder. Besonders interessiert ist sie an Themen (auch politisch aktuellen), die Kinder und Jugendliche heute beschäftigen. Für ihren Roman “Milchkaffee und Streuselkuchen” wurde Carolin Philipps der “Mentioning Award des UNESCO-Price for Tolerance and Peace 2000” verliehen.

Über Carolin Philipps [5] bei Wikipedia.


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[1] Kurzkritik: #kurz

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[4] Infos: #infos

[5] Über Carolin Philipps: http://de.wikipedia.org/wiki/Carolin_Philipps

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