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Blesken, Julia: Ich bin ein Rudel Wölfe

Posted By Werner On 13/01/2010 @ 06:00 In AutorInnen B,Rezensionen,Romane & Erzählungen | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover
Roman
Erschienen 2009 bei Jung & Jung
Inhalt:

Sie macht sich auf in die Stadt, nach Berlin, aber sie ist nicht allein, sie hat ihre Kindheit bei sich, im Kopf, in den Erinnerungen, im flatternden Herzen. Es ist das Dorf, das sie nicht vergessen wird, niemals, die Straße, auf der sie mit der Mutter gehen musste, der Teich, an dem sie mit dem Vater saß, das Haus. Und es ist der Bruder, der engste Vertraute und Komplize ihrer frühen Jahre, mit dem sie den Sinn für Licht, Grün und Wolken teilte und mit dem sie einen Pakt geschlossen und den sie doch zurückgelassen hat. (Pressetext)

Kurzkritik:

Julia Blesken beschreibt eine Frau, die gerade von einem Dorf in die große Stadt gezogen ist. Wie sie vom Neuen überwältigt wird und sich an das erinnert, was sie soeben hinter sich gelassen hat.

Und obwohl es ein persönliches Buch zu sein scheint, wirkt „Ich bin ein Rudel Wölfe“ nicht wie eine verkappte Autobiografie. Blesken ist auch den weiten Weg zur Kunst, zu (ihrem persönlichen) künstlerischen Ausdruck gegangen.

Besprechung:

Wunderbares Niemandsland

Es hat eine Weile gedauert, bis sich mir dieses wunderbare Buch erschlossen hat, und vielleicht waren die Weihnachts-Feiertage genau der rechte Zeitpunkt, es zu lesen: drinnen, in Ruhe.

Julia Blesken beschreibt eine Frau, die gerade von einem Dorf in die große Stadt gezogen ist. Wie sie vom Neuen überwältigt wird und sich an das erinnert, was sie soeben hinter sich gelassen hat.

Feinnervig

Am Bahnhof Berlin Zoologischer Garten stieg Re aus dem Zug, lief einfach los, in irgendeine Richtung, Treppen hinauf und hinunter, bis sie im Freien stand. Ob sie Schnee erwartet hatte. Bestenfalls ein Bild in hellem, sich auflösendem Grau. Sie dachte an das Auto, das in der Mitte des Hofes stand, an die hellgraue Tönung ihres Trabants, und vielleicht war das ihre letzte Erinnerung: Ein graues Auto, das auf dem Kopfsteinpflaster stand.

Es ging ihr „um eine feinnervige Umsetzung dieses von Umbrüchen gekennzeichneten Zeitverlaufs“, schreibt Blesken. Tatsächlich: Jede/r kennt wohl solche Zeiten des Neubeginns, in denen man sich in einer Art Niemandsland zwischen Vergangenheit und Zukunft befindet und gewissermaßen nur körperlich in der Gegenwart. Blesken hat dafür eine ansprechende literarische Umsetzung gefunden.

Der weite Weg

Und obwohl es ein persönliches Buch zu sein scheint, wirkt „Ich bin ein Rudel Wölfe“ nicht wie eine verkappte Autobiografie. Blesken ist auch den weiten Weg zur Kunst, zu (ihrem persönlichen) künstlerischen Ausdruck gegangen.

Und so liest man nicht über Frau Blesken, sondern ein Werk, das einen selbst betrifft. Dabei werden wohl Bilder von der eigenen Kindheit und Jugend aufsteigen. In so einem Fall genoss ich es, mich – über das aufgeschlagene Buch hinweg – zu erinnern. Um eine Weile später dann die anregende, erbauliche Lektüre wieder aufzunehmen, drinnen, in Ruhe.

Von Werner Schuster
Infos:

Julia Blesken, geboren 1976 in Berlin, Geschichtsstudium an der Freien Universität Berlin, Teilnahme an der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums. »Ich bin ein Rudel Wölfe« ist ihr erster Roman.


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