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Chraibi, Driss: Die Zivilisation, Mutter!

Posted By Werner On 09/11/2009 @ 06:00 In 1950-1974,AutorInnen C,Rezensionen,Romane & Erzählungen | No Comments

Kurzkritik [1]Was meinen Sie? [2]Ausführliche Besprechung [3]Infos [4]

Buchcover Die Zivilisation, Mutter
Erschienen 2009 als Taschenbuch bei Unionsverlag
Aus dem Französischen von Helgard Rost
Originalausgabe: „La civilisation, ma mére!“, 1972
Inhalt:

Der zärtlich und augenzwinkernd geschilderte Weg einer Frau aus einer vorindustriellen Welt mitten in die Turbulenzen des modernen Marokko – eine Liebeserklärung! (Pressetext)

Kurzkritik:

Eine Liebeserklärung an die Frauen, an den Fortschritt und an das, was wir hinter uns gelassen haben.

Besprechung:

Was vom Fortschritt übrig bleibt

Wenn wir hier nur Pressemitteilungen und Klappentexte copy-pasten würden, stünde hier bloß: „Der Weg dieser marokkanischen Mutter führt aus einer vorindustriellen Welt mitten in die Turbulenzen unserer Zeit.“

Und wenn wir die Bücher nur anlesen würden, hätte ich geschrieben, dass mich dieses Buch an meine Großmütter erinnert hat, welche aus der österreichischen Kaiserzeit über Kriege und materielle Not direkt ins Zeitalter der Zentralheizungen und Telefone getrudelt sind.

Geistererscheinung

Doch das ist nur der Anfang von Chraibis Hommage an seine Mutter, welche eine Radiostimme für eine Geistererscheinung hält und nicht begreift, dass das „Fräulein vom Amt“ diejenigen nicht kennt, welche die Mutter am Telefon erreichen möchte.

Doch dann drängen die Buben ihre Mutter aus dem Haus, in dem sie seit ihrem 14. Lebensjahr „eingesperrt“ war, und auf einmal entdeckt diese Frau, dass sie mehr ist als Mutter und Gattin. Sie beginnt sich zu bilden, sie gestaltet das Haus um – und sie wird politisch, will auf ihre immer noch naive Art die anderen Frauen befreien und überhaupt die Kriege beenden.

Und der Vater sieht ihr zuerst ratlos, schließlich fasziniert zu. Sieh mal einer an: Frauen sind nicht nur für Sex, Kochen und Putzen da.

Märchen

Chraibi beschreibt das auf eine zart naive, humorvolle Art und Weise, ein bisschen wie ein modernes Märchen aus 1001 Nacht, in dem wir uns wohl alle wieder finden – und unsere (Ur-)Großeltern und Eltern.

„Die Zivilisation, Mutter!“ ist nicht nur eine poetische Studie über den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt, sondern auch über das, was wir beim Fortschreiten hinter uns gelassen haben.

Von Werner Schuster
Infos:

Driss Chraïbi wurde 1926 in El Jadida in Marokko geboren und ging nach dem Abitur 1945 nach Paris, um Chemie und Medizin zu studieren. 1952 wandte er sich jedoch von den Naturwissenschaften ab, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er unternahm zahlreiche Reisen und arbeitete in den unterschiedlichsten Berufen: als Ingenieur, Journalist, Nachtwächter und Arabischlehrer. Für sein Werk erhielt er die Auszeichnung »Chevalier des Arts et Lettres«. Sein Roman »Die Zivilisation, Mutter!« gilt als eines der originellsten Werke in der nordafrikanischen Literatur. 2007 starb Driss Chraïbi an seinem Wohnort in Frankreich.

Über Driss Chraibi [5] bei Wikipedia.


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[1] Kurzkritik: #kurz

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[4] Infos: #infos

[5] Driss Chraibi: http://de.wikipedia.org/wiki/Driss_Chraïbi

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